Alles auf Anfang!

Ein neues Kirchenjahr, ein neues Lesejahr, ein anderes Evangelium

Wie fängt man an? Einen Artikel, ein Gespräch, eine Beziehung? Wie fängt man das an? Denn es gibt im Leben die Erfahrung, dass ein Anfang gut sein muss, dass er entscheidend ist für das weitere Fortkommen. Anfänge sollten also bewusst, am besten gut gestaltet sein.

Aller Anfang ist schwer ... Foto: Frederick Medina/unsplash

 

von Claudia Auffenberg

Opern zum Beispiel fangen in der Regel mit einer Ouvertüre an. Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet Eröffnung. Auch die Bibel kennt dieses Format. 73 finden sich im Alten und Neuen Testament, so viele Bücher umfasst die Bibel, die natürlich alle einen Anfang haben. Und wie in der Oper führen auch die biblischen Ouvertüren in die Bücher ein, Themen und Motive tauchen gleich am Anfang auf. Schon in den ersten Kapiteln erfährt der Leser viel über das, was ihn auf den folgenden Seiten erwartet, wenn er es auch erst später merkt.

Ein Paradebeispiel dafür ist das Lukasevangelium. An diesem Sonntag beginnt ein neues Kirchenjahr und damit ein neues Lesejahr, Lesejahr C nämlich. An den Sonntagen im Jahreskreis wird aus dem Lukasevangelium gelesen. In den ersten Sätzen dieses Buches schreibt Lukas, für wen und warum er es geschrieben hat. Er wendet sich an einen hochverehrten Theophilus, der in der Lehre Jesu schon unterwiesen worden ist. Damit er sich von deren Zuverlässigkeit überzeugen kann, hat Lukas „von Beginn an“ und „der Reihe nach“ recherchiert und aufgeschrieben. Wir halten fest: Theophilus kennt also die Geschichte Jesu schon. Er kennt die Fakten, aber zu wissen, was geschehen ist, heißt noch lange nicht, zu begreifen, warum es geschehen ist. Warum musste dieser Jesus so sterben? Lukas findet für sich die Antwort in den Schriften des alten Bundes, vor allem im Buch des Propheten Jesaja und seinen Liedern vom Gottesknecht. Und so komponiert er dem Theophilus ein großartiges Stück, das mit einer ebenso großartigen Ouvertüre beginnt. Wer diese Ouvertüre hören möchte, kann sich die ersten beiden Kapitel des Evangeliums laut vorlesen. Oder vorlesen lassen. Man kennt das alles eigentlich, aber es im Zusammenhang zu hören, zu hören, wie es miteinander verwoben ist, fasziniert ungemein.

Die Jesuserzählung des Lukas beginnt im Tempel, wo sie auch endet. Der letzte Satz des Lukasevangeliums lautet: „Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ Wie die Engel auf den Feldern. Ja, dieser Jesus muss sterben, das deutet sich in der Ouvertüre schon an, aber auch, dass sein Sterben nicht das Ende ist, sondern ein Weg, der zum Leben führt. So hat es Theophilus gelernt und darin will Lukas ihn stärken. Der Anfang kennt das Ende schon, kein Grund, sich zu fürchten.

Literaturempfehlung: Egbert Ballhorn, Georg Steins, Regina Wildgruber, Uta Zwingenberger (Hg): 73 Ouvertüren. Die Buchanfänge der Bibel und ihre Botschaft. Gütersloher Verlagshaus.

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