Als Kirche Zeichen gegen Missstände setzen

Weihbischof Matthias König und Delegation aus dem Erzbistum Paderborn besuchten Madagaskar

Paderborn (pdp). Zu Gast am anderen Ende der Welt: Weihbischof Matthias König, Ulrich Klauke als Leiter des Referates Mission-Entwicklung-­Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, Dagmar Feldmann, Vorsitzende der Initiative „Freunde von Tafita“, Lena Wierich, ehemalige Missionarin auf Zeit (MaZ) und einige weitere Interessierte hatten vor Kurzem die Chance, weltkirchliche Partner und Freunde in Madagaskar zu besuchen.

Weihbischof Matthias König im Gespräch beim Besuch einer Schule. Foto: privat

 

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt mit einer einmaligen Flora und Fauna – viele Arten in der Tier- und Pflanzenwelt gibt es nur hier. Allerdings gehört die Insel, eine ehemalige französische Kolonie, zu den ärmsten Ländern der Welt. Jahrzehntelange Misswirtschaft und Korruption sind unter anderem die Gründe dafür, dass das Land sich in dieser Situation befindet. Die Folgen sind beispielsweise hohe Armut und Kriminalität, sodass ein echter Aufbruch kaum möglich erscheint. Die katholische Kirche in Madagaskar versucht, gegen diese Missstände Zeichen zu setzen. Katholiken bilden die zahlenmäßig größte Konfession auf der Insel, auf der etwa die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Konfession angehört.

Ein beispielhafter Visionär, der versucht, den Menschen neue Hoffnung zu geben und die derzeitigen Umstände Schritt für Schritt zu verändern, ist Monsignore Benjamin Ramaroson, Oberhirte des Erzbistums Antsiranana (früher Diégo-Suarez) im Nordwesten der Insel. Bereits als Bischof des südöstlichen Bistums Faranfangana hatte er die „Diocèse vert“ – die „Grüne Diözese“ – proklamiert. Gegen die schrankenlose Abholzung der einst reichen Wälder mit all ihren Folgen wie Erosion, extreme Wetterphänomene oder Wassermangel hatte er ein Programm gestartet, das den Gläubigen Anstoß gab, bei wichtigen familiären Ereignissen Bäume zu pflanzen und damit ein Zeichen zu setzen. Mithilfe von Tafita, einem jungen Mann aus Madagaskar, der 2010 und 2011 auf dem Jugendbauernhof in Hardehausen im Erzbistum Paderborn als Missionar auf Zeit gearbeitet hatte, wurde bis 2014 vieles erreicht: Einige Hundert Hektar Bäume wurden gepflanzt, zaghaft begann bei den Menschen ein Bewusstsein dafür zu wachsen, dass etwas gegen die Zerstörung der Natur getan werden kann.

Nun versucht Erzbischof Benjamin Ramaroson, der dem Orden der Vincentiner angehört, ähnliches in Antsiranana zu beginnen. Hier geht er den Weg über die Schulen und versucht, Kinder und Jugendliche in den kirchlichen Bildungseinrichtungen für die Bedeutung des Umweltschutzes zu sensibilisieren und so mit ihnen als „Verbündete“ gegen die Naturzerstörung anzugehen.

In Madagaskar besuchten die Gäste aus dem Erzbistum Paderborn das Pastorale Zen­trum, das zur Fortbildung der Katechisten dient und aus Paderborn gefördert wurde. Bei einer Messfeier in der Kathe­drale von Antsiranana wurde der Gruppe vom Präsidenten des Laiengremiums eine kostbare geschnitzte Madonna als Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit überreicht. Die deutschen Besucher konnten zudem einige Projekte in und um Antsiranana besuchen, so etwa kirchliche Schulen, Schwesternhäuser und ein neues Zentrum in einem wachsenden Vorort der Stadt. Das Zentrum, in dem Ordensschwestern tätig sind, soll Jugendlichen ein Anlaufpunkt sein, um sie vor Drogen und Gewalt zu bewahren.

Von der Hauptstadt Madagaskars, Antananarivo, ging es dann für die Reisegruppe nach Süden. Begleitet wurden die Gäste von Paul Schwarzelühr aus Bünde, der in Ambalavao als Missionar auf Zeit in einer Schule der Josephsschwestern von Cluny tätig ist. Er erwies sich auf der Reise als profunder Kenner des Landes und konnte aufgrund seiner Sprachkenntnisse in Französisch und Madagassisch viele Gespräche anregen.

Ein weiterer Besuch führte in die Projektstelle Kianjavolasoa in der Nähe von Antsirabe. Dort haben die Schwestern Unserer Lieben Frau von La Salette mitten auf dem Land eine Schule und einen Bauernhof. Auch dort war eine Missionarin auf Zeit eingesetzt. Im April wurde diese Station überfallen und ausgeplündert. Die Missionarin auf Zeit musste daher ihren Einsatz abbrechen.

An allen Orten wurden Weihbischof König, Ulrich Klauke und die Begleiterinnen und Begleiter mit großer Freude empfangen. Die Bischöfe, Ordensleute und Laien schätzten die Zeichen der geschwisterlichen Anteilnahme.

„Die Reise nach Madagaskar hat Beziehungen gestärkt und ausgebaut und den regen Austausch über die Missionare auf Zeit noch einmal vorangebracht“, lautet ein Fazit. Neue Projekte, jetzt auch im Erzbistum Antsiranana, sollen erschlossen werden, weitere Madagassen sollen in das Erzbistum Paderborn kommen.

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