Angekommen in Deutschland

Antony Jeyakumar fand dank der Hilfe vieler Menschen eine neue Heimat

Erzbistum. Mit der Kampagne „Hilfe durch Dich“ wirbt der Diözesan-Caritasverband um neue Mitglieder. Wie wichtig soziales Engagement für andere ist, zeigt das Beispiel von Antony Jeyakumar.

Antony Jeyakumar, hier mit seiner Frau Hendravathani, kam vor über 30 Jahren als Jugendlicher nach Herne. Heute arbeitet er als Krankenpfleger und spielt in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Keyboard. Foto: Lukas

 

von Christian Lukas

Vor 30 Jahren musste Antony Jeyakumar als Jugendlicher aus Sri Lanka flüchten. Dank vieler Menschen, die ihn von Anfang an begleiteten und förderten, nennt er heute Deutschland seine Heimat.

„Sein Weg wäre ohne uns anders verlaufen“, sagt Liese­lotte Joede, Vorsitzende der Caritas-­Konferenz St. Marien in Herne-­Eickel. „Schon damals haben wir ihn begleitet und gefördert“, so Frau Joede. „Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt, weil er sehr musikalisch ist. Neulich ist er bei unserem Seniorenfest aufgetreten. Dabei hat er sich mit bewegten Worten bei uns bedankt.“

Antony Jeyakumar war 18 Jahre alt, als er 1985 seine Heimat verlassen musste und in Deutschland um Asyl bat. Heute nennt er Deutschland seine Heimat. „Aber ohne die Hilfe der Caritas und vieler ehrenamtlicher Helfer aus dem kirchlichen Umfeld wäre ich kaum so schnell in Deutschland angekommen.“

Ankommen, das ist ein Begriff, der für Antony Jeyakumar mehr als eine geografische Bedeutung hat. „Ankommen, das bedeutet für mich, ein Teil der Gesellschaft geworden zu sein, die mich aufgenommen hat. Was aber nur möglich gewesen ist, weil es Menschen gab, die mir zur Seite standen. Allein die Behördengänge! Wie hätte ich die ohne diese Hilfe bewältigen sollen?“ Glücklicherweise sprach Antony Jeyakumar Englisch, was von Anfang an eine vergleichsweise gute Verständigung ermöglichte. „Doch ich habe schnell festgestellt, dass ich ganz schnell Deutsch lernen musste.“ Ansprechpartner waren für ihn in dieser Zeit die Caritas und die Kirchengemeinde St. Marien, über die er einen Sprachkurs an der Bochumer Ruhr-Uni erhielt. Ein Glücksfall für ihn, denn: „Der Kurs richtete sich an Studenten, die in Deutschland studieren wollten und er war“, schmunzelt er, „sehr anspruchsvoll.“

Ein Tiefschlag für den seinerzeit jungen Mann: „Mein Traum war es, Medizin zu studieren, doch mein Abitur ist in Deutschland nicht anerkannt worden.“ Für Antony Jeyakumar ein Moment, der ihn zweifeln ließ. „Ich wollte Sri Lanka nicht verlassen“, erinnert er sich mit ruhiger Stimme. Seit 1983 herrschte Bürgerkrieg in seinem Land. Tamilische Separatisten kämpften für einen tamilischen Staat auf der Insel.

Antony Jeyakumar, selbst Tamile, verabscheute den Krieg. Dennoch kam er ins Gefängnis: „Ich habe mit Freunden Menschenrechtsverletzungen der Armee dokumentiert und wir haben Fotos an Amnesty International geschickt. Wir wollten, dass der Wahnsinn endet und wir wieder friedlich zusammenleben.“ Doch nach seiner Verhaftung hatten seine Eltern Angst um ihn – und organisierten ohne sein Wissen seine Flucht. Von neun Kindern leben heute nur noch seine beiden ältesten Geschwister auf der Insel. „Wir anderen sind über die ganze Welt verstreut.“

Die Kirche spielte für den Angehörigen der katholischen Minderheit unter den ansonsten mehrheitlich hinduistischen Tamilen eine zentrale Rolle für seine Integration. So lernte er über die Vinzenzkonferenz seiner Gemeinde Friedrich Dormann und seine Frau Maria Bender-Dormann kennen, zwei Gemeindemitglieder, die er heute als seine deutschen Eltern bezeichnet. „Sie haben mir ganz persönlich das Gefühl gegeben, willkommen zu sein.“

Persönliche Beziehungen sind für ihn das A und O einer Integration. Nachdem er die deutsche mittlere Reife erworben hatte, begann er eine Krankenpflegerausbildung. Heute arbeitet er im Marienhospital Wattenscheid. Er hat Hendravathani geheiratet, eine Hindugläubige. Und dann ist da sein Sohn Nahulan-­David (15), mit dem Antony Jeyakumar regelmäßig Klavier- und Keyboard-Konzerte in Senioreneinrichtungen gibt. Dazu ist er auch über die Caritas gekommen. „Damit kann ich zumindest ideell ein bisschen von dem zurückgeben, was ich bekommen habe.“

Dass er bei diesen Konzerten im Schatten seines Sohnes steht, damit kann er leben. Der Gymnasiast absolviert in seiner Freizeit eine kirchenmusikalische Ausbildung und übernimmt längst Orgeldienste in verschiedenen Gemeinden, obwohl er offiziell gerade erst den C-Schein fürs Orgelspiel erwirbt.

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