Apostola apostolorum

Über die heilige Maria Magdalena

Die Auferstehung des Herrn ist für die Christenheit bekanntlich nicht ganz unwichtig und die erste, die sie bezeugt hat, ist Maria Magdalena. Ihr Gedenktag steht im Erzbistum Paderborn oft – in diesem Jahr besonders – im Schatten des Libori-Festes, weltkirchlich gesehen ist er seit dem letzten Jahr aufgewertet.

Maria Magdalena mal nicht büßend oder weinend oder lasziv, sondern als Schlussstein in der Kirche in Waldenburg in Österreich, um 1370. Foto: dpa

 

von Claudia Auffenberg

Papst Franziskus hat den 22. Juli vom gebotenen Gedenktag zu einem Feiertag hochgestuft. Damit ist sie – zumindest liturgisch – den anderen Aposteln gleichgestellt.

In dem vatikanischen Dekret hieß es: „Die erste Zeugin und Evangelistin des Sonntags der Auferstehung, die heilige Maria Magdalena, wurde von der Kirche im Westen wie im Osten schon immer mit höchster Ehrfurcht angesehen, wenn sie auch auf unterschiedliche Weise verehrt wurde.“ Schon immer – eine inte­ressante Formulierung, denn wenn man ein bisschen in der Geschichte blättert, dann bekommt man den Eindruck, dass Maria Magdalena schon immer auch ganz anders gesehen wurde: Ist sie denn nicht eine Sünderin und eine Büßerin? Die Exegeten sagen heute ganz klar: Nein, ist sie nicht! Die biblischen Texte erzählen ganz anderes, nämlich, dass sie mit ihrem Vermögen den Lebensunterhalt Jesu sicherte, am Kreuz aushielt, seine Beerdigung beobachtete und am ersten Tag der neuen Woche den Leichnam versorgen wollte. Dazu ist es bekanntlich nicht gekommen, denn am Grab erfuhr Maria als erste die wahrlich weltverändernde Botschaft: Er lebt!

In unserer Zeit, in der man so dermaßen an Videofilmchen gewohnt ist, würde man natürlich zu gern mal fragen: Was, Maria, hast du gesehen, gehört, erlebt? Was hat dich das Unfassbare glauben lassen? Es gibt kein Handyvideo – wahrscheinlich muss man sagen: Gott sei Dank! Aber es gibt diese wunderbaren Erzählungen der Evangelien, die man mit dem Herzen lesen muss, um sich ihrer Wahrheit zu nähern. Eine besondere Rolle kommt Maria Magdalena im Johannesevangelium zu. Der Zeitpunkt: der Ostermorgen, der doch irgendwie etwas von einem neuen Schöpfungsmorgen hat. Der Ort: ein Garten! Die Besetzung: vier Personen – Maria Magdalena, zwei Engel und Jesus, der Auferstandene. Die Szene: Maria ist allein, die beiden Männer, die sie über das leere Grab informiert hatte und die sich eben noch einen Wettlauf dorthin geliefert hatten, sind wieder weg. Dann sieht sie im Grab zwei Engel, die sie fragen, warum sie weine. Sie antwortet, doch wird ihr die Frage erneut gestellt, diesmal von Jesus selbst. Sie erkennt ihn nicht und bittet den, den sie für den Gärtner hält, um Hilfe. Darauf spricht Jesus sie mit ihrem Namen an – und sie erkennt ihn. Nun sendet er sie zu den Brüdern und sie verkündet ihnen und berichtet, was er ihr aufgetragen hat. Wie es nun im Laufe der Geschichte zur Diffamierung dieser Frau kam, wie aus dieser Gesandten Jesu eine Sünderin wurde und warum sich das so nachhaltig gehalten hat, tja, das müsste man vermutlich mal die Männer der letzten Jahrhunderte fragen …

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