Ars arrivederci

Geistlicher Glaubensimpuls

Die politischen Verhältnisse in Berlin verleiten einen dazu, eine Formulierung zu erfinden: ars arrivederci. Soll heißen: die Kunst des Abschieds. Und das kam so:

Illustration: Pixabay

 

von Claudia Auffenberg

Man möchte nicht nur, aber auch die Kanzlerin fragen: Warum tun Sie sich as alles an: diese kräftezehrenden Verhandlungen, die eigentlich untragbare Verantwortung des Amtes, die Gegenwart gewisser Herren aus anderen Ländern? Irgendetwas muss es ja geben, das sie durchhalten lässt. Geld ist es ganz sicher nicht. Aber was ist es? Angela Merkel ist einem auf eine gewisse Art fremd geblieben. Was macht diese Frau gern, worüber lacht oder weint sie, wofür schlägt ihr Herz, wie sieht es bei ihr zu Hause aus? Keine Ahnung … Sie hat sich auf geradezu beängstigende Weise im Griff. Oder kann sich irgendwer an einen Wutausbruch der Kanzlerin erinnern, an einen Moment des Kontrollverlustes? Daher darf man gespannt sein, wie ihr der schwerste Akt gelingen wird, der ihr noch bevorsteht und der womöglich gar nicht mehr so weit weg ist: der Abschied vom Amt. Kein Kanzler hat das bislang halbwegs ehrenhaft hinbekommen. Alle, von Adenauer bis Schröder, wurden sie abgewählt, gestürzt oder aus dem Amt gedrängt. Im Moment sieht es so aus, als drohe dies auch Merkel. Ihr Schicksal liegt ja de facto in der Hand der SPD-Mitglieder.

Diese Kunst des Abschieds beherrscht nicht nur in der Politik kaum jemand. Auch in der Kirche oder in der Wirtschaft, in Vereinen und Gemeinden kann der Abschied eines Menschen aus einer Aufgabe zu einem Drama werden: wenn der Alte nicht gehen will, die Nachfolger schlecht redet oder den mit seinem Weggang ganz sicher eintretenden Weltuntergang verkündet. Loslassen kostet offenbar mehr Kraft, als Dinge zu halten.

Ein guter Abschied dagegen kann ein Segen für alle Beteiligten sein. Als der Apostel Paulus sich von der Gemeinde in Milet verabschiedet, sagt er: Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.

Mal sehen, ob und wie man es dereinst selbst hinbekommt.

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