Aufbruch im Umbruch

Sammelband untersucht „Das Zweite Vatikanische Konzil und das Erzbistum Paderborn“

Stellten das neue Buch „Aufbruch im Umbruch. Das Zweite Vatikanische Konzil und das Erzbistum Paderborn“ vor: Franz Hucht, Dr. Gisela Fleckenstein, Dr. Georg Pahlke und Dr. Arnold Otto (v. l.).

 

Paderborn (pdp). Den Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils nahm die Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum zum Anlass, einen Blick auf die Umsetzung der Beschlüsse dieses bedeutenden Ereignisses in der Geschichte der katholischen Kirche im Erzbistum zu werfen. Das Ergebnis ist ein jetzt im Bonifatius-Verlag erschienener Sammelband.

16 Autoren unternehmen da­rin den Versuch, unter Berücksichtigung regionaler, historischer und kirchenpolitischer Besonderheiten, die Frage zu beantworten, was von den Verlautbarungen und Beschlüssen der Kirchenversammlung im Vatikan an der Basis angekommen ist und wie sich die Reformen, die in Rom angeregt wurden, im Erzbistum Paderborn umsetzen ließen. Herausgekommen ist dabei eine „bunte Mischung“ von Beiträgen, so der Herausgeber Dr. Georg Pahlke in seinem Vorwort: bunt in Bezug auf die Autoren, bunt aber auch im Hinblick auf die Form der Beiträge.

Unter den 16 Autoren des Sammelbandes „Aufbruch im Umbruch. Das Zweite Vatikanische Konzil und das Erzbistum Paderborn“ sind Fach- und Kirchenhistoriker ebenso vertreten wie Experten aus unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern. Die Form der Beiträge ist vielgestaltig: Sie reichen vom wissenschaftlichen Essay über den engagierten Zeitzeugenbericht mit der Reflexion der eigenen (beruflichen) Tätigkeit bis zum Fachgespräch unter Praktikern unterschiedlicher Professionen.

Einen breiten Raum nimmt der Komplex der Liturgiereform ein, die für die Gläubigen am deutlichsten sichtbar machte, dass sich in der katholischen Kirche etwas veränderte. Der Liturgiewissenschaftler Dr. Jürgen Bärsch stellt in seinem Beitrag dar, welche positiven Auswirkungen, aber auch welche Schwierigkeiten im Erzbistum Paderborn und in einzelnen Kirchengemeinden auftauchten. In den gleichen Bereich gehört auch der Beitrag von Dr. Erika Heitmeyer und Dr. Maria Kohle, die ausgehend vom 19. Jahrhundert den Gemeindegesang und das Gebet anhand der diözesanen Gesangbücher untersuchen. Ebenfalls dem Bereich Liturgie kann der Beitrag von Diöze­sanbaumeisterin Emanuela von Branca, Dr. Stephanie Lieb und Dr. Heinrich Otten zugeordnet werden, die in einem Fachgespräch Entwicklungen des Kirchenbaus vor und nach dem Konzil diskutieren.

Die beiden Bistumshistoriker Dr. Hans Jürgen Brandt und Dr. Karl Hengst nehmen in besonderer Weise die am Zweiten Vatikanischen Konzil beteiligten Paderborner Bischöfe und deren Berater in den Blick. Von der Situation „vor Ort“ in der Gemeinde berichtet als Zeitzeuge des Konzils Pfarrer i.R. Werner König, der seine Erfahrungen als Vikar und Pfarrer reflektiert. Ebenfalls stark autobiografisch geprägt ist der Beitrag von Dr. Konrad Schmidt, der die Ausbildungssituation der Priester vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil an der Theologischen Fakultät in Paderborn untersucht. Einen eigenen Abschnitt widmet er dem Konflikt um den Paderborner Theologen Eugen Drewermann.

Wie sich das neue Kirchenbild des Konzils auf die pädagogische und pastorale Arbeit mit jungen Menschen auswirkte, untersuchen der inzwischen verstorbene Gerhard Krombusch für den Bereich der Schule und des Religionsunterrichtes und Franz Hucht für die katholische Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn. Dr. Michael Hardt beschreibt die Rolle des damaligen Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger und seiner Mitarbeiter für die ökumenische Arbeit im Konzil, aber auch die Auswirkungen, die das Ökumenedekret des Konzils ganz praktisch im Erzbistum hatte.

Abschließend bietet Dr. Arnold Otto eine „quantitative Analyse“ der Konzilsrezeption im Erzbistum Paderborn. Die von ihm vorgestellten, zum Teil ernüchternden Zahlen zeigen, dass das Konzil in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern Teil eines Säkularisierungsprozesses war, den es nicht umkehren konnte.

Schon im Vorwort warnt darum Dr. Georg Pahlke, der den Sammelband im Auftrag der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn herausgegeben hat, den Leser: Es werde keine reine Erfolgsgeschichte geboten. Aber der Blick zurück nach 50 Jahren und die Analyse der pastoralen Entwicklungen in dieser Zeit zeigen, welche Bedeutung das zweite Vatikanum auch für die Kirche von Paderborn gehabt hat und weiter hat.

Hier geht es zum Bonfitiusverlag mit näheren Angaben zum Buch.

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