Busfahrer gesucht!

Geistlicher Glaubensimpuls

Es gibt so Tage, an denen das Leben die ganze Bandbreite seiner Möglichkeiten präsentiert. Morgens in der Zeitung überfällt einen eine Todesanzeige, die die Zeit anzuhalten scheint, nachmittags ist man zu Gast bei einer Hochzeit. Alles geschieht eben immer gleichzeitig.

Foto: Danny König / pixelio

 

von Claudia Auffenberg

An so einem Tag gibt es noch folgende kleine Szene: Der Bus will gerade an der Haltestelle losfahren, als eine junge Frau mit Downsyndrom um die Ecke biegt, die noch einsteigen will. Sie spurtet los, der Busfahrer bemerkt es, wartet und öffnet schon mal die Türen. Sie hechtet rein, ruft: „Fahren Sie zum Bahnhof?“ Er bejaht und fährt los. Die junge Frau geht durch den Bus und schaut sich um. Offenkundig sucht sie jemanden, der gesehen hat, was gerade passiert ist. Aber sie findet niemanden und man selbst sitzt zu weit weg. Dann sagt sie laut: „Mann, bin ich schnell!“

Wow! Sie traut sich, was man auch gern tun würde: einfach mal kundtun, wie es einem geht. Der eigene Text würde allerdings lauten: „Mann, bin ich verwirrt.“ Aber:Niemand im Bus weiß etwas vom anderen, wohin er will, was er vorhat oder am Morgen in der Zeitung gelesen hat. Manchmal hätte man das gern. Manchmal muss man einfach mal über sich selbst reden, über das, was man gerade erlebt hat oder was einen beschäftigt. „Mann, bin ich schnell!“ Vielleicht hört es jemand.

In diesen Wochen werden in ganz Nordrhein-Westfalen Kandidaten für die anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen gesucht. Dieses Gremium wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln, das kann man heute schon sagen, nicht aber wie und wohin. Welche Strukturen braucht es in der Kirche demnächst? Niemand weiß das. Aber: Immer gebraucht werden Menschen, die sich erschüttern lassen, und solche, die als Gäste zur Hochzeit kommen und sich mitfreuen, und man braucht natürlich auch Leute wie den Busfahrer, der wohl die wichtigste Rolle in dieser kleinen Geschichte hatte.

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