„Captain Future“ in der Akademie

Dagmar Lippok und Jens Sundheim präsentieren Projekt mit Lüdenscheider Schülern

Die Dortmunder Künstler Dagmar Lippok und Jens Sundheim setzten ihr Fotografie- und Kunstprojekt mit Schülern der Lüdenscheider Förderschule „Schule an der Höh“ um. Foto: Akademie Schwerte

 

Schwerte. Eine besondere Schule plus ein visionäres Projekt ergibt eine außergewöhnliche Fotoausstellung unter dem Motto „Captain Future“. Die Dortmunder Künstler Dagmar Lippok und Jens Sundheim setzten ihr Fotografie- und Kunstprojekt mit Schülern der Lüdenscheider Förderschule „Schule an der Höh“ von 2011 bis 2014 um. Jetzt ist die Ausstellung auch in der Katholischen Akademie Schwerte zu sehen.

von Elisabeth Plamper

Es war eine bemerkenswerte Vernissage. Die Begrüßung übernahm Akademiedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt. Die Künstler Dagmar Lippok und Jens Sundheim kamen im Interview mit der Studienleiterin für Kunst, Apl. Prof. Dr. Stefanie Lieb, zu Wort. Das Gastreferat hielt Dr. Jakob Johannes Koch, Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Als musikalisches Rahmenprogramm wählten die Initiatoren passend zur Ausstellung Trommelklänge und Schlaginstrumente.

Das Fotografie- und Kunstprojekt „Captain Future“ thematisiert die Träume und Vorstellungen junger Menschen mit Behinderung an der „Schule an der Höh“. Die Künstler Dagmar Lippok und Jens Sundheim begleiteten die Schüler ein Stück auf ihrem Weg zu sich selbst. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Projekt, das auch als Plädoyer für „Normal ist, auch anders zu sein“ verstanden werden kann.

„Wir, eine diverse und inklusive Gesellschaft, in der sich die Menschen mit Achtsamkeit und Respekt begegnen. So wünsche ich mir das und so wünschen sich das alle, die das Captain Future-­Projekt sehen und die daran teilnehmen. Aber leider wissen wir auch, dass die Wirklichkeit vielfach anders aussieht …“, sagte Dr. Jakob Johannes Koch in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung.

Unaufdringlich und doch wirkungsvoll heben Dagmar Lippok und Jens Sundheim auf ihren Bildern die besonderen Fähigkeiten der beteiligten Schüler hervor. „Für mich persönlich war es ein spannendes und bereicherndes Projekt in schöner Atmosphäre“, erzählt Jens Sundheim. „Wir haben in der Schule ein Fotostudio errichtet, sodass die Schüler ihre Hemmschwelle, vor der Kamera zu agieren, überwinden und sich ganz in ihre Rolle reinfallen lassen konnten.“ So präsentierten sie sich auf individuelle Weise zu den vier Themenbereichen Glamour, Varieté und Theater, Future und Sport. Sie entdeckten ihre kreativen Fähigkeiten, ihr Improvisationstalent und ihre künstlerischen Begabungen. Das Themenfeld Future richtete den Blick auf Beruf und Partnerschaft. Dabei setzten die Schüler der Berufspraxisstufe (BPS) auf Rollenbilder.

„Captain Future macht den Kindern und Jugendlichen Mut, sich zu zeigen und eine positive Identifikation mit der eigenen Rolle zu übernehmen. Auch um beispielsweise über Sport, Theater- und Museumsbesuche am öffentlichen Leben teilzuhaben“, so Dagmar Lippok. Außerdem sei ein Wiedersehen während der Ausstellung mit den Schülern, die sich an dem Projekt beteiligten, geplant. „Sie haben dann die Gelegenheit, ihre Fotos mit Abstand zu betrachten oder als déjà vu zu erleben.“

Die Ausstellung „Captain Future“ besticht durch facettenreiche und gleichwohl sensible Aufnahmen und bietet den Besuchern Raum, den Menschen auf den Fotos zu begegnen und ihre Intention zu erfühlen, die Themen emotional, mal mit Leichtigkeit, mit verschmitzter Ironie, übertrieben futuristisch oder betont realistisch darzustellen. Vielleicht laden die Fotos auch dazu ein, sich der jungen Generation mit Behinderung durch die bewusste visuelle Begegnung zu nähern. Gerade die ausdrucksstarken Porträts erscheinen dazu prädestiniert.

„Wir in der Katholischen Akademie Schwerte haben diese Ausstellung ganz bewusst in unsere Ausstellungsreihe zur zeitgenössischen Kunst aufgenommen, da mit diesen Fotos Kunstwerke präsentiert werden, die wiederum eine gelungene Kunstaktion mit Schülerinnen und Schülern mit Behinderung dokumentieren“, erklärt Apl. Prof. Dr. Stefanie Lieb. „Diese Ausstellung ist ein wunderbarer Beleg dafür, wie Inklusion über Kunst in spielerischer Art und Weise funktionieren kann.“

Das Fotografie- und Kunstprojekt „Captain Future“ ist noch bis 13. Mai 2018 zu sehen. Der Eintritt ist frei. ­www.­akademie-­schwerte.­de

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