Den Menschen eine Heimat gegeben

Ehrenamtliche aus Bösperde, Lichtenau und Dornberg mit Pauline-von-Mallinckrodt-Preis geehrt

Einer der Preisträger: die Burgstube. 29 Ehrenamtliche organisieren seit 15 Jahren jeden Montag ein Treffen in der Begegnungsstätte Lichtenau. Früher fand das Treffen in der alten Burg statt. Das Treffen nennt sich deshalb „Burgstube“. Mit zwei geliehenen Bullis werden aus dem ganzen Raum Lichtenau (15 Dörfer) Alleinstehende, Kranke, Rollstuhlfahrer sowie Demenzkranke abgeholt. Meistens nehmen etwa 25 bis 30 Personen teil. Es wird gesungen, gefeiert und gespielt. Dazu gibt es selbst gebackene Kuchen und Brote. Mehrmals im Jahr werden Ausflüge, Grillnachmittage und ähnliches angeboten. Durch dieses Angebot werden auch die betreuenden Familien entlastet.

 

Erzbistum. Unter dem Thema „Heimat geben“ ist in der Libori-Woche der Pauline-­von-Mallinckrodt-Preis 2017 vergeben worden. Ausgezeichnet wurden Projekte aus Menden-Bösperde, Lichtenau und Bielefeld-Dornberg.

von Matthias Nückel

„Sie schaffen Heimat“, rief Diözesan-­Caritasdirektor Josef Lüttig den zahlreichen Ehrenamtlichen zu und würdigte schon zu Beginn das Engagement der Frauen und Männer in den Gemeinden des Erzbistums Paderborn. Doch bis das gut gehütete Geheimnis, wer die ersten drei Plätze belegt hat, gelüftet wurde, mussten sich die Anwesenden in der überfüllten Aula des Liborianums in Paderborn noch etwas gedulden.

Während der Deutsche Caritasverband sein Jahresmotto „Heimat“ auf Flüchtlinge bezieht, war das Thema beim Mallinckrodt-Preis 2017 weiter gefasst. Denn Heimat ist ein Begriff, der sehr differenziert betrachtet werden kann, wie Heinz Paus in seiner Festrede erläuterte. Wenn man sich intensiver mit dem Begriff beschäftige, sei „Heimat“ sehr vielschichtig, so der Präsident des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken.

Am Beispiel seiner Lebensgeschichte erläuterte Paus, dass es verschiedene Heimaten im lokalen Sinn geben kann. Geboren und aufgewachsen im ostwestfälischen Alstätte, wohnte Paus anschließend 20 Jahre mit seiner Familie in Detmold. Im Jahr 2000 zog es ihn nach Paderborn, wo er 15 Jahre lang Bürgermeister war. Obwohl er noch Verbindung zu den beiden anderen Orten habe, sei Paderborn nun seine Heimat, sagte Heinz Paus.

Heimat seien jedoch nicht nur Orte. „Viel wichtiger sind die Menschen, die Gemeinschaften, die Familie, Freunde und Nachbarn“, betonte Paus. Menschen, mit denen man einen Teil seines Lebensweges verbracht habe. Für ihn persönlich sei die Kirchengemeinde besonders bedeutsam, aber auch die weltweite Glaubensgemeinschaft, die Heimat biete.

„Sich heimisch fühlen, ist für die seelische und körperliche Gesundheit wichtig“, stellte der Präsident des Bonifatiuswerkes fest und zitierte aus einer Predigt von Erzbischof Hans-Josef Becker: „Wir alle brauchen unsere kleine Welt!“ Deshalb sei es wichtig, auf die Menschen zuzugehen und ihnen zu sagen, dass sie erwünscht sind. „Alle Projekte wollen Heimat geben“, würdigte auch Heinz Paus den Einsatz der Ehrenamtlichen.

Auf wie viele verschiedene Weisen dies geschieht, erläuterte Dr. Dirk Lenschen. Der Geschäftsführer der Caritas­Stiftung im Erzbistum Paderborn stellte alle 16 Projekte vor.

Domkapitular Dr. Thomas Witt, Kuratoriumsvorsitzender der CaritasStiftung, sagte in seiner Laudatio auf die Preisträger: „Jeder Mensch wünscht sich, einen Ort zu haben, an dem er sich zu Hause fühlen kann. Doch nicht jedem Menschen ist es vergönnt, ein Zuhause zu haben.“ Der Mensch erlebe Heimat und ein Zuhause dort, wo er anerkannt ist, wo er sich mit anderen Menschen austauschen kann und wo er in seiner Person akzeptiert wird. Die für den Preis nominierten Projekte organisierten genau dies: Treffpunkte und Möglichkeiten der Begegnung für Einsame, Kranke, Wohnungslose, Flüchtlinge und Migranten.

Mit viel Beifall wurden die drei Preisträger bedacht, denen Erzbischof Hans-Josef Becker gratulierte und die Urkunden übergab – das „Café Grenzenlos“ in Menden-­Bösperde (1. Preis, 2 500 Euro), die „Burgstube“ in Lichtenau (2. Preis, 1 500 Euro) und das Netzwerk für Flüchtlinge in Bielefeld-Dornberg (3. Preis, 1 000 Euro). Alle anderen Projekte gingen ebenfalls nicht ganz leer aus. Sie erhielten eine Anerkennung.Der Preisverleihung vorausgegangen war ein buntes Fest der Begegnung auf dem Kardinal-Degenhardt-Platz vor der Stadtbibliothek in Paderborn. Rund 800 Haupt- und Ehrenamtliche aus Pfarrgemeinden, karitativen Diensten und Einrichtungen im Erzbistum Paderborn genossen bei Sonnenschein Musik, Aktionen und Impulse.

Im Dom Nr. 31 vom 6. August 2017 finden Sie ausführliche Informationen zu weiteren Preisträgern in Wort und Bild.

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