Der Stern zieht weiter

Pallottiner verabschieden sich nach 102 Jahren aus Olpe

Die Pallottiner feierten Abschied von Olpe. Mit dabei Vertreter des Erzbistums, der Ortsgemeinden und der pallottinischen Nachbargemeinschaften. Unter ihnen (vorne, v. l.): Pater Bernd Hartwig, ­Weihbischof Dominicus Meier, Pater Otmar Steinebach, Provinzial Pater Helmut Scharler und Pater Christoph Hammer. Foto: Scheppe

 

Olpe. Als am Ende des Festgottesdienstes „Ein Haus voll Glorie schauet“ angestimmt wurde, sah man in der übervollen Pallottinerkirche in Olpe manche Träne fließen. Nach mehr als 102 Jahren segensreichen Wirkens lösen die Pallottiner ihre Olper Niederlassung auf.

von Christoph Scheppe

„Die Pallottiner sind damals dem Stern ins Sauerland gefolgt“, sagte der Paderborner Weihbischof Dominicus Meier OSB in seinen Einführungsworten am Dreikönigstag. „Doch im Evangelium heißt es: Der Stern zieht weiter. Und so ziehen auch die Pallottiner weiter.“ Der Weihbischof, selbst durch seine Tätigkeit als Professor für Kirchenrecht an der pallottinischen Hochschule in Vallendar mit den Pallottinern verbunden, drückte seinen Dank an die Pallottiner aus. Sie hätten stets ihren Auftrag wahrgenommen und Menschen zu Christus geführt. Weihbischof Meier, der im nahen Grevenbrück aufgewachsen ist, erinnerte sich an die Schulendtage im Pallotti­haus. Er wisse, wie prägend die Pallottiner für das Südsauerland und das Siegerland gewesen seien. Diese große Bedeutung spiegelte sich auch im übervollen Gottesdienst wieder, der vom Olper Vinzenz-­Pallotti-Chor und den Hatzenbergbläsern festlich gestaltet wurde.

„Das Pallottihaus war und ist vielen Menschen Heimat geworden, ein Ort der Orientierung, Erfahrung und des Wachstums“, sagte Provinzial Helmut Scharler SAC in seiner Predigt. Der Stern ziehe zwar weiter, aber das Licht als Orientierung bleibe. „Ich wünsche mir, dass etwas von dem Licht bleibt, das wir Pallottiner nach Olpe gebracht haben. Das Licht ist auf viele übergegangen und hat viele entzündet. Die Patres haben auf Jesus Christus hingewiesen, ihn aufscheinen lassen.“ Dennoch sei der Abschied schmerzhaft. Pater Scharler bedankte sich für die Treue zu seiner Gemeinschaft, sowohl vor Ort, im Bistum als auch in der Politik. Die Idee einer Kirche aller Beteiligten, „einer bunten Kirche, einer Kirche der Vielfalt“, sei in Olpe eingewurzelt. „Auch wenn wir nicht mehr hier sind, geben Sie das Licht weiter“, sagte der Provinzial.

Am Ende des Gottesdienstes dankte der Olper Bürgermeister Peter Weber den Patres und den Brüdern im Namen der Stadt. Es sei eine bewegte Zeit gewesen, in der viele Olper eine enge Beziehung zum Pallottihaus und den Pallottinern aufgebaut hätten. Das Pallotti­haus sei besonders für die Hatzenberggemeinde, aber auch für viele andere Menschen der Region zur kirchlichen Heimat geworden.

Der Bürgermeister machte die Verbundenheit zu den Pallottinern auch an einem Beispiel aus der Nazizeit deutlich, als das Pallottihaus 1941 von der Gestapo besetzt wurde und die Olper Bürger öffentlich dagegen protestierten. Viele hätten damals liturgische Gegenstände vor den Nazis versteckt und dann später ihrem Kloster zurückgegeben. Trotz der Trauer sieht Bürgermeister Weber auch positive Zeichen: „Es geht weiter, wenn auch anders: auf dem Kohlhagen, mit dem Wohngut Osterseifen, Pater Bernd Hartwig bleibt, die Kirche wird als Kapelle genutzt, die Nacht der Versöhnung findet bei den Franziskanerinnen statt, der Jugendhof geht nach Altenhundem und Pallotti unterwegs will Pallottis Ideen hier in Olpe weitertragen.“ Als Geschenk überreichte er dem Provinzial eine Aufnahme des Pallottihauses aus dem Jahr 1929. Im Gegenzug überreichte Pater Hartwig den goldenen Ehrenbecher, die höchste Auszeichnung der Stadt Olpe, den die Pallottiner 1995 erhalten hatten, als Dauerleihgabe an das Olper Stadtarchiv. Olpes ehemalige Bürgermeisterin Wilma Ohly nahm ihn entgegen. Zuletzt erinnerte Weihbischof Dominicus Meier an die Bedeutung Olpes auch für die Pallottiner: „Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich in Vallendar immer einen Glanz in den Augen der Mitbrüder gesehen habe, wenn sie von Olpe erzählt haben. Weißt du noch, damals in Olpe ... Denn auch für viele Pallottiner ist Olpe eine Heimat geworden.“

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