Die eigene Berufung verantwortlich leben

Offizielle Wallfahrtssaison 2018 in Werl beendet

Werl. Mit einem Festgottesdienst an Allerheiligen ist die diesjährige Wallfahrtssaison in Werl beendet worden. Als äußeres Zeichen löschte Weihbischof Dominicus Meier die Wallfahrtskerze.

Einzug in die vollbesetzte Basilika in Werl. Foto: Nückel

 

von Matthias Nückel

Früh schon strömten Gläubige aus allen Teilen des Erzbistums Paderborn in die Werler Basilika, die zu Beginn des Pontifikalamtes voll besetzt war. Ein wenig Wehmut lag in der Luft, denn der diesjährige Abschluss der Wallfahrtssaison war der letzte mit den Franziskanern.

Einen Hinweis auf die Veränderungen im kommenden Jahr gab Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker, als er seinen Nachfolger, Dechant Dr. Gerhard Best, willkommen hieß, der am 1. September 2019 mit seinem Team – bestehend aus Gemeindereferentin Ursula Altenhenger und Pastor Stephan Mockenhaupt – die Wallfahrtsleitung übernehmen wird. „Wir sind ja nicht mehr allzu viele“, zog Pater Ralf in Anspielung darauf, dass schon einige seiner Mitbrüder die Wallfahrtsstadt verlassen haben, Bilanz des Wallfahrtsjahres, das unter dem Leitwort „Suche Frieden“ stand. „Aber“, so fügte er unter großem Beifall der Gottesdienstbesucher hinzu, „wir haben es doch geschafft.“

Weihbischof Dominicus stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt das Thema „Heiligkeit“. Diese meine Gesundheit der Seele, Gesundheit des menschlichen Wesens, all dessen, was ein menschliches Leben ganz präge und bewege, erläuterte der Weihbischof. „Gesund werden wollen alle Menschen“, sagte er. Und deshalb kämen viele nach Werl zum Gnadenbild der Trösterin der Betrübten, um Gesundheit zu erbitten sowie Zuspruch in quälenden Fragen und auch Stärkung. „Sie erhoffen sich eine heilsame Begegnung mit Maria und dem, den sie geboren hat, Jesus, den Heiland der Welt.“

Dass die meisten Menschen heute nicht anstreben, heilig zu werden, liegt nach den Worten von Weihbischof Dominicus auch daran, dass die Kirche lange ein falsches Bild der Heiligkeit vermittelt habe. Heilig sei ein Synonym für ein heroisches und tugendhaftes Leben gewesen. Dabei werde oft das Leben von Heiligen aus anderen Zeiten und Kulturen betrachtet.

Vielmehr jedoch komme es darauf an, die jeweils eigene, von Gott geschenkte Berufung und Einmaligkeit zu entdecken und diese verantwortlich zu leben, betonte der Weihbischof. Als Vorbild dabei dient Jesus selbst: „Wenn wir Jesus, das Urbild der Heiligkeit, betrachten, bekommen wir ein realistisches Bild von Heiligkeit. Dieses zeigt uns einen Menschen, der keine Berührungsangst hatte. Jesus freute sich am Leben der Menschen, lachte und feierte mit ihnen. Er stand ihnen zur Seite in Not und Krankheit, mahnte zum Frieden und zur Versöhnung, wo andere sich nur resigniert abwandten. Jesu Worte schenkten Hoffnung, wo ansonsten nur Resignation und Rückzug die Antworten auf die notwendigen Lebensfragen waren“, betonte Weihbischof Dominicus.

Nicht besondere Werke und Bußübungen machen nach den Worten des Weihbischofs heilig, sondern die Begegnung mit Jesus Christus und dem Evangelium. Die Seligpreisungen Jesu seien ein Aufruf zu einer richtig verstandenen Heiligkeit, zu Geradlinigkeit, Engagement und Beweglichkeit. „Heiligkeit bedeutet, authentisch zu werden, so wie Gott den Menschen gewollt hat“, betonte Weihbischof Dominicus und fügte hinzu: „Nehmen wir Jesus Christus zum Maßstab und freuen wir uns über das Leben, das eigene und das der anderen. Setzen wir alles daran, dass unser aller Leben lebenswert und heilig bleibt. Nehmen wir den Geist dieses für unsere Diözese so wichtigen geistlichen Ortes auf und bleiben wir auf der Pilgerschaft zu Gott und den Menschen!“

Als Zeichen des Endes der Wallfahrtssaison, die jeweils vom 1. Mai bis zum 1. November eines Jahres dauert, löschte Weihbischof Dominicus die Wallfahrtskerze – diesmal etwas unkonventionell. Noch bevor der Küster ihm den Kerzenlöscher geben konnte, hatte der Weihbischof die Flamme ausgepustet.

Dass dies nicht das Ende jeglicher Pilgerreisen zur Trösterin der Betrübten sein soll, machte Pater Ralf in seinem Schlusswort deutlich: „Das Gnadenbild bleibt auch über den 1. November hinaus stehen. Sie dürfen auch weiterhin immer wiederkommen“, rief er den Gläubigen zu.

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