Die Großeltern des Herrn

26. Juli: Anna und Joachim

Die kirchliche Tradition kennt Heilige, von denen man nicht weiß, ob es diese Personen wirklich gegeben hat, aber das ist insofern nachrangig, weil Heilige häufig für ein bestimmtes Thema stehen, Glaubenstreue etwa oder Barmherzigkeit. Über die beiden, die am 26. Juli im Heiligenkalender stehen, weiß man auch nichts außer schönen Legenden, aber es liegt in der Natur der Sache, dass es sie gegeben hat.

Foto: Ansgar Hoffmann

 

von Claudia Auffenberg

Jesus aus Nazareth muss ja nun mal Großeltern gehabt haben, zumindest mütterlicherseits: Anna und Joachim. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind sie an diesem Tag wieder vereint, in der Volksfrömmigkeit aber ist Joachim irgendwie abhandengekommen. Seit Jahrhunderten verehren die Leute Mutter Anna, aber keinen Vater Joachim. Die älteste Annen-Verehrung Deutschlands gibt es in Brakel, dort findet sich auch eine interessante Darstellung der sogenannten heiligen Sippe. Der Legende nach ist Joachim früh verstorben, Anna hatte nach ihm noch zwei weitere Ehemänner. Sie ist oft im Kreis mehrerer Männer zu sehen.

Was von Anna und Joachim erzählt wird, ist klar von biblischen Motiven inspiriert. Überliefert ist es im apokryphen, also außerbiblischen Evangelium des Jakobus, das um 150 nach Christus verfasst worden ist. Demnach war die Ehe der beiden 20 Jahre kinderlos, dann verhieß ein Engel die Geburt eines Kindes. So wurden die Gläubigen schon einmal auf die besondere Erwählung der Maria eingestimmt. Seit dem 6. Jahrhundert wird Anna als die Mutter Marias verehrt, der Kult breitete sich über die heutige Türkei von den Kreuzfahrern nach Westen aus. 1481 schließlich nahm Papst Sixtus IV. den Gedenktag in den römischen Kalender auf. So bekam die Annen-­Verehrung großen Auftrieb. Anna wurde zur starken Frau, zur „mulier fortis“, der Patronin der heiligen Sippe, Darstellungen der Annaselbdritt, also Anna mit der kleinen Maria und dem noch kleineren Jesus, wurden populär. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es durch die Schlesier noch einmal einen Aufschwung für die Anna-­Verehrung.

Und Joachim? Das Jakobus­evangelium schildert ihn als frommen und großzügigen Greis. Da er keine Nachkommen hatte, wurde sein Opfer von den Tempelpriestern nicht angenommen. Er zog sich in die Wüste zurück, wo ihm und später auch Anna der schon erwähnte Engel erschien und sie sandte, einander zu „begegnen“. Diese Begegnung zeigt die hier abgebildete Darstellung im Paderborner Dom. Beide umarmen sich innig. Ein Bild, das man von den eigenen Großeltern nicht unbedingt kennt, aber daran erinnert, dass auch das Menschen waren, die einander geliebt haben. Anna und Joachim sind zudem Menschen des Alten Bundes und so können die Christen am 26. Juli auch dieser Schultern gedenken, auf denen sie stehen.

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