Ein Koffer für die letzte Reise

Bönener Ausstellung setzt Idee des Gladbacher Bestatters Fritz Roth auf Lokalebene um

Bönen. Der inzwischen verstorbene Bestatter Fritz Roth aus Bergisch-Gladbach ließ vor elf Jahren 100 Personen einen Koffer mit Materialien packen, die sie gern auf ihre Reise ins Jenseits mitnehmen würden. Die Ausstellung unter dem Leitwort „Ein Koffer für die letzte Reise“ stößt inzwischen europaweit auf Interesse. Das Frauennetzwerk Bönen greift nun die Idee in Kooperation mit dem Pastoralverbund Bönen-Heeren und der evangelischen Kirchengemeinde auf und initiiert eine ähnliche Ausstellung in den heimischen Kirchen.

Gemeinsam mit Mitgliedern des Frauennetzwerkes Bönen stellen Gemeindereferentin Martina Dinslage (l.) und Pfarrerin Susanne Krämer-Puzicha (4. v. r.) die Ausstellung vor. Foto: Plamper

 

von Elisabeth Plamper

„Was würden Sie ganz persönlich in einen kleinen Koffer packen, der Sie dann anschließend auf Ihrer Reise aus diesem Leben begleiten soll?“ – Kers­tin Luttrop vom Frauennetzwerk Bönen zitiert die Fragen von Fritz Roth. In Anlehnung an sein Konzept packen nun 37 Frauen und Männer zwischen 10 und 85 Jahren aus Bönen ihren ganz persönlichen Koffer. In einer einwöchigen Wanderausstellung sind diese demnächst dann in der St.-Bonifatius-Kirche in Altenbögge und in Bönen in der Alten Kirche zu sehen.

Gisela Grunenberg vom Frauennetzwerk hat ihren Koffer schon gepackt. „Ich habe auch meine Gartenschere hi­nein gelegt“, erzählt sie. Ein Schmunzeln huscht über ihr Gesicht, bevor sie weiterspricht: „Vielleicht kann ich sie ja gebrauchen, wenn ich im Paradies mal die Rosen schneiden muss.“ Aber auch ein Bild ihrer Familie ist in ihrem Koffer zu finden. Der Inhalt ist ein Blick zurück auf das Leben, auf ihr Leben, „auf das, was mir lieb ist“, wie sie es beschreibt.

„Für uns alle stellt sich irgendwann die Frage, wie wir persönlich mit dem Thema Leben und Sterben umgehen“, sagt Kerstin Luttrop. „Wir laden herzlich ein, zum Schauen und Denken, zum Staunen und Reden, aber auch zum Innehalten.“ Die Ausstellung kann Impulse für eine Reflexion des eigenen Daseins geben. Das Hineinschauen in die Koffer kann sentimental stimmen, aber auch überraschen, Denkanstoß sein, über das Leben und seine Endlichkeit nachzudenken – alles ist möglich, so die Organisatoren. Während der Öffnungszeiten stehen auch Vertreter beider Kirchen als Ansprechpartner zur Verfügung. Mit Blick auf das Zukunftsbild werde zudem für eine Woche auf besondere Weise ein pastoraler Raum geschaffen, ist sich Martina Dinslage, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bönen-­Heeren, sicher.

Zum Auftakt der Ausstellung findet am Samstag, 27. August 2016, um 15.00 Uhr, ein ökumenischer Gottesdienst – musikalisch mitgestaltet vom Flötenkreis West der evangelischen Kirchengemeinde – in der St.-Bonifatius-Kirche in Altenbögge statt. Nach dem Gottesdienst ist die Ausstellung bis 17.00 Uhr geöffnet. Der letzte Tag der Ausstellung am Samstag, 3. September 2016, beginnt um 11.00 Uhr mit einer ökumenischen Schlussandacht in der Alten Kirche in Bönen. Die Ausstellung endet dann um 13.00 Uhr.

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