Eine Frage der Identität

Festamt am Annensonntag im Zeichen der Flüchtlinge

Brakel. Hunderte Gläubige haben am vergangenen Sonntag am Festamt an der Annenkapelle teilgenommen. Die Messe im Freien ist der religiöse Höhepunkt der Annentage. Als Zelebranten kommen stets prominente Gäste aus dem Ausland nach Brakel, in diesem Jahr Erzbischof Fouad Twal, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem, und Bischof Markos Gebremedhin CM aus Äthiopien.

von Karl-Martin Flüter

Fouad Twal erinnerte in seiner Predigt an die Opfer religiöser Verfolgung und das Schicksal von Flüchtlingen, das nicht nur unter Sicherheitsaspekten gesehen werden dürfe. Der gebürtige Libanese berichtete von den geflohenen Christen im Nahen Osten. Die heilige Anna, Großmutter von Jesus, sei Patronin der Mütter und Schwangeren, betonte Fouad Twal, und verwies auf das Schicksal der geflohenen Kinder, die manchmal unter den Folgen von Armut mehr litten als vorher unter der kriegerischen Gewalt. Der Umgang mit geflüchteten Menschen sei eine Frage „unserer christlichen Identität“.

Wie aktuell und drängend die Fragen sind, die Fouad Twal ansprach, war zu Beginn der Messe deutlich geworden, als Pfarrer Willi Koch mitteilte, dass der Bruder des in Höxter-Brenkhausen lebenden koptischen Bischofs für Deutschland, Anba Damian, Opfer eines offensicht­lich religiös motivierten Mordes geworden sei.

Seit Juni hatten neun „Novenen“ an der Annenkapelle auf die Annentage eingestimmt. Die Beteiligung von Pilgern sei „wieder einmal fantastisch“ gewesen, betonte Pfarrer Willi Koch. Auch das Festamt am Annensonntag hatte viele Teilnehmer, unter ihnen waren der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker, und Bürgermeister Hermann Temme. Die Ehrengäste nahmen nach der Messe am traditionellen Empfang zum Annentag im Pfarrhaus teil. Das Thema des Annenfestes 2018 lautete: „Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,28)

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