Eine gute und fröhliche Zeit

8. Chorfestival „Pueri Cantores“ in Paderborn begeisterte 2 800 Sängerinnen und Sänger

Paderborn (pdp). „Es war eine gute und fröhliche Zeit. Ihr habt uns gezeigt, dass die Musik eine Kraftquelle für unsere Herzen und unser ganzes Leben ist“, bedankte sich Erzbischof Hans-­Josef Becker bei den Sängerinnen und Sängern des 8. Chorfestivals „Pueri Cantores“ nach vier Festivaltagen. 94 Chöre aus ganz Deutschland mit rund 2 800 Sängerinnen und Sängern wurden zu Sympathieträgern und machten Paderborn zu einer fröhlichen Musikstadt. Es war ein Chorfest, das Freude und Fröhlichkeit verbreitete, den Wunsch nach Frieden im Gesang unterstrich und das hochklassige Musik bot.

Chorgesang beim Abschlussgottesdienst. Das Mottolied "Unsere Quelle bist du" ist ein echter Hit geworden. Foto: Pfaff / pdp

 

„Es war super mit euch“, sprachen Matthias Balzer, Präsident „Pueri Cantores“, und Vizepräsidentin Judith Kunz gleichermaßen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie dem Gastgeber, dem Erzbistum Paderborn, ein großes Lob aus. Das Chorfestival sei nicht nur hervorragend organisiert gewesen, sondern das Mottolied „Unsere Quelle bist du“ (Berning/Gotthardt) schon zu einem Hit geworden.

„Paderborn ist uns allen ein Stück ans Herz gewachsen“, sagte Matthias Balzer zum Abschluss des Pontifikalamtes am Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn. Sein Dank galt dem Erzbistum und hier allen voran Erzbischof Becker sowie dem Team der Paderborner Dommusik. Judith Kunz ergänzte: „Ihr jungen Sängerinnen und Sänger – wie man hier sehen konnte – seid eine wichtige Quelle für die Gegenwart und Zukunft unserer Kirche und für unsere Gesellschaft. Und ich wünsche uns allen, dass der Geist des Festivals mitgenommen werden kann. Eine große Idee von miteinander leben und mitei­nander gestalten.“

Hymnenstatus habe schon das Mottolied „Unsere Quelle bist du“ erreicht. Es sei überhaupt eine Stärke des Festivals in Paderborn gewesen, dass die Charakteristika des Ortes integriert worden seien, stellte Balzer fest. „So konnten die Kinder und Jugendlichen dies spüren und das Motto an den Paderquellen erleben.“

Das Mottolied zeige auch, aus welchen Quellen die begeisterten Sängerinnen und Sänger eigentlich leben, befand Erzbischof Becker in seiner Predigt: „Achtet auf das manchmal kleine und unscheinbare Plätschern der Quelle. Das Kleine ist oft das Große. Achtet auf die lebendige Quelle in euch. Es ist Jesus selbst, der zu euch spricht.“ Die Lieder des Festivals seien ein großer Lobpreis Gottes. Nur im Loben erfahre man richtig, wer man eigentlich sei. Loben und Leben, das gehöre zusammen, so der Erzbischof weiter. „Allen Menschen sollen wir von den eigenen Quellen erzählen, jeder und jede von uns kann das tun. Diese Botschaft ist eine Botschaft des Friedens, eines Friedens, den nur Gott selber uns schenken kann.“

Begonnen hatte das Festival am Mittwoch. Bei herrlichem Sommerwetter und bester Laune verzauberten die Sängerinnen und Sänger die Bischofsstadt schon am ersten Tag mit ihrer Musikbegeisterung. „Ich wünsch euch ein großartiges Festival“, so Gastgeber Erzbischof Becker in der Eröffnungsliturgie.

Das Festivalmotto „Unsere Quelle bist du“ war inspiriert von den Ursprüngen der Stadt Paderborn. Gott als Quelle des Lebens zu sehen, ist ein unerschöpfliches Motiv. Auch die Chöre werden bei ihren Auftritten füreinander Quelle der Inspiration sein und den Zuhörern Freude schenken. Wie das Wasser aus den Paderquellen, die neben dem Hohen Dom das Zentrum des Festivals bilden, sollte die Musik des Festivals sprudeln und die nächsten vier Tage die Stadt begeistern.

Generalvikar Alfons Hardt beglückwünschte die Gäste bei der Begrüßung zu ihrem schönen Hobby: „Ich wünsche euch, dass ihr die Freude, die ihr daraus zieht, zeigen könnt, und Freude und Segen mit euren Stimmen schenkt.“ Gleichermaßen erfreut war auch Bürgermeister Michael Dreier, der mit Stolz auf die vielen jungen Menschen blickte. Mit den Worten „…, dass ihr wie vor vier Jahren in Trier nun die Stadt Paderborn mit Gesang ausfüllt“, eröffnete Matthias Balzer das 8. Chorfestival. Die 94 Chöre hinterließen gleich einen eindrucksvollen Eindruck bei den Passanten in der Stadt. Denn von den Paderquellen zogen sie gemeinsam singend am Rathaus vorbei über den Kamp und Grube zum Hohen Dom.

„Ihr werdet Friedensbotschafter sein in einer Zeit, die den Frieden so dringend braucht“, nahm Erzbischof Becker in seinem Grußwort Bezug auf das Leitmotiv. „Unsere Quelle bist du, unser Friede, unsre Ruh! – Zum Lob Gottes werdet ihr das singen. Zeigt den Menschen, aus welchen Quellen ihr lebt. Alles Leben kommt von Gott. Lasst euch nicht weismachen, dass auf dieser schönen Welt alles nur Zufall ist.“

Zugleich ermutigte Becker die jungen Menschen, sich das Singen nicht verbieten zu lassen, und sogar mit dem Optimismus und der Freude andere anzustecken: „Alle freuen sich, dass ihr hier seid.“

Jeder Chor hatte einen Krug mit Quellwasser der Pader mit in den Hohen Dom gebracht und in das Weihwasserbecken eingefüllt. Während der Erzbischof das Wasser segnete, erinnerte er daran, dass Gott selbst die Quelle dieses lebendigen Wassers sei. „Lasst uns also aus dieser Quelle leben, aus diesem lebendigen Wasser. Auch ich selber lebe aus dieser Quelle. Diese Quelle bestimmt mein ganzes Leben. Denn der Bischof muss immer wieder Sorge dafür tragen, dass der Glaube und die Liebe in seinem Bistum lebendig bleiben. Zeigt auch allen, dass der Glaube lebendig ist.“

Der Frieden und das Gebet zum Frieden standen am Donnerstagnachmittag besonders im Mittelpunkt des Chorfestivals. An die Anfänge und die drei Säulen der Gründung – Lob Gottes, Begegnung in Freundschaft und Einsatz für den Frieden – erinnerte Pfarrer Dr. Marius Linnenborn (Trier), geistlicher Beirat des Chorverbandes „Pueri Cantores“, in seiner Ansprache beim gemeinsamen Friedensgebet am Nachmittag. Der Deutsche Chorverband „Pueri Cantores“ besteht seit 1951 und wird von etwa 400 katholischen Chören mit mehr als 16 000 Sängerinnen und Sängern getragen. Schon tagsüber hatten die Chöre in Gottesdiensten, Begegnungskonzerten und Friedensgebeten für den Frieden gesungen – denn wer singt, betet doppelt. Dom­propst Joachim Göbel erinnerte an ein Zitat von Ignatius von Antiochien: Nehmt Gottes Melodie in euch auf, so werdet ihr alle zusammen zu einem Chor und in eurer Eintracht und zusammenklingender Liebe ertönt durch euch das Lied Jesu Christi. Alle Kinder singen den Frieden Gottes.“

Am Abend kamen die Gäste der 94 Chöre zur Chorparty in der Maspernhalle zusammen. Maria Elena Priego-Llabres und Ben Pleininger führten durch das Programm und stellten alle Chöre vor. Viel Applaus gab es auch für das Paderborner Team um Domkapellmeister Thomas Berning und Domkantorin Gabriele Sichler-Karle, die seit fast einem Jahr das Chorfest vorbereitet hatten.

Mit dem Titel „Leerer Dom – Voller Klang“ verknüpfte die Paderborner Dommusik am Freitagabend Erwartungen, die ganz und gar erfüllt wurden. Im Rahmen des Chorfestivals gaben die Domkantorei, Cantores Iuvenales Moosburg und Domorganist Tobias Aehlig ein Gemeinschaftskonzert im Hohen Dom mit leisen Klängen auf höchsten Ansprüchen.

Seit Montag waren die Kirchenbänke aufgrund des Chorfestivals aus dem Hohen Dom ausgeräumt, sodass die Klänge im Gemäuer des ehrwürdigen Kirchengebäudes eine neue Atmosphäre schufen. Das Publikum, das das Angebot mit guter Resonanz annahm, war eingeladen, während des Konzertes unterschiedliche Standpunkte zu suchen, um das Klangerlebnis an verschiedenen Orten im Dom wahrzunehmen.

Perfekt trugen die Sänger von Cantores Iuvenales Moosburg unter der Leitung von Professor Stephan Zippe gregorianischen Gesang vor wie den Hymnus Ave Maris stella“ oder den „Introitus Nos autem gloria“.

Drei Konzerte in drei Stunden an jeweils unterschiedlichen Orten: Die Wandelkonzerte des Festivals machten dies am Samstagabend möglich. Jeweils zur vollen Stunde gaben am Abend der Kölner Domchor, die Mädchenkantorei an der Domkirche St. Eberhard Stuttgart und der Jugendkathedralchor Fulda drei Konzerte, die hochklassige Chormusik präsentierten. Somit hatten die faszinierten Zuhörer – eine gute Mischung aus Festivalteilnehmern und inte­ressierten Musikfreunden – die Möglichkeit, alle drei Chöre am Abend zu hören.

Tagsüber hatte es Begegnungskonzerte, Friedensgebete, ein offenes Singen im Paderquellgebiet sowie einen ini­tiierten Flashmob auf Dom- und Marktplatz – ein Überraschungskonzert – gegeben.

Matthias Balzer, der als Präsident von „Pueri Cantores“ schon vier nationale Festivals und auch mehrere internationale Treffen erlebt hat, lobte beim Abschluss auch, dass Paderborn bewusst mit den Veranstaltungen nach draußen – also an die Öffentlichkeit – gegangen sei, um Gesang und Friedensgedanken in unzähligen Auftritten zu präsentieren.

„Wer im Chor singt oder auch im Orchester spielt, der muss gut auf die anderen hören und der muss sich auf die anderen einstellen und verlassen können. Man darf kein Einzelkämpfer sein, man muss sich einfügen – und man muss richtig gut aufpassen. Nur dann klingt das ganze Stück am Ende auch harmonisch. Einklang heißt: alles mitei­nander verbunden. Auf jeden und jede von euch kommt es an. Was euch vielleicht am Anfang noch so vielfältig und ganz verschieden erschien, dass passt im Chor oder im Orchester wunderbar zusammen. Dieses Zusammenspiel nennt man Harmonie. Auf die Harmonie unter euch kommt es an“, gab Erzbischof Becker den Jugendlichen mit auf den Heimweg.

Das Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn, bei dem unter anderem auch der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing Mitkonzelebrant war, wurde nochmals durch den Chorgesang geprägt. Neben allen teilnehmenden Chören wirkte an der musikalischen Gestaltung auch das Bläser­ensemble der Hochschule für Musik Detmold unter der Leitung von Norbert Stertz mit. Die musikalische Gesamtleitung hatte Domkapellmeister Thomas Berning. An der Orgel spielte Domorganist Tobias ­Aehlig. Anschließend trafen sich alle Gäste zum gemeinsamen Gruppenbild auf dem Domplatz, bevor es dann Abschiednehmen hieß. „Unsere Quelle bist du“ wird aber als bleibende Erinnerung sicherlich an den Paderquellen nicht nur musikalisch weiter plätschern.

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