„Entdecke das Salz des Lebens!“

Gedanken zu Mt 5,13-16

Foto: Dieter Schütz / pixelio

 

Salz der Erde und Licht der Welt sein, ist für uns Christen Gabe und Aufgabe zugleich.

von Pfr. Heinz-Josef Löckmann

„Entdecke das Salz des Lebens!“ Mit diesem Slogan wird die „Westfälische Salzroute“ beworben, eine Fahrradroute, die innerhalb unseres Erzbistums entlang des Hellweges verläuft und Orte ansteuert, die mit der Salzgewinnung zu tun hatten – wie zum Beispiel Werl oder Salzkotten. Dass Salz eine ganze Region geprägt hat, zeigt seine große Bedeutung für uns Menschen. Fehlt in einer Speise das Salz, schmeckt das Essen fad. Der Slogan zeigt aber, dass „Salz“ mehr ist als ein Lebensmittel. Es kann auch zum Bild für ein interessantes und gelungenes Leben werden.

Auch Jesus hat „Salz“ als Bildwort benutzt. Nachdem er in den Seligpreisungen alle die glücklich gepriesen hat, die in dieser Welt zu kurz kommen, weil sie arm sind oder trauern, sich der Gewaltlosigkeit verpflichtet fühlen oder gar um des Evangeliums willen verfolgt werden, nennt er diejenigen, die ihm nachfolgen, „Salz der Erde“. Dabei können gerade sie zu denen gehören, die seinetwegen Nachteile in Kauf zu nehmen haben. Offensichtlich aber sind sie für die Welt so wichtig, wie das Salz in der Speise, weil sie die hingebende Liebe Christi in diese Welt tragen.

Nur einer Gefahr können sie erliegen, dass sie nämlich ihrer Berufung nicht gerecht werden, dass sie den Salzgeschmack verlieren und fade werden. Martin Luther übersetzt dieses „den Geschmack verlieren“ so: Er spricht davon, dass das Salz „dumm“ wird. Da mag man an den dummen Mann denken, der sein Haus auf Sand baut oder an die dummen und törichten Jungfrauen, die zu wenig Öl in ihren Lampen haben. Sie sind Beispiele für Menschen, die die Kraft des Salzseins verspielt haben. Christen und Christinnen aber sollen sich so für die Menschen einsetzen, wie Jesus es getan hat. Sie sollen den Glauben verbreiten und so die Welt schmackhafter machen.

Spricht das Salzwort aus dem Evangelium den Christen und Christinnen eine aktive Rolle im Weltgeschehen zu, betont das zweite Bildwort unseres Evangeliums, das Wort vom Licht, eher ihre passive Rolle. Wie eine Stadt auf dem Berg schon von Weitem gesehen wird, sollen auch die Christen und Christinnen so vorbildhaft leben, dass ihre Mitmenschen auf sie aufmerksam werden und ihren Glauben und ihre Lebensform zu übernehmen bereit sind. Christen und Christinnen bringen ihren Glauben dadurch zum Leuchten, dass sie „gute Werke“ tun. Wenn die Menschen diese Werke wahrnehmen, sind sie am ehesten motiviert, selbst in das Lob Gottes einzustimmen und den Vater im Himmel zu preisen. Sein Lob zu mehren, ist der eigentliche Sinn der Berufung, Licht der Welt zu sein.

So wie das Salz salzlos werden kann, kann auch das Licht seine Wirkung verfehlen. Das geschieht immer dann, wenn es ausgelöscht oder versteckt wird. Niemand wird allerdings so dumm sein und ein Licht anzünden, um es anschließend zu verbergen. Vielmehr stellt man eine Kerze oder eine andere Lichtquelle so auf, dass sie möglichst viel Licht spenden kann und von allen gesehen wird. Das war in den Häusern des alten Israel einfach, weil sie zumeist nur aus einem Zimmer bestanden. Das „Zimmer“, das Christen und Christinnen erhellen soll, ist aber nicht ein Raum in einem Gebäude. Es ist vielmehr die ganze Welt. Sie hat es in ihrer Fadheit und ihrer Dunkelheit nötig, dass Christen und Christinnen ihrer Berufung gerecht werden und für sie Salz und Licht sind: wie Jesus selbst, Zeichen der Liebe Gottes.

Zum Autor: Pfarrer Heinz-Josef Löckmann ist Pastor im Pastoralverbund Unna.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel