Es geht um die Stunde Jesu!

Gedanken zu Joh 2,1-11

Sie haben keinen Wein mehr. Bei einer Feier ziemlich peinlich... Foto: Gortincoiel / photocase

 

Um die Welt zu retten und zu erlösen, das ist die Stunde Jesu.

von Heinz-Josef Löckmann

Eine Hochzeit im Orient! Alle freuen sich mit dem Brautpaar. Und doch gibt es bald Unruhe unter den Gästen. Mit fraulichem Einfühlungsvermögen erkennt Maria die Ursache der Verstimmung: der Wein reicht nicht aus, für das Brautpaar als Veranstalter des Festes eine Blamage. Maria gibt ihrem Sohn Jesus einen deutlichen Hinweis: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Dahinter steht ihr Wunsch, Jesus möge helfen. Und nach einer ersten und unerwarteten Abfuhr Marias hilft er wirklich. Die Diener füllen die Krüge mit Wasser und es wird Wein daraus, der besser schmeckt als der alte.

Diese erste Sicht auf das Evangelium erklärt, warum sich immer wieder Brautleute diesen Text für ihre Hochzeitsmesse aussuchen. Sie wollen das tun, was von den Brautleuten damals geschrieben steht. Sie wollen wie sie, Jesus zu ihrer Hochzeit einladen. Er soll auch ihren Bund segnen. Und vielleicht verbinden sie damit auch das Vertrauen, dass Jesus ihnen so hilft wie damals, wenn auch bei ihnen der Wein der ersten Liebe ausgeht. Es bleibt dann häufig nichts anderes übrig, als „Wasser in die Krüge zu füllen“ – also das zu tun, was Menschen überhaupt noch tun können, wenn die Liebe zu erkalten droht. Es bleibt dann nur der Versuch, mit menschlichen Mitteln die Liebe zu retten. Hoffentlich gelingt es.

Der Versuch, das Evangelium auf die Situation von Eheleuten hin auszulegen, macht Sinn. Aber ist es die einzige Möglichkeit, das Evangelium so zu lesen? Enthält es vielleicht noch tiefere Möglichkeiten der Auslegung – unter dem Aspekt der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen überhaupt? Jesus maßregelt seine Mutter mit einem starken Wort: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“ Die Stunde Jesu – das muss mehr sein als die spontane Hilfe bei einem Hochzeitsfest, das zu misslingen droht. Die Stunde Jesu, das ist der Augenblick, wo er nicht nur ein Fest im Orient rettet, sondern die ganze Welt, ja den ganzen Kosmos. Es die Stunde, in der er die gesamte Wirklichkeit dieser Welt hineinnimmt in sein Leiden und Sterben. Es ist die Stunde des Kreuzes und weil sein Tod übergeht in das Leben, ist es auch die Stunde seiner Auferstehung. Johannes nennt das Geschehen in Kana bezeichnenderweise nicht ein Wunder. Er nennt es ein Zeichen. Es soll also auf etwas hinweisen, das größer ist als das Geschehen in Kana. Und das kann nur das Sterben und das Auferstehen Jesu selbst sein: seine Stunde, in der er die Welt erlöst hat.

Es ist allerdings kein Zufall, dass uns dieses Zeichen gerade bei einer Hochzeit geschenkt wird und dass es dabei um Wein geht. Tod und Auferstehen Jesu besiegeln die Hochzeit Gottes mit den Menschen. Sie schenkt den Menschen wieder die verloren gegangene Einheit mit Gott. Das Blut, das aus den Wunden Jesu fließt, wird zum göttlichen Wein, der die Menschen mit Jesus vereint. Der letzte Satz des Evangeliums bestätigt noch einmal diese zweite Sicht des Textes. Er besagt, dass Jesus mit diesem Zeichen seine Herrlichkeit offenbart hat und dass seine Jünger an ihn glaubten. Sie haben in diesem Geschehen zu Kana seine Göttlichkeit wahrnehmen können, die dann bei seinem Sterben und Auferstehen vor aller Welt unübersehbar wird. Der Glaube der Jünger an ihn ist dann nur die Konsequenz, die dieser Erfahrung in Kana entspricht. Sie fordert auch den Glauben heutiger Menschen heraus.

Zum Autor: Pfarrer Heinz-Josef Löckmann ist Pastor im Pastoralverbund Unna.

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