Es lebe die Demokratie

Der 11. August 1919 wurde die Weimarer Reichsverfassung verkündet

Der liturgische Kalender bietet in der kommenden Woche einiges, über das man schreiben könnte, die heilige Klara von Assisi zum Beispiel oder das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel. Aber in Zeiten wie diesen lohnt es, den Blick auf ein anderes Datum zu lenken, auf das des heutigen Sonntags.

Hier wurde vor 100 Jahren unterschrieben: das Weimarer Nationaltheater. Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Am 11. August vor 100 Jahren wurde die Weimarer Reichsverfassung unterzeichnet und am 14. August von Reichspräsident Friedrich Ebert verkündet. Es war die erste demokratische Verfassung Deutschlands und gilt heute als liberalste ihrer Zeit. Sie gewährte z. B. Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit und die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Von 1921 bis 1932 war der 11. August Nationalfeiertag, allerdings kein reichsweiter arbeitsfreier Tag. Dies trug nicht gerade zu seiner Popularität bei, obwohl sich der zuständige Reichskunstwart Edwin Redslob bei der Gestaltung um „eine Verbindung der Regierung und ihrer Gäste mit der Gesamtheit des Volkes“ bemühte.

Zu den wesentlichen Gestaltern des Festes gehörte das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Was aus heutiger Sicht bedenklich klingt, war (und ist!) eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Republik gegen zunehmend radikalere Gruppen zu schützen. Drei Parteien stützten die Organisation – die SPD, die DDP und das Zen­trum. Zu ihren bis zu drei Millionen Mitgliedern gehörten Julius Leber, Kurt Schumacher, Paul Löbe und Theodor Heuss. Wo es Ortsgruppen gab, wurde der 11. August mit Paraden und Kultur begangen. 1933 nach der Machtergreifung wurde die Organisation verboten, ihre Mitglieder verfolgt, ins Exil getrieben und/oder schlossen sich dem Widerstand an.

Beispielhaft sei hier von Anton Schmaus erzählt. Der junge Sozialdemokrat war selbst keine bedeutende Persönlichkeit, aber seine Geschichte wirft einen Blick auf die Situation der damaligen Zeit und stärkt hoffentlich das Bedürfnis, dass sich so etwas nie wiederholen darf. Anton Schmaus war der Sohn eines bekannten Köpenicker Gewerkschafters. Im Sommer 1931 durchsuchte die SA immer wieder Wohnungen – was sie nicht durfte –, misshandelte und verschleppte Menschen. Eines Nachts drang sie wiederholt in die Wohnung der Familie Schmaus ein, Anton wehrte sich mit Waffengewalt und erschoss zwei SA-­Leute. Er floh und stellte sich am Bahnhof der Polizei, die ihn ins Polizeirevier brachte. Die SA versuchte zunächst vergeblich, den Transport zu stoppen und verfolgte ihn dann bis ins Polizeirevier, wo Schmaus trotz Bewachung niedergeschossen wurde. Er überlebte schwer verletzt, verblieb aber im Polizei­krankenhaus. Dort wurde er im Januar 1934 von der SA zu einem angeblichen Verhör abgeholt, zwei Tage später starb er, von schweren Misshandlungen gezeichnet.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ wurde 1953 wieder gegründet, heute wird es vor allem von Sozialdemokraten getragen. Vorsitzender ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs. „Die Bundesrepublik Deutschland als parlamentarische und demokratische Republik zu erhalten, ist nach unserer Überzeugung eine fortwährende Aufgabe für uns alle“, so heißt es auf der Homepage.

Die Weimarer Republik, so hat es der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes, Stephan Harbarth, dieser Tage der Katholischen Nachrichten-­Agentur gesagt, „ist letztlich nicht an ihrer Verfassung, ­sondern am fehlenden freiheitlich-­demokratischen Geist der Akteure gescheitert.“

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