Facettenreiche Ausgestaltung

Expertin erklärte Hintergründe zum Islam in Deutschland

Rabeya Müller sprach auf Einladung katholischer und evangelischer Initiatoren im Haus Münsterberg über den Islam in Deutschland.

 

Detmold. Die Imamin Rabeya Müller sieht keine Gefahr einer Islamisierung in Deutschland. Dies sei „statistisch unhaltbar“, sagte sie in einem Vortrag, den sie in Detmold hielt. 5 Millionen Muslime, darunter viele Säkularisierte, könnten nicht 80 Millionen bestimmen.

Über den „Islam in Deutschland – Hintergründe und Perspektiven“ sprach Rabeya Müller vor rund 100 Gästen im Haus Münsterberg. Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe „Religionen im Gespräch“, einer Kooperation zwischen dem Katholischen Bildungswerk Lippe, dem Bildungsreferat der Lippischen Landeskirche, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe und der evangelischen Studierendengemeinde Detmold/Lemgo.

Muslime teilten auch die „Angst vor Terrorismus“, sagte Rabeya Müller. Die meisten Muslime in Deutschland würden hinter dem Grundgesetz stehen, das auch ihre Religionsfreiheit schütze. Rabeya Müller engagiert sich als stellvertretende Vorsitzende des Zentrums für islamische Frauenforschung und -förderung (ZiF), ist Gründungsmitglied des Liberal-Islamischen Bundes (LIB e. V.) und Dozentin beim interreligiösen Lehr- und Lernhaus für Frauen.

Mit historischen Beispielen belegte sie die lange Tradition des Islams in Deutschland. Bereits Karl der Große habe Gastgeschenke mit islamischen Herrschern getauscht. Viele verknüpften heute die Ursprünge des Islams in Deutsch­land erst mit dem Einzug der sogenannten „Gastarbeiter“ Anfang der 1970er-­Jahre. Für ihren Zusammenhalt hätten sie großen Wert auf Traditionen gelegt. Der Islam in Deutschland sei darum oft traditioneller geprägt als in vielen islamischen Ländern, so Rabeya Müller. Im Unterschied zum Christen- und Judentum sei der Islam keine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Aus organisatorischen Gründen müssten sich Muslime darum in der Rechtsform der Vereine und Verbände organisieren.

Die Referentin gab einen Überblick über die komplexe Vereinsstruktur: 2007 gründete sich der Koordinationsrat der Muslime (KRM), der vier der größten islamischen Verbände vereint: den Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), den Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IR) und den Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). DITIB sei finanziell und personell von der Türkei abhängig und stelle die meisten Moscheegemeinden. Der KRM vertrete jedoch nur 20 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime, da viele Muslime überhaupt keinem Verein zugehörten. „Der Islam ist nicht einheitlich organisiert, sondern sehr facettenreich.“ So gebe es unter den autonomen Einzelverbänden auch den Liberal-Islamischen Bund (LIB), der sich für Gendergerechtigkeit engagiere und weibliche Imame habe. Einige Frauenorganisationen – wie das Zentrum für islamische Frauenforschung und -förderung (ZIF) – leisteten Fortbildungen, andere Frauenorganisationen zum Beispiel gute Sozialarbeit. Rabeya Müller informierte auch über Aspekte der liberalen islamischen Theologie, die – gegründet auf den Koran – unter anderem Männer und Frauen die gleichen Rechte einräume und die christliche Offenbarung anerkenne.

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