Faires Foulspiel

Spielen Werte wie Fairness und Respekt im Profisport überhaupt noch eine Rolle?

Schwerte. Unter dem Titel „Faires Foulspiel – passen Sport und Ethik noch zusammen?“, referierten Beate Rohn und Hans-Peter Esch vom DJK Sportverband Diözesanverband Paderborn auf dem Polizeifortbildungsseminar des Erzbistums Paderborn in der Katholischen Akademie Schwerte. Hier trafen sich rund 25 Polizeibeamte und Angestellte im Polizeidienst aus dem gesamten Erzbistum unter Leitung von Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender, um sich über die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft zu informieren. Durch gewaltbereite Fußballfans und teils brutale Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern rivalisierender Clubs vor und in den Stadien, steigen auch die Anforderungen an die Polizisten im Einsatzgeschehen vor Ort täglich an.

Die Teilnehmer der Polizeitagung vor der Katholischen Akademie in Schwerte. Foto: Petri

 

von Anna Petri

Der DJK Sportverband DV Paderborn setzt sich verstärkt für das Thema Werte im Leistungs- und Breitensport“ ein und wollte durch den Vortrag im Rahmen der Polizeitagung auch aufzeigen, wo die Gründe der steigenden Unvereinbarkeit von Sport und Ethik in Deutschland liegen.

Im Zentrum des Referates stand die Frage, ob der Sport und insbesondere der Fußball in Deutschland noch ein Vorbild sein kann. Wenn man gewisse Entscheidungen im Profifußball genauer betrachtet, habe man schon den Eindruck, die viel beschworene Fairness sei oft nur noch eine Floskel, so Hans-Peter Esch. Der Sportreferent des DJK Sportverbandes sprach damit den teils offen durchgeführten Betrug während der Spiele an, um zum Beispiel durch gezielte Schwalben einen Elfmeter zu erstreiten und das Spiel zu entscheiden. „Schon im Amateurfußball gibt es mittlerweile solche Szenen, etwa dass der Vater seinem Sohn zuruft: Lass dich einfach fallen!“, so Esch.

Spielen Ethik, Moral und zentrale Werte im Spiegel von Gesellschaft und Sport folglich nur noch eine untergeordnete Rolle und sind Fairness und Sportsgeist nur noch ein romantischer Gedanke längst vergangener Zeiten? Betrachtet man die aktuelle Situation besonders im Profifußball, muss man dies leider bejahen. Erst vor gut anderthalb Jahren überschattete der Korruptionsskandal um den DFB und die FIFA die Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Vom „gekauften Sommermärchen“ war in Bezug auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 die Rede. Begriffe wie Manipulation und Korruptionsvorwürfe kommen uns unweigerlich in den Sinn, wenn wir an den Profisport denken, egal ob es nun um Fußball oder die Olympischen Spiele geht. Hinzu kommen bewusste Betrugsabsichten wie beim Doping oder eben durch das Erzielen eines Tores im Fußball mit der Hand. Dies gelang Hannovers Feldspieler Leon Andreasen im Spiel gegen den 1. FC Köln und wurde durch den Schiedsrichter als gültig erachtet, obwohl Fernsehbilder eindeutig bewiesen haben, dass der Spieler die Hand benutzt hatte. Andreasen selbst behauptete später, er wisse nicht mehr, was passiert sei. Der eigentliche Skandal aber: Auch Hannovers Trainer meinte nur lapidar, er habe kein Handspiel gesehen.

Zentrale Werte, so Hans-­Peter Esch, sollten uns eigentlich vermitteln, was für unser Leben erstrebenswert ist und uns eine Orientierung für eine richtige Lebensführung geben. Setzt man diese Aussage in Bezug zu den zahlreichen Beispielen aus dem Profisport, so bekommt man stark den Eindruck, dass Werte wie Respekt, Rücksichtnahme, Fairplay und das Miteinander im Sport nicht mehr zählen. Kommerzialisierung, Konkurrenzdruck, Eigennutz und Leistungsdruck, so scheint es, haben diese Werte abgelöst. Zurückzuführen sei die fehlende Orientierung an den Grundwerten auch auf ein Problem in der Erziehung, nicht nur durch die Eltern, sondern auch durch die Gesellschaft. Wenn es in unserer Gesellschaft nur noch um Macht und Erfolg geht und Scheitern verpönt ist, dann schlägt sich das auch im Sport nieder. Wenn Wirtschaftsbosse ungestraft betrügen können, dann können das auch Sportler.

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