Freude steckt an!

Gedanken zu Lk 1,39-45

Heimsuchung: Maria besucht Elisabet (Foto: privat)

 

Freude im Leben wie auch im Glauben will sich mitteilen. Sie sucht die Mitfreude.

von Ancilla Ernstberger

Lukas erzählt als einziger der Evangelisten von der Begegnung zwischen den beiden schwangeren Frauen Elisabeth und Maria. Während die betagte Elisabeth durch ihre Schwangerschaft vom Makel der Unfruchtbarkeit befreit wurde, hätte die etwa 16-jährige Maria als Josefs Verlobte mit der Steinigung rechnen müssen.

Berechtigterweise ist Elisabeth demnach guter Hoffnung. Und Maria? Was hat sie dazu bewogen, zu ihrer Verwandten Elisabeth aufzubrechen? Beflügelt die Botschaft des Engels sie derartig, dass sie, als Begnadete alle Hindernisse überwindend, zu ihrer Verwandten eilt? Ahnte Maria, wie Elisabeth reagieren würde? Die Begegnung hätte zumindest zu Vorwürfen oder wenigstens Unverständnis führen können.

Die Motive ihres Handelns, tiefere, weiterführende Gespräche beider Frauen bleiben im Dunkeln. Lukas stellt diese Begegnungsgeschichte in den Dienst der Verkündigung seiner Frohen Botschaft. Ihm geht es immer wieder darum, den Randexistenzen, den Menschen auf der untersten Stufe gesellschaftlicher Hierarchie, wozu auch Frauen und Kinder gehörten, Hoffnung zu schenken, sie zu ermutigen, dass Gott gerade ihnen nahe ist.

Den Beweis dafür liefert er mithilfe dieser beiden Frauen: Elisabeth ist nicht länger unfruchtbar. Und in Bezug auf Maria erwähnt der Evangelist mit keiner Silbe, was ihr eigentlich hätte blühen können. Vielmehr rückt er sie beide in ein helles Licht, indem sie sich als Vertrauende und Glaubende ganz auf Gottes Weisungen einlassen, ohne sein Wirken anzuzweifeln. Wer wie Maria mit Gottes Gnade, mit seinem Wort unterwegs ist, für den ist das, was sich im gewöhnlichen Alltag wie ein „Bergland“ auftürmt, kein Hindernis, trotzdem aufzubrechen und eine Seelenverwandte aufzusuchen.

Erst durch ihren Aufbruch zu Elisabeth erfährt Maria genauer, was es mit ihrem Kind auf sich hat. Elisabeths noch ungeborenes Kind, Johannes, ist schon in dieser Szene derjenige, der auf Jesus hinweist. Indem sich die beiden werdenden Mütter begegnen, „hüpfte das Kind in ihrem (Elisabeths) Leib“. Bevor Johannes später als Jesu Vorläufer auftritt, weist er schon jetzt als noch ungeborenes Kind in prophetischer Wachheit auf den Messias hin. Von Elisabeth heißt es hier, dass sie vom „Heiligen Geist erfüllt“ wurde. Menschliches Erkenntnisvermögen reicht nicht aus, aber mithilfe des Heiligen Geistes und des hüpfenden Kindes, dessen Wirkmacht sie in sich zulässt, kann Elisabeth ihrer Verwandten Segen zusprechen: „… gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Es vollzieht sich in dieser Begegnungsgeschichte ein wechselseitiges Geben und Nehmen. Dabei bringen die beiden Frauen und ihre Kinder keine Gastgeschenke mit, nur jeweils sich selbst. Und weil sie voll des Heiligen Geistes sind und so erfüllt von Gottes Gegenwart in ihrer Mitte, brechen Elisabeth und Maria in Lobgesang und kaum zu beschreibenden Jubel aus.

Wie Elisabeth auf der Ikone durch das Grün ihres Obergewandes als Frau der Hoffnung charakterisiert wird, so drückt sich in Marias wehendem Gewand beschwingte Freude aus. In der Umarmung der alten und der jungen Frau verschränken sich Altes und Neues. Sie und ihre Söhne Johannes und Jesus weisen darauf hin, dass eine neue Zeit anbricht. Was die Propheten verheißen haben, erfüllt sich in der Geburt Jesu.

Wenn wir uns bewusst werden, dass wir von Gott Begnadete sind und Gottes Leben in uns tragen, blüht unser Leben auf. Nichts bleibt mehr unfruchtbar. Die neu gewonnene Lebendigkeit drängt zum freudigen Mitteilen und Teilen im ganz gewöhnlichen Heute.

Zur Autorin: Sr. M. Ancilla Ernstberger ist Oberin der Augustiner Chorfrauen im Michaelskloster in Paderborn.

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