Freude und Wehmut vor dem Abriss

In Hamm-Herringen weicht das Gemeindezentrum einem multifunktionalen Neubau

Hamm. In der Gemeinde St. Peter und Paul, die zum Pastoralverbund Hamm-Mitte-­Westen gehört, war Abschiednehmen angesagt: Das Michaelsheim, das seit über 50 Jahren das Gemeindeleben begleitete, wird abgerissen. Beim gemeinsamen Ausräumen kam manche Erinnerung wieder auf.

Jung und Alt arbeiteten gemeinsam, erinnerten sich an viele schöne Momente und freuen sich auf die Zukunft mit dem neuen „Haus der Begegnung“. Foto: Körtling

 

von Peter Körtling

Fleiß und Erinnerungen hingen an dem besonderen Samstag in und um das Michaelsheim in der Luft: Das 1962 eröffnete Gemeindezen­trum wurde für den bevorstehenden Abriss ausgeräumt, da es dem neuen „Haus der Begegnung“ Platz machen muss. Selbst Pfarrer Ludgerus Poggel war kaum zu erkennen, als er mit Jeans und kariertem Flanellhemd kräftig mit anpackte.

Die zahlreichen Helfer aus der Gemeinde legten sich mächtig ins Zeug, denn es galt auszusortieren, wegzuwerfen und die erhaltenswerten Dinge einzulagern. Der bereitstehende Container füllte sich schnell und immer wieder hielten die Gemeindemitglieder inne, um ihre Erinnerungen auszutauschen. Jeder Aktive konnte viele Ereignisse aufzählen, die auch sein Leben in diesem Mittelpunkt der Gemeinde geprägt haben.

Die 58-jährige Maria Schmer­sträter ist die Vorsitzende der örtlichen Gruppe der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Sie kennt das Gemeindezentrum von Anfang an: „Seit ich vor 50 Jahren hier meine Erstkommunion gefeiert habe, ist mir das Michaelsheim bestens vertraut“, sagt Schmersträter. Zuerst sei sie in der Jugendarbeit aktiv gewesen. Damals wie heute seien die Gruppenstunden in den Jugendräumen im Keller durchgeführt worden. Die Leitung hatte damals noch Vikar Dönnewig. Nach vielen glücklichen Stunden in der Jugendarbeit folgte später die langjährige Mitarbeit in der kfd im Michaelsheim.

Viele Höhepunkte des Gemeindelebens fanden dort statt, auch für die kfd: So bieten die Erinnerungen an das Fest zum 100-jährigen Bestehen der kfd im Jahr 2015 immer noch Grund zum Schmun­zeln. Dabei traten zwei Kabarettistinnen auf, an deren Spitzen die damaligen Teilnehmerinnen immer noch gerne zurückdenken.

Durch die Größe und Eignung wurden die Räume auch gerne für private Feste genutzt, wie Schmersträter bestätigt: Sie selbst hat sowohl ihren Polterabend als auch ihre Hochzeit dort gefeiert. „Beim Polterabend hatte ein Gast große Topfdeckel anei­nandergebunden und an einer Schnur hinter sich, treppauf und treppab, hergezogen. Das war ein Spaß“, erinnert sich Schmersträter.

Bei vielen Helfern weckt das Gebäude auch Erinnerungen an die Menschen, die dort gewirkt haben: „Ich erinnere mich noch genau an die Eheleute Wild, die hier die ersten Hausmeister waren“, sagt der 59-jährige Thomas Pieper. Er ist im Kirchenvorstand aktiv und kennt seit der Zeit in der Jugendgruppe jeden Winkel und viele Geschichten rund um das Gebäude. Das Hausmeisterpaar habe ein strenges Regiment geführt: „Macht ja pünktlich Schluss und lasst alles ganz“, zitiert er die Eheleute. „Wir konnten machen, was wir wollten, die hatten einfach alles unter Kontrolle“, erinnert sich Pieper schmunzelnd. Dazu kämen bei ihm die Erinnerungen an die Gemeindefeste und vieles mehr, was die Menschen dort verbunden habe.

Entgegen allen Vorurteilen, Kirche zeichne sich nur durch Alter aus, waren auch viele Jugendliche und junge Erwachsene aktiv: Die 24-jährige Melissa Stahlberg und der 22-jährige Pascal Richter gehören zu der jüngsten Generation der aktiven Ehrenamtler. Sie führen als Gruppenleiter die Jugendarbeit fort, die sie selbst von Kindesbeinen an dort erlebt haben: „Nach wie vor sind unsere Sommer-Zeltlager mit 50 und mehr teilnehmenden Kindern und Jugendlichen die Jahreshöhepunkte“, sagt Richter. Aber sie hätten auch zahlreiche schöne Erlebnisse aus den Gruppenstunden und anderen Veranstaltungen. „Besonders an die Kinder-Discos denke ich sehr gerne“, sagt Stahlberg. Spätestens, sobald das neue „Haus der Begegnung“ in Betrieb genommen werde, wollten sie überlegen, ob diese und andere Veranstaltungen wieder ihren festen Platz in der Jugendarbeit finden könnten.

Trotz der vielen Erinnerungen kommt aber keine echte Wehmut auf, denn alle freuen sich schon auf das neue „Haus der Begegnung“. Das Gebäude steht dann der Offenen Ganztagsschule der benachbarten Grundschule, dem Pfarrbüro und der Gemeindearbeit offen. Nach der geplanten Einweihung Ende 2019 soll es ein ganz lebendiges, offenes Haus sein und den Menschen in Herringen ebenso viel Freude bieten wie das Michaelsheim.

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