Gedenken an jüdische Geschichte

Gedenkstein an Hammer Marien-Realschule eingeweiht

Der Oberbürgermeister mit Kippa vor dem Gedenkstein. Foto: Körtling

 

Hamm. Ein besonderes Denkmal am lebendigen Ort: Bis 1824 befand sich auf dem heutigen Gelände der Marien-­Realschule der jüdische Friedhof. Daran erinnert nun ein Gedenkstein, der mit einer bewegenden Zeremonie eingeweiht wurde: Sogar Besucher aus Haifa waren zu Gast und alle Anwesenden waren zutiefst gerührt.

Der Rabbiner der jüdischen Großgemeinde Dortmund, Baruch Babaev, sprach den he­bräischen Totengesang. Pfarrer Bernd Mönkebüscher betete und Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann machte, wie Schulleiter Wolfgang Vonstein, deutlich, wo­rum es ging: Jüdische Friedhöfe sind für die Ewigkeit. So war die Verlegung vor fast 200 Jahren bestimmt nicht ganz freiwillig.
Neben Susanne Wagenknecht von der Schulabteilung des Erzbistums Paderborn, wurden auch Besucher aus Haifa Zeugen der Zeremonie: Die Delegation einer Partnerschule aus Israel war gerade zu Gast in Hamm und die 19 Schüler waren mit ihren drei begleitenden Lehrern ebenfalls tief gerührt. Der israelische Schulleiter Oran Ben Yoya verlas die Inschrift des Denkmals, die Vonstein zuvor auf Deutsch vorgetragen hatte, im Rahmen des Festaktes auf Hebräisch.
 
„Unsere israelischen Freunde nehmen nun die Gewissheit mit, dass sie und ihr Glaube ernst genommen werden“, erklärte der sich freuende Vonstein. Bereits im Vorfeld seien alle Beteiligten überrascht gewesen, wie viel Zustimmung sie bei ihrem Vorhaben fanden: Rabbi Babaev war als einzig Befugter nicht nur gerne bereit zu kommen und an der Zeremonie mitzuwirken. Er half darüber hinaus auch im Vorfeld, damit alle Regeln des Judentums eingehalten wurden.
 
Dass alles so gut gelungen ist, freut den Schulleiter besonders für die Gäste aus Haifa. „Diese lebendigen Momente der gegenseitigen Achtung und des selbstverständlichen Miteinanders, die diese Kollegen und Jugendlichen mit nach Hause nehmen, können wir nicht in Jahren des theoretischen Unterrichts vermitteln.“ Darum sei der Schule der persönliche Kontakt, auch mit den anderen Partnerschulen, so wichtig.
Der Errichtung dieses Gedenksteins, der mit einem Text auf Deutsch und Hebräisch sowie einer Textstelle des Alten Testamentes versehen ist, ging das jahrzehntelange Engagement zweier Lehrerinnen voraus: Gisela Kosanetzky und Hedwig Wantja hatten sich, nachdem sie auf den historischen Standort ihrer Schule aufmerksam wurden, über viele Jahre mit der Geschichte des jüdischen Friedhofes und des jüdischen Lebens in Hamm beschäftigt.
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