Gerechtigkeit wagen

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Papst Franziskus hat erneut eine gerechte Wirtschaftsordnung angemahnt. Zur Eröffnung der Gebetswoche für die Einheit der Christen rief er alle Christen auf, daran mitzuarbeiten.

Foto: Bernd Kasper / pixelio

 

Fast zeitgleich veröffentlichte die Entwicklungsorganisation Oxfam ihren diesjährigen Bericht zur weltweiten sozialen Ungleichheit. Nach den Berechnungen von Oxfam sind die Vermögen aller Milliardäre um zwölf Prozent gewachsen, während die ärmere Hälfte der Menschheit Einbußen von elf Prozent hinnehmen musste.

Natürlich gibt es von interessierter Seite Kritik an dem Bericht. Ein Münchner Forscher spricht davon, dass „eine ganze Industrie“ an solchen Berichten verdiene. Das erinnert an das böse Wort von der ­„Anti-Abschiebe-Industrie“, das ebenfalls aus München kam.

Fakt ist, dass die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinanderklafft – sowohl weltweit als auch in Deutschland. Die Ursachen dafür sind von Land zu Land verschieden. In Deutschland zum Beispiel ist lange Zeit eine Steuerpolitik zugunsten der Reichen gemacht worden. Hinzu kommt die massive Ausweitung von Niedriglohnjobs, die nicht zum Leben reichen können.

Die Annahme, dass man nur die Menschen in Arbeit bringen muss und alles wird gut, ist ein Trugschluss. Die Menschen brauchen Arbeit und eine Entlohnung, von der sie sich und ihre Familien ernähren können, wie es in der katholischen Soziallehre heißt. Darüber hinaus muss eine Umverteilung des Vermögens stattfinden, um eine bessere Welt für alle Menschen zu erreichen.

„Gerechtigkeit wagen“ – das wäre ein schönes Leitwort für die Politik der nächsten Jahre.

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