Gesundheit geht vor

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die Diskussion um die Krankenhauslandschaft in Deutschland nimmt wieder Fahrt auf. Anlass ist eine ­Studie der Bertelsmann Stiftung. Darin heißt es, dass eine starke Verringerung der Klinikanzahl – von aktuell knapp 1 400 auf deutlich unter 600 Häuser – die Versorgungsqualität für Patienten verbessern und zudem bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern werde.

Foto: Martin Büdenbender / pixelio

 

Durch die Konzentration würden viele Todesfälle vermieden, weil kleinere Kliniken nicht so gut ausgestattet seien.

Sicher gibt es manche Regionen, in denen die Zahl der Kliniken verringert werden könnte. Als Beispiel nennt die Studie den Großraum Köln/Leverkusen, wo es 38 Akutkrankenhäuser gibt. Auf der anderen Seite gibt es ländliche Regionen, die durch die Schließung von Kliniken schon jetzt sehr schlecht versorgt sind. Das kürzlich veröffentlichte Gutachten der Bundesregierung zu den unterschiedlichen Lebensverhältnissen in Deutschland hat nicht zuletzt deutlich gemacht, dass die Gesundheitsversorgung sehr unterschiedlich ist.

Bedauerlicherweise werden die ländlichen Regionen immer mehr abgehängt. Auch der Ärztemangel auf dem Land wird immer größer. Und wer – wie die Bertelsmann Stiftung – sagt, man könne ruhig etwas weiter zu einem Krankenhaus fahren, der sollte berücksichtigen, dass bei den Krankenwagen ebenfalls viel eingespart worden ist. Hinzu kommt der soziale Aspekt. Je weiter ein Krankhaus entfernt ist, umso weniger haben Verwandte und Freunde die Möglichkeit der Hilfestellung und des Besuchs.

Das Gesundheitssystem kann man nicht nur nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten organisieren. Für gleiche Chancen aller bei der medizinischen Versorgung der Menschen zu sorgen, ist eine staatliche Aufgabe. Und dafür muss der Staat notfalls Steuergeld ausgeben.

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