Gezählt

Geistlicher Glaubensimpuls

Merkels Tage seien gezählt, heißt es derzeit in den Medien und gemeint ist wohl: Die Ära Merkel neigt sich dem Ende zu. Gezählt meint also befristet.

Foto: Lupo / pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Nun, befristet waren Merkels Tage schon, als sie ins Amt gekommen ist, nicht nur, weil wir in einer Demokratie leben und dort Macht auf Zeit vergeben wird. Alles, was Merkel – oder Christian Lindner – tun, ja, alles, was wir tun, ist befristet, also vorübergehend. Um das zu erkennen, muss man kein großer Geist sein, der Blick in das eigene Fotoalbum reicht schon aus. (Dieser Pullover, auweia ...)

Die Befristung gehört zur alltäglichen Erfahrung. Manchmal tut es gut, sich daran zu erinnern, weil es das Leben, vor allem in schweren Zeiten, leichter macht. Im Winter kann man auf den Frühling hoffen, weil man ihn schon oft erlebt hat. Aber erschreckend wird es, wenn es um die Endlichkeit des eigenen Lebens selbst geht. Wo sonst die Hoffnung durch das vertraute Danach kommt, fehlt einem da die Erfahrung. Was kommt danach? Niemand weiß das. Aber irgendwie ist die Ahnung vom ewigen Leben in die Welt gekommen. Woher? Wer hat sie dem Menschen eingepflanzt? Hat das Erschrecken über die eigene Endlichkeit vielleicht irgendetwas mit dieser Ahnung zu tun?

In manchen Dingen ist die Bibel fortschrittlicher als heutige Informationsquellen, vielleicht weil einst noch nicht so viel technisches Zeug zwischen den Menschen stand. Jedenfalls ist da von jemandem zu lesen, der nicht nur unser aller Tage, sondern sogar unsere Haare gezählt hat. Und in diesem Zusammenhang klingt das Wort ganz anders. So verstanden hat es doch etwas mit Bescheid wissen und Bescheid wissen wollen zu tun. Wer bitte will wissen, wie viele Haare unsereins auf dem Kopf hat? Das will man ja selber nicht mal so genau wissen, jedenfalls hat man doch keine Lust zu zählen, weil man an kein Ende käme. Wer also ist das? Wer interessiert sich so dermaßen für uns? Für wen ist man so wichtig? Da fällt einem – bei aller Liebe – kein Mensch ein. Aber man kriegt so eine Ahnung …

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