Gottesdienst mit Tattoo

Katholische Hochschulgemeinde Bielefeld betritt ungewohnte Räume des Glaubens

Im Café Abraham kamen christliche und muslimische Studentinnen und Studenten miteinander ins Gespräch.Foto: Melzer

 

Bielefeld. Mit dem Semester­thema „Kirche reframed“, was soviel heißt wie „Kirche neu ausgerichtet“, wagt sich die Katholische Hochschulgemeinde Bielefeld (KHG) in neue Formate hinein: Der ökumenische Semestereröffnungsgottesdienst wurde im öffentlichen Raum der Unihalle gefeiert, im Café Abra­ham Bielefeld suchten die Studenten den theologischen und persönlichen Austausch über die eigenen Religionsgrenzen hinweg, und in den „ausgesetzten“ Gottesdiensten muten sie sich Orte zu, die man für gewöhnlich nicht mit Glaube und Spiritualität in Verbindung bringt.

Mit dem Eröffnungsgottesdienst, der erstmalig in der Eingangshalle der Universität Bielefeld stattfand, zeigten sich die KHG wie auch die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) im öffentlichen Raum und ließen mögliche Störungen und ungeplante Begegnungen zu. „Dies geschah in dem Vertrauen, dass es manchmal die ungeahnten Begegnungen sind, in denen sich etwas offenbart, in denen Kirche zum Zeichen und Werkzeug wird, das über sich selbst hinaus reicht“, berichtet Julia Winterboer, Referentin für Bildung, Soziales und Kultur in der KHG.

Daneben suchten die Studierenden um Studierendenpfarrer Lars Hofnagel den Dialog in der Begegnung – vor allem mit muslimischen Studierenden – im Café Abraham in Bielefeld. Angelehnt an die europäische Kaffeehaustradition wurde um Worte und eine Haltung gerungen, die den eigenen Glauben bestmöglich erklärt und verständlich machen kann: „Immer und ausdrücklich mit dem Setzen des eigenen Wahrheitsanspruches“, betont Julia Winterboer.

In der Gestalt von „ausgesetzten Gottesdiensten“ feierte die katholische Hochschulgemeinde erstmalig in einem Tattoo-Studio Gottesdienst. „Im Fokus stand dabei das Zeichenhafte – wie die Worte, auf die Gott verpflichtet, indem er sagt, sie sollen in das eigene Herz geschrieben sein (Dt 6,6)“, erklärt Julia Winterboer. Mit dem Evangelium des ungläubigen Thomas und der Verbindung zu dem gleichnamigen Gemälde von Caravaggio wurde eine Brücke geschlagen zu den Wundmalen Jesu, aber auch zu den schmerzhaften Momenten des Lebens, die sich immer auch – wie ein Tattoo – einschreiben in den eigenen Körper. In der dialogischen Predigt mit dem Tätowierer wurde auch das Schmückende des eigenen Glaubens betont. Die Spannung zwischen Schmerzhaftem und Schmückendem wurde versinnbildlicht im Entstehungsprozess einer Tätowierung. „Niemand soll dich verachten, weil du noch jung bist.“ Diesen Worten des heiligen Paulus an Timotheus folge man mit den neuen Angeboten, erklärte Julia Winterboer. „Die Studierenden suchen nach den Zeichen der Zeit und ihrer eigenen Aufgabe, eine Suche im städtischen und universitären Raum, in dem Glaube nicht immer nur an den bekannten Orten zu finden und zu leben ist.“ Die bewussten Unterbrechungen aus dem Alltag an „Anders-Orten“ seien es, denen manch einer vielleicht lieber ausweichen würde, an denen sich aber etwas ereignen könne.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel