Heiliger Irrtum

Zum Fest der hl. Cäcilia am 22. November

Na, wenn das im Heiligenlexikon schon so losgeht: „Cäcilia ist eher eine Verwechselung als eine Heilige“, schreibt Theodor Schnitzler in seinem kleinen Büchlein „Die Heiligen im Jahr des Herrn“.

Diese Cäcilia des Bielefelder Künstlers Johannes Kotmann aus der Zeit nach 1630 ist ab dem 19. November in der Ausstellung „Sakrale Kunst in Rietberg“ zu sehen, die aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums des dortigen Franziskanerklosters gezeigt wird. Foto: Ansgar Hoffmann

 

von Claudia Auffenberg

Nun, dass man bei Heiligenlegenden eben von Legenden und nicht von wasserdicht recherchierten Biografien ausgehen muss, ist klar. Aber dass nun eine der populärsten Heiligen, die Patronin der Kirchenmusik, von der es Reliquien gibt und deren Leichnam man 1599 angeblich unversehrt gefunden hat, nun eigentlich nur ein Missverständnis ist, lässt einen doch erstaunen. Ach so: Patronin der Kirchenmusik ist sie aufgrund eines Übersetzungsfehlers.

Dennoch ist interessant, was über sie erzählt wird, und letztlich kommt es darauf an: Heilige haben eine Botschaft. Die der heiligen Cäcilia könnte man vielleicht so zusammenfassen: Christsein ist attraktiv. Für diese Erkenntnis lassen wir einmal die Details ihres Martyriums beiseite und konzentrieren uns auf die Anfänge. Die Legende erzählt, dass Cäcilia von ihren Eltern mit einem heidnischen jungen Mann verheiratet wurde, Valerianus war sein Name. Sie fügte sich, beschloss aber, jungfräulich zu bleiben. Im Brautgemach offenbarte sie ihm, ein Engel stehe ihr als Beschützer zur Seite. Valerianus ließ sich darauf ein, wurde jedoch neugierig und wollte den Engel sehen. Cäcilia sorgte für seine Bekehrung durch den römischen Bischof Urban I., der den jungen Mann taufte. Da­raufhin sah auch er den Engel, der Cäcilia einen Kranz aus Rosen und ihm selbst einen Kranz aus Lilien reichte und der ganze Raum wurde mit himmlischem Duft erfüllt. Als Cäcilias Schwager die Szene betrat, wunderte er sich über den Rosenduft und wurde auch bekehrt. Ab jetzt wird es eher unerfreulich, aber immer wieder kommt es durch Cäcilia zu Bekehrungen.

Heute stellt man sich ja genau diese Frage: Wie bekehrt man einen Menschen zum Glauben? Na ja, diese Frage stellt man sich vielleicht doch nicht, sondern eher: Wie hält man die Leute bei der Stange? Sie neugierig machen und für ein gutes Raumklima sorgen könnten erste Maßnahmen sein.

Und natürlich, jedes Chormitglied weiß, auch das gemeinsame Singen in der Liturgie kann das Herz erheben, auch derjenigen, die nicht mitsingen. Franz Xaver Witt hat 1868, also vor 150 Jahren, die Gründung des Cäcilienverbandes initiiert. Sie war damals schon die Patronin der Kirchenmusik. Es war die Zeit der Vereins- und Verbandsgründungen und die der Rückbesinnung auf älteres Kulturgut. Auf katholisch hieß das damals: die Liturgie von Verfremdungen befreien und mit neuer Qualität feiern. Witt war Chorallehrer am Regensburger Priesterseminar und von diesen Ideen der damaligen Zeit beseelt. Es sind Ideen, die bis heute gültig sind, um die Qualität der Liturgie muss sich jede Generation neu bemühen und somit haben die Kirchenchöre im Lande eine bleibende Aufgabe.

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