Hilfe in Lebensfragen

Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur religiös-theologischen Erwachsenenbildung präsentiert

Bielefeld. Mehrere Hundert Menschen wurden einzeln über einen Zeitraum von zwei Jahren befragt. Nun liegen die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vom Dekanat Rietberg-Wiedenbrück und der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung Bielefeld (kefb) vor. Prof. Joachim Faulde von der Katholischen Hochschule Paderborn, der das Projekt leitete, präsentierte die Ergebnisse des zweijährigen Forschungsprojektes in Bielefeld.

Das Team des Forschungsprojektes mit (v. l.) Prof. Joachim Faulde (Katho Paderborn), Matthias Stumpe (Dekanatsreferent Rietberg-­Wiedenbrück) und Stephan Polle (Leiter kefb Bielefeld)Foto: kefb

 

Die kefb Bielefeld sowie das Dekanatsbüro Rietberg-Wiedenbrück hatten das Forschungsprojekt entwickelt und während der Projektphase tatkräftig unterstützt. Zwei Grundfragen lagen der Untersuchung zugrunde: Welche biografischen Übergänge und kritischen Lebensereignisse beschäftigen die Menschen? Und: Welche Beiträge kann religiöse Erwachsenenbildung zur Lebensbewältigung leisten?

In den Jahren 2017 und 2018 wurden mehrere hundert Einzelbefragungen durchgeführt. Zielgruppen der Befragungen waren Teilnehmer an religiösen Bildungsmaßnahmen, Priester, Diakone und Gemeindereferenten, Passanten in den Fußgängerzonen von Bielefeld, Minden und Gütersloh, außerdem Mitarbeiterinnen in Kindergärten und Leitungsverantwortliche in kirchlichen Seniorenzentren.

Prof. Faulde präsentierte dementsprechend einen bunten Reigen an Ergebnissen. So sei religiös-theologische Bildungsarbeit zunächst weiblich und finde vor allem in der Lebensphase zwischen 50 und 70 Jahren statt. Besucher an religiösen Veranstaltungen suchten – bedingt durch räumliche Entfernungen oder gesundheitliche Einschränkungen – Antworten auf Fragen zukünftiger familiärer Kommunikation zu den eigenen Kindern, Freunden und Bekannten, so Prof. Faulde. Sie suchten aber ebenso Antworten auf Fragen zur Weitergabe des Glaubens und erwarteten Hilfe in existentiellen Lebensfragen von Tod und Leid sowie Hilfe auf der Grundlage der christlichen Auferstehungshoffnung.

Letzteres schrieben auch Passanten bei Befragungen in Fußgängerzonen der Kirche als wesentliches Bildungsthema zu, wenngleich die studentischen Hilfskräfte dabei häufiger persönliche Enttäuschungen mit der Kirche zu hören bekamen. Die Befragung des pastoralen Personals zeigte auf, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung noch gesteigert werden kann.

In Kindertageseinrichtungen wurde verstärkt die Vermittlung von Werten und Normen in der Erziehung thematisiert. Ebenso warf die Befragung die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf. Auch in den Kindergärten ergaben sich Fragen nach dem Tod und der christlichen Auferstehungsbotschaft, wenn beispielsweise Kleinkinder nach dem Tod der Großeltern Fragen nach dem Warum und Wo aufwerfen.

In Seniorenheimen stellt Angehörige die Finanzierung der Pflege vor ein moralisches Dilemma. Aber ebenso der Umgang mit den alten Eltern kann ein Thema vor Ort sein. Prof. Faulde sah eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten für eine zukünftige religiös-theologische Bildungsarbeit. So sollten die konkreten Lebens­erfahrungen der Menschen in verschiedenen Alters­phasen den unmittelbaren Ausgangspunkt religiöser Erwachsenenbildung darstellen. Denn die christlich-jüdische Tradition verfüge über ein umfassendes Lebenswissen, das Hilfen zum Gelingen des Menschseins und zum Zusammenleben in der Gesellschaft biete.

Religiöse Erwachsenenbildung könne einen entsprechenden Raum zur Kommunikation bereitstellen und darüber hinaus Impluse zur individuellen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Werten und Normen anbieten, sagte Faulde. Religiöse Erwachsenenbildung in katholischer Trägerschaft sei eingebunden in die Kirche und gleichzeitig ein Teil des kommunalen Gemeinwesens in Städten und Dörfern. Daher sei eine gezielte Vernetzung und Kooperation vor Ort eine unverzichtbare Strategie moderner Erwachsenenbildung.“Dekanatsreferent Matthias Stumpe und kefb-Leiter Stephan Polle waren am Ende des Tages zufrieden. „Wir haben eine Vielzahl an Hinweisen zur Weiterarbeit erhalten. Diese Chance wollen wir in den nächsten Monaten ergreifen“, sagte Polle.

Das Forschungsprojekt wurde in Kooperation zwischen der kefb Bielefeld und dem Dekanat Rietberg-Wiedenbrück konzipiert und durchgeführt. Als Projektpartner konnte die Katholische Hochschule Paderborn gewonnen werden. Das Projekt wurde durch die Stiftung „Bildung ist Zukunft“ unterstützt.

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