Hilfe, wir haben Erfolg!

Gedanken zu Lk 5,1-11

Ein großer Fang! Foto: Aman Bhargava / unsplash

 

Mit Gott gemeinsam am Werk, wird unser Einsatz lohnend sein.

von Annegret Meyer

Der Evangelist Lukas erzählt die Geschichte der Fischer, die zu den ersten Jüngern Jesu werden, nicht direkt am Anfang seines öffentlichen Auftretens. Jesus hat bereits in den Synagogen in Galiläa gepredigt, sich mit den Religiösen in seiner Heimatstadt Nazareth angelegt, Dämonen ausgetrieben und die Schwiegermutter des Simon geheilt (Lk 4). Er ist ein Rabbi, der die Massen begeistert und provoziert.

Die Szene des heutigen Evangeliums spielt aber nicht vor großem Publikum, sondern findet statt, „nachdem er aufgehört hatte zu sprechen“ (Lk 5,4), im Fischerboot des Simon. Eine doppelte Zumutung steht am Anfang: Jesus stört die Fischer beim Reinigen der Netze, also nach getaner Arbeit, indem er kommentarlos in eines ihrer Boote steigt, um vom Wasser aus die Menge besser belehren zu können. Und dann, nach der Rede, die unvermittelte Aufforderung an Simon, hinauszufahren und die Netze auszuwerfen in der Tiefe. Gegen jegliches Erfahrungswissen der Fischer und vor allem nach einer erfolglosen Ausfahrt in den frühen Morgenstunden. Simon wehrt sich dementsprechend auch gegen diesen Auftrag, aber „auf dein Wort hin“ fährt er doch los.

Das Unerwartete passiert, ein Fang ungeahnten Ausmaßes. So groß, dass er nur im Team bewältigt werden kann. Und was ist die Reaktion? Begeisterung? Nichts dergleichen. Simon bekommt den Schreck seines Lebens und will nicht näher zu Jesus, sondern möglichst weit weg: „Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch“ (Lk 5,8).

Was geschieht hier? Der reiche Fischfang steht einerseits für die Macht des bloßen Wortes Jesu – und gleichzeitig für die Macht des Vertrauens da­rauf. Beides ist voneinander abhängig. Ohne Jesu Wort kein Fischfang, ohne das vertrauensvolle Losfahren und professionelle Fischen auch nicht.

Das Erschrecken des Simon ist durchaus typisch, wenn man den vielen biblischen Geschichten glaubt, die von der Begegnung mit Gott oder seiner Macht sprechen. Da ist erst mal kein Hochgefühl, sondern staunender Schauder vor der erfahrenen Mächtigkeit. Hier genauer: Die Ermächtigung zum erfolgreichen Handeln durch Jesu Wort: Hilfe, wir haben Erfolg, wenn wir deinem Wort vertrauen! Gott, bist du mächtig …!

Ein anderes Ende der Geschichte ließe sich denken: Mit Jesus zusammen könnten die Fischer ein Geschäftsmodell entwickeln. Die besten, meisten, größten Fische gäbe es ab jetzt bei Simon und seinen Kollegen zu kaufen. Eine neue Marke wäre geboren. Hier im Evangelium interessiert der reiche Fang die Fischer am Ende nicht mehr. Sie ziehen keinen persönlichen Nutzen aus ihrer besonderen Jesusbegegnung. Sie lassen stattdessen alles liegen und verlassen ihre Komfortzone.

Sie versuchen jetzt nicht mehr, mit eigenen Mitteln das zu tun, was sich rentiert, sondern sie investieren jetzt ohne Netz und doppelten Boden in das, was sich lohnt. Sie fischen jetzt Menschen – das heißt, sie verkörpern ab jetzt ein neues Lebensmotto: Wenn ich Gott vertraue, hat mein Handeln Erfolg. Wenn ich Gott vertraue, bin ich überhaupt nicht mehr abhängig von meinem Erfolg.

„Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden …“ (Ignatius von ­Loyola)

Zur Autorin:

Dr. Annegret Meyer ist Referentin im Bereich Exerzitien, Spiritualität und Theologische Grundlagenarbeit im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn.

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