Hoffnung für Menschen in Syrien

Caritas-Vorsitzender Dr. Thomas Witt informierte sich in Damaskus

﷯Paderborn (cpd). Im Februar hatte die Ordensschwester Annie Demerjian in Paderborn über ihre Arbeit in der vom Bürgerkrieg besonders betroffenen syrischen Metropole Aleppo berichtet. Dort versorgt sie mit finanzieller Hilfe des Diözesan-Caritasverbandes Familien mit dem Nötigsten: Kleidung, Lebensmittel oder Geld für Strom.

Besuchten die Mitarbeiterinnen der Näherei im christlichen Bergdorf Maalula nahe Damaskus: Domkapitular Dr. Thomas Witt (l﷯.), Mon­﷯signore Thomas Habib (Sekretär der Nuntiatur von Damaskus, 2. ﷯v. l﷯.), Sr. Annie Demerjian (4. ﷯v. ﷯l﷯.), Monsignore Prof. Dr. Peter Schallenberg (Mitte) und Provinzoberin Sr. Helen Haigh von den Schwestern Jesu und Mariens (r﷯.).﷯Foto: cpd

 

Die Berichte der mutigen Ordensfrau von der Kongregation der Schwestern von Jesus und Maria haben viele Menschen nachhaltig beeindruckt und eine große Spendenbereitschaft ausgelöst. Jetzt hatte der Vorsitzende des Diözesan-­Caritasverbandes, Domkapitular Dr. Thomas Witt, Gelegenheit zu einem Gegenbesuch in Syrien. Ziele der Reise waren Damaskus und das christliche Bergdorf Maalula nordöstlich der Hauptstadt, wo nach der Befreiung von der Schreckensherrschaft islamistischer Dschihadisten die Menschen versuchen, sich eine Lebensperspektive zu schaffen – auch mithilfe der Schwestern von Jesus und Maria.

„Es geht in Maalula vor allem darum, den Bewohnern wieder Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen“, betont Dr. Witt, der zugleich Beauftragter für Flüchtlingsfragen im Erzbistum Paderborn ist. Ein erster Ansatz ist in Maalula ein vielversprechendes Projekt der Ordensgemeinschaft für rund 30 Frauen des Dorfes. Diese haben begonnen, Unterwäsche zu nähen und zu verkaufen. „Die Initiative braucht einen erneuten Anschub, da zurzeit kein Material zur Verarbeitung da ist. Um dies zu beschaffen, fehlt aber das nötige Geld“, erläutert Witt.

Während in Maalula schon langfristig gedacht wird, muss in Aleppo noch weiterhin pure Überlebenshilfe geleistet werden. „Die Menschen wissen nicht, wie sie Lebensmittel oder Strom bezahlen können“, so Schwester Annie. Noch sind erhebliche Hilfen von außen erforderlich, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Dieser tägliche Kampf ums Überleben hat die syrische Gesellschaft verändert. Weil viele Männer ins Ausland geflüchtet sind, müssen häufig Frauen für den Lebensunterhalt sorgen, was früher eher unüblich war. „Damit bleiben auch Kinder allein zu Hause zurück“, sagt Schwester Annie. In Damaskus sollen daher Mütter die Chance haben, ihre Kinder tagsüber in einem Kindergarten betreuen zu lassen.

In dem von der Ordensgemeinschaft erworbenen Haus im christlichen Altstadtviertel soll außerdem ein Wohnheim für Studentinnen untergebracht werden. Das marode Gebäude musste allerdings grundlegend renoviert werden. Dieses Projekt wurde unter anderem auch vom Erzbistum Paderborn unterstützt. „Viele Christen sind aus diesem geschichtsträchtigen Viertel, das die Erinnerung an den Apostel Paulus bewahrt, leider weggezogen“, beklagt der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes. „Der Kauf des Hauses soll auch ein Signal der Hoffnung für die Christen in Damaskus sein.“

Immerhin sind rund 15 Prozent der rund zwei Millionen Einwohner der Hauptstadt Christen. Das Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit sei traditionell von gegenseitigem Respekt geprägt. Auch der Staat fördere diese friedliche Koexistenz. Der im Westen gescholtene Machthaber Assad, der sicher ein problematischer Diktator sei, sorge aber zum Beispiel dafür, dass Moscheen und Kirchen gleichermaßen kostenlosen Strom erhalten. „Für viele Christen ist Assad das kleinere Übel“, meint Domkapitular Witt. Sollte der Machthaber, wie im Westen gefordert, verschwinden, wird es nach Ansicht mancher Gesprächspartner zu einem Massenexodus der Christen aus Syrien kommen.

Solche Szenarien seien zurzeit nicht erkennbar, gerade in Damaskus erinnere wenig an den Krieg. Bisweilen seien vereinzelte Explosionen in der Ferne zu hören, die Fensterscheiben zum Vibrieren brächten. „Was den Besucher vielleicht beunruhigt, ist für die Bewohner kaum noch ein Grund, aufzublicken“.

Faszinierend ist für Dr. Witt, dass die orientalische Gastfreundschaft nicht gelitten hat. Bei einem Besuch am Grab des heiligen Johannes des Täufers in der Umayyaden-Moschee, das auch von Muslimen verehrt wird, beteten die Besucher aus Deutschland in einer Nische vor dem Grab in aller Stille den Rosenkranz. „Als wir auf dem Boden, der wie in allen Moscheen mit Teppich ausgelegt ist, an einer Säule saßen, dauerte es nicht lange und man brachte uns weiche Sitzkissen, damit wir bequemer sitzen konnten. Das hat uns doch überrascht.“

Für die Nothilfe der Schwestern Jesu und Mariens in Aleppo sowie die Aufbauhilfe in Maalula stellte der Diözesan-­Caritasverband Paderborn jetzt weitere 30 000 Euro bereit, ergänzend zu 50 000 Euro, die Erzbischof Hans-Josef Becker aus dem Katastrophenfonds des Erzbistums Paderborn zusagte. Der Diözesan-Caritasverband und das Erzbistum Paderborn hatten zuvor die Hilfsaktionen der Schwestern Jesu und Mariens seit 2016 bereits mit 239 000 Euro unterstützt.

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