Keine Angst vor „dicken Brettern“

Kolping-Bildungswerk diskutierte „Arbeit im Wandel – wer nimmt die benachteiligten Menschen mit?“

Paderborn. Das Kolping-Bildungswerk Paderborn wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Zum einen ein Grund zum Feiern, angesichts der rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungswesen aber auch der passende Zeitpunkt, um über die eigene Rolle und die Zukunftsaufgaben nachzudenken. Das Bildungswerk tut dies im Jubiläumsjahr mit drei Fachtagungen. Die erste befasste sich im Paderborner Hotel Aspethera mit der Frage, wie benachteiligte Menschen auch in den kommenden Jahren eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben können.

Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn (l.) begrüßte Staatssekretär Thorsten Klute, Marina Kronemann vom Zen­tralverband des Deutschen Handwerkes, Thomas Friedrich, Bereichsleiter Produktentwicklung der Bundesagentur für Arbeit, und den stellvertretenden Landrat des Kreises Paderborn, Vinzenz Heggen (v. l.). Foto: Wiedenhaus

 

von Andreas Wiedenhaus

Es ging um Flüchtlinge – kein Wunder, denn die Vermittlung derjenigen Menschen in den Arbeitsmarkt, die vor allem in den vergangenen eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen sind, zeigt sich aktuell als gesellschaftliche „Mammutaufgabe“. Dass sie nur gelingen kann, wenn Politik, Verwaltung sowie Industrie und Handwerk eng kooperieren, machten der einleitende Vortrag und die anschließende Diskussion deutlich.

Thomas Friedrich, Bereichsleiter Produktentwicklung der Bundesagentur für Arbeit (BA), stellte zu Beginn die aktuellen Maßnahmen der BA zur Qualifizierung und Integration der Flüchtlinge vor. Der zentrale Schlüssel, um Flüchtlinge wirklich „fit zu machen“ für den Arbeitsmarkt, liegt laut Friedrich in einer engen Verzahnung von „sprachlicher und beruflicher Qualifizierung“. Grundlage sei, dass sich die „Akteure vor Ort“ zusammenfänden: Jobcenter und Arbeitgeber sowie Bildungsträger. Gerade das Kolping-Bildungswerk mache in diesem Zusammenhang einen „guten Job“: Auf solche zuverlässigen und werteorientierten Partner komme es an, lobte der BA-Bereichsleiter.

Dass es gerade bei jungen Flüchtlingen nicht immer einfach sei, sie vom Wert einer fundierten Ausbildung zu überzeugen, gestand Friedrich in diesem Zusammenhang ein: „Viele wollen schnell Geld verdienen.“ Sie vom Wert einer Berufsausbildung zu überzeugen, sei Teil eines manchmal mühsamen Weges. Doch es lohne sich auf jeden Fall, „dicke Bretter zu bohren“.

In seiner grundsätzlich optimistischen Einschätzung bekam Friedrich Unterstützung von Politik und Handwerk: Thorsten Klute, Staatssekretär für Integration im NRW-­Arbeitsministerium, und Marina Kronemann vom Zentralverband des Deutschen Handwerkes teilten diese Sicht: Für Klute ist die gesellschaftliche Integration auf einem guten Weg.

Marina Kronemann sieht das Handwerk für die sich stellenden Aufgaben gut gerüstet, ohne dabei zum einen in Euphorie zu verfallen und zum anderen die hohe Qualität der Ausbildung in Deutschland verteidigend: Eine Teilqualifizierung könne in manchen Fällen sinnvoll sein, müsse aber die Ausnahme bleiben.

Flüchtlinge standen bei der Fachtagung im Fokus. Andere Gruppen benachteiligter Menschen blieben aber nicht „außen vor“. Darauf wiesen neben dem stellvertretenden Landrat des Kreises Paderborn, Vinzenz Heggen, der in seinem Grußwort die Inklusion betonte, weitere Teilnehmer hin. Mit Blick auf die rund 300 000 Langzeitarbeitslosen in NRW betonte Staatssekretär Klute, sie dürften ebenso wie andere Benachteiligte nicht auf der Strecke bleiben. Klute: „Das darf nicht geschehen, und es geschieht auch nicht!“

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