Keine Angst vor sachlicher Kritik

Libori-Landvolkkundgebung: Vizepräsident des Bauernverbandes sieht auch Landwirte in der Pflicht

Foto: Radka Schöne / pixelio

 

Paderborn. Auf der einen Seite unverzichtbar, auf der anderen oft kritisiert und manches Mal angefeindet – Bauern haben es nicht leicht. Anhaltender wirtschaftlicher und politischer Druck sowie ein Bild in der Öffentlichkeit, das mit der Realität meist nur wenig zu tun hat, sorgen dafür, dass Diskussionen über Landwirtschaft häufig die sachliche Grundlage fehlt.

von Andreas Wiedenhaus

Ideen zur Lösung dieses Konfliktes gab es bei der diesjährigen Landvolkkundgebung zu Libori in der Paderborner Schützenhalle: „Bauern in der Kritik – was wir wirklich falsch machen“ hatte Festredner Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), seinen Beitrag überschrieben. Schwarz plädierte dabei für eine realistische Sichtweise und gab einige Einblicke in die aktuelle Situation der Landwirte – in seiner Rolle als Verbandsvertreter genauso wie als Praktiker mit eigenem Hof.

„Bauern leben von der Natur und deshalb auch mit ihr. Natur ist nicht statisch, sie verändert sich beständig. Auch wir Landwirte müssen uns deshalb ändern, wenn wir auf Dauer Erfolg haben wollen“, machte Schwarz zu Beginn seiner Rede klar. Wichtig sei dabei ein gutes Management. „Landwirtschaft ist existenziell“, fuhr der DBV-­Vizepräsident fort. Landwirte würden vielfältige Mittel zum Leben erzeugen, nicht nur Nahrungsmittel.

Kritik an der Landwirtschaft beziehe sich auf negative Umweltauswirkungen und einen nicht ausreichenden Tier- und Naturschutz. „Ich sage deutlich: Es gibt berechtigte Kritik und wir sind gut beraten, diese ernst zu nehmen“, bekräftigte der DBV-Vizepräsident. Er sei immer noch fest davon überzeugt: Es gebe keinen schöneren Beruf als den des Landwirtes. „Aber viele Landwirte zweifeln, ob sie diesen Beruf ihren Kindern noch empfehlen können. Denn niemand wird Landwirt, um sich nach der Arbeit auf dem Hof noch in Verwaltungsarbeit zu verlieren und dann in den Medien nur Kritik zu lesen.“

Derzeit werde das Bild des landwirtschaftlichen Berufsstandes von dessen Kritikern gezeichnet: „Weil wir selber den Pinsel schon lange beiseitegelegt haben. Das heißt, dass das Bild der Landwirtschaft sich derzeit massiv von unserem Selbstbild unterscheidet. Und das heißt: Machen wir etwas gut, sollten wir das zeigen. Machen wir etwas nicht gut, sollten wir es verändern. Lassen Sie uns deshalb nicht allein auf die Zwänge hinweisen, die uns bedrücken, sondern auf die Freude, die unser Beruf macht“, rief Werner Schwarz insbesondere den anwesenden jungen Landwirten zu. „Trotz aller Kritik gehören wir immer noch einem angesehenen Berufsstand zu, weil unser Beruf lebensnotwendig für unsere Mitbürger ist. Man vertraut uns, tun Sie es auch, wir sind es wert!“

Auf die gemeinsame Schöpfungsverantwortung wies Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort hin: „Uns muss es gelingen, mit den Ressourcen unserer Erde so umzugehen, dass wir heute alle gut ernährt werden können und dass morgen die nächsten Generationen eine lebenswerte Umwelt vorfinden!“ Dazu sei ein nachhaltiger Lebensstil notwendig. Doch damit sei es häufig nicht weit her, wenn von Qualität und „Wert“ gesprochen, beim Einkauf aber das „preisgünstigste“ Produkt bevorzugt werde.

Mit Blick auf die Kritik an der Landwirtschaft sprach er sich für einen Dialog von Verbrauchern, Tierschützern, Landwirten, Kirchenvertretern und Politikern aus. Ansätze wie die Veranstaltung „Ethik in der Nutztierhaltung“ im vergangenen Jahr in der katholischen Landvolkshochschule in Hardehausen gingen in die richtige Richtung, doch sie seien noch klein: „Selbstkritisch wollen wir uns vornehmen, uns mehr in diesen gesellschaftlichen Dialog einzubringen, Gesprächsplattformen anzubieten.“ Laut Becker ein „schwieriges, aber notwendiges Unterfangen“.

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