Kirchliches Leben heute ist bunt

Mitarbeitertreffen des Dekanates Unna in Zeiten der „kopernikanischen Wende“

Schwerte. Die eingeblendete Szene aus dem Silvester-­Klassiker „Dinner for One“ rief bei vielen Gästen in der Katholischen Akademie zuerst ein Schmunzeln und dann auch ein Nachdenken hervor. Sie stellten sich nämlich die Frage, was Miss Sophie und ihr Butler, die auf der Leinwand zu sehen waren, dem Treffen von Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Dekanat Unna zu sagen hatten.

Die beiden Hauptreferenten der Veranstaltung: Christian Henneke (links) und Dechant Paul Mandelkow. Foto: Körner

 

von Theo Körner

Die Auflösung ließ nicht lange auf sich warten, als Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim, auf die wohlbekannte Frage aus dem Sketch zu sprechen kam: „The same procedere as last year?“ (Dieselbe Prozedur wie letztes Jahr?) Denn, so führte der Theologe in seinem Gastvortrag aus, ob salopp übersetzt, alles beim Alten bleiben soll, bewege auch die katholische Kirche in diesen Zeiten.

Die aktuelle Situation brachte er mit mehreren Schlaglichtern zum Ausdruck: Die bislang üblichen Strukturen eines Gemeindelebens brechen auf, die Zahl der Pfarrer und Gemeindereferenten geht drastisch zurück, nur noch eine geringe Minderheit beteiligt sich an kirchlichem Leben.

Für Hennecke hat die „kopernikanische Wende“ begonnen, die man aber in ihrer eigentlichen Bedeutung richtig deuten müsse. Nicht mehr die Gemeinde als solche stehe im Mittelpunkt der Kirche, sondern vielmehr entschieden sich die Menschen nun für ganz unterschiedliche Gruppen und Gemeinschaften, um dort ihr Glaubensverständnis zum Ausdruck zu bringen. Diese anderen Wege gelte es anzunehmen und ebenso als Form von kirchlichem Dasein zu sehen.

Im Bistum Hildesheim habe ein Überlegungsprozess begonnen, welche Aufgaben Gemeinden in Zukunft noch haben sollen, führte Hennecke aus. Dabei zeige sich schon gleich zu Beginn, dass es nicht eine Summe an Aktionen sein könne, die das Leben einer Pfarrei und damit auch die Kirche in ihrem Erscheinungsbild ausmache. Stattdessen solle der Vielfalt Rechnung getragen werden, wie Menschen zum Glauben finden und ihn gestalten.

Mit solchen Formen von Veränderungen befasse sich aber nicht nur ein Bistum wie Hildesheim, erklärte der Referent. Diese Themen stünden auch auf der Agenda von Kirchen in benachbarten Ländern wie Frankreich und England, wie er aus Gesprächen mit dortigen Seelsorgern und Laien wisse.

Der Wandel, der nun die Kirchen erreicht habe, begann nach Worten von Hennecke aber nicht erst vor wenigen Jahren, sondern zeichnete sich bereits nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Auch damals habe es verschiedene Weisen gegeben, Kirche und eigenes Christsein zu gestalten. Es sei aber in heutiger Zeit nicht angesagt, den Blick rückwärts und in die Vergangenheit zu richten. Vielmehr komme es nun darauf an, nach vorn zu blicken und sich damit zu befassen, wie sich Kirche sehen und definieren will. Zu den Wesensmerkmalen, betonte der Referent, gehöre zweifellos, dass Glaube durch Beziehungen gelebt werde. Wenn man im Übrigen heute von Krise spreche, dann reiche ein Blick in die Bibel, um zu verstehen, dass Glaube immer wieder Krisen unterworfen sei.

Das Dekanat habe Christian Hennecke insbesondere eingeladen, um neue Impulse für die Arbeit zu erhalten, erklärte Dechant Paul Mandelkow. Neuaufbrüche in der Kirche als Chance zu verstehen und als Reaktion auf eine sich verändernde Gesellschaft, das seien entscheidende Akzente, die der Gast aus Hildesheim mit seinem Vortrag setzen wolle, ergänzte der Geistliche.

Um aber nicht nur darüber zu reden, sondern auch konkrete Beispiele zu erleben, hatten die Organisatoren, so Mandelkow, zum Teil noch recht junge, in der Mehrzahl charismatisch ausgerichtete Initiativen in die Veranstaltung eingebunden, die ihre Wege von Glauben, Gebet und Meditation darstellten. Auf diese Weise solle auch exem­plarisch gezeigt werden, dass neben den zahlreichen Vereinen und Verbänden im kirchlichen Raum noch eine Vielzahl weiterer Bewegungen und Gruppen bestehen. Die Menschen, die dorthin gehen, erläuterte Hennecke, kommen allerdings kaum in einen sonntäglichen Gottesdienst, seien aber sehr wohl Teil der Kirche.

Den ganzenText mit weiteren Fotos finden Sie in der Print-Ausgabe des Dom Nr. 19 vom 13. Mai 2018, S. 27 und 28.

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