Lernen, dass man etwas kann

Bernhard Eder, Trainer für bürgerschaftliches Engagement, über ältere Menschen im Ehrenamt

Hardehausen. Bernhard Eder ist Referent im Bereich Bildungsarbeit für aktive ältere Menschen der Landvolkshochschule und Trainer für bürgerschaftliches Engagement. Er hat auch die Fortbildung „Fit für neue Impulse im ehrenamtlichen Engagement“ geleitet. „Der DOM“ sprach mit ihm über das Engagement älterer Menschen und die nötigen Voraussetzungen.

Voller Ideen und Tatkraft: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses "Fit für neue Impulse im ehrenamtlichen Engagement" haben vieles für Theorie und Praxis aus Hardehausen mitgenommen. Foto: Wiedenhaus

 

von Andreas Wiedenhaus

DOM: Sind ältere Menschen heute motivierter oder einfach fitter, um sich zu engagieren?

Bernhard Eder: Die Motivation, sich zu engagieren, hat sich gewandelt. Früher stand eher eine altruistische Motivation im Vordergrund, also die Idee, etwas für andere zu tun – sicherlich auch aus dem Glauben heraus. Heute kommt ein weiterer Aspekt dazu; nämlich der, zwar etwas für andere zu leisten, aber gleichzeitig mit dem Engagement auch etwas für sich selbst zu tun. Die Menschen, die sich heute engagieren, tun das mit dem Bewusstsein, dass andere vom Einsatz profitieren, aber man selbst eben auch.

Man opfert sich heute also nicht mehr auf für andere?

Dieser Gedanke ist nicht ganz verschwunden, aber heute ist es allgemein akzeptiert, auch das eigene Wohlergehen im Blick zu haben.

Gibt es denn Bereiche, in denen ältere Menschen heute besonders aktiv sind?

Nach meinen Erfahrungen lässt sich das nicht eingrenzen, ältere Menschen sind überall aktiv. Eventuell gibt es im Bereich der Neuen Medien einen gewissen Vorsprung der jüngeren Generation, aber pauschal kann man das nicht sagen. Wichtiger sind nach meinem Dafürhalten die geschlechterspezifischen Unterschiede: Überall da, wo ein Engagement mit einem Amt verbunden ist, sind gerne Männer aktiv. Gewissermaßen da, wo das Ehrenamt im Sinne des Wortes ein „Amt mit Ehre“ beinhaltet, findet man eher Männer. Ein Beispiel sind hier die kommunalen Senioren-Beiräte, die es in vielen Kommunen gibt: Vorstands­ämter werden hier in der Regel von Männern übernommen.

Welche Infrastruktur braucht es, um das Engagement von älteren Menschen zu fördern? Etwa mit Blick auf Städte und Gemeinden?

Diesen kann man nur raten, aktuell möglichst viel in die Engagement-Förderung zu investieren, was Zeit und andere Ressourcen wie etwa Geld betrifft. Solche Investitionen zahlen sich in jedem Fall aus, denn das, was man einsetzt, bekommt man auf jeden Fall vielfach zurück! Wir sprechen heute so viel von Nachhaltigkeit, in diesem Bereich kann man sehen, was das konkret bedeutet: Wer heute gerade das Ehrenamt älterer Menschen fördert durch Begleitung oder Weiterbildungen, investiert in die Zukunft!

Wie sieht so eine Struktur im Idealfall konkret aus?

Zentral ist eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner! Die Erfahrung ist, dass ehrenamtlicher Einsatz dann gut funktioniert, wenn es eine hauptamtliche, professionelle Begleitung gibt. Diese steht im Idealfall mit Rat und Tat oder wichtigen Informationen zur Seite; ganz konkret zum Beispiel bei Versicherungsfragen. Wobei man feststellen kann, dass schon sehr viel Infrastruktur vorhanden ist, in zahlreichen Kommunen oder Kreisen gibt es Freiwilligen-­Agenturen oder Ehrenamts-­Börsen.

Mit entsprechenden positiven Effekten?

Auf jeden Fall: Da, wo es die entsprechende Begleitung gibt, ist auch das ehrenamtliche Engagement ausgeprägter!

Worauf legt die Landvolkshochschule bei ihren Angeboten für ältere Menschen im Ehrenamt besonderen Wert?

Wichtig ist allen Beteiligten eine wertschätzende Atmos-
phäre und Offenheit. Für mich persönlich heißt das, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer wissen soll, dass sie oder er unabhängig von seinen Leistungen oder seinem Einsatz im Kurs wertgeschätzt wird. Weiterhin sollen Inhalte und Methoden in den Kursen passgenau zugeschnitten sein auf das Engagement der Teilnehmenden. Drittens sollen die Frauen und Männer in den Kursen die Erfahrung machen, dass sie etwas vermögen, etwas bewirken können! Kommunikation ist hier ein zentrales Thema: Es werden zum Beispiel Kommunikations-Situationen geprobt, wie sie im Bereich des ehrenamtlichen Engagements vorkommen; etwa wenn es um die Präsentation einer Idee oder eines Projektes geht.

Wer sich beispielsweise in der kommunalen Senioren-Vertretung einsetzt, bewegt sich auf dem politischen Parkett. Da weht manchmal ein rauer Wind, und man muss lernen, kommunikativ zu bestehen in schwierigen Situationen. Wer gemerkt hat, „Ich kann reden!“ tritt natürlich viel selbstbewusster auf. Die Erfahrung aus dem Kurs, überzeugend zu sein, hilft ganz konkret in der Praxis. Ein anderes Thema, das wir ganz praktisch angehen, ist die Öffentlichkeitsarbeit: Wie macht man einen Flyer, wie verfasst man eine Pressemitteilung? Es werden konkrete Textentwürfe erstellt. Beispielsweise kamen in einem Kurs Engagierte in einem Landfrauenverein mit vielfältigen Ideen für den Text für den Flyer für ihre Organisation nach Hause.

Was raten Sie älteren Menschen, die sich engagieren wollen, aber nicht so recht wissen, wie oder wo?

Man kann sich zum Beispiel an eine Organisation wenden wie die Caritas-Konferenzen in der katholischen Kirche: Ansprechpartner direkt vor Ort helfen weiter. Freiwilligen-­Agenturen oder Ehrenamts-­Börsen auf kommunaler Ebene sind genauso zu nennen wie auch Senioren-Büros. Grundsätzlich sollte man zuerst überlegen, in welchem Bereich man etwas machen möchte. Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Zugänge: Die einen haben eine konkrete Idee, die sie umsetzen möchten, und suchen eine Möglichkeit zur Realisierung. Die anderen sind bereit, sich einzusetzen und wenden sich an eine Organisation, bei der sie erfahren, was „anliegt“. Die Überlegung, welchen Ansatz man wählt, sollte am Anfang stehen!

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel