Meinen Frieden finden

Das Paderborner Bonifatiuswerk veranstaltete großes Podium auf dem Katholikentag

Das Podium „Meinen Frieden finden – Glauben und Zweifeln nach persönlichen Krisen“, zu dem Monsignore Georg Austen (li.) begrüßte, fand in Anlehnung an das Leitmotiv des Katholikentages „Suche Frieden“ statt. Foto: Bonifatiuswerk

 

Münster. Wie kann ich nach Schicksalsschlägen oder persönlichen Krisen meinen Weg zum inneren Frieden wiederfinden? Dieser Frage haben sich neben dem emeritierten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der ehemalige Manager Thomas Middelhoff, Gisela Mayer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, Pater Dr. Anselm Grün und die Autorin Maike van den Boom im Rahmen eines großen Podiums des Paderborner Bonifatiuswerkes auf dem Katholikentag in Münster gewidmet. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Krause aus Aachen.

Im vollbesetzten Hörsaal der Westfälischen Wilhelms-Universität begrüßte der Generalsekretär des Bonifatuswerkes, Monsignore Georg Austen, die Podiumsgäste, die „oft selber leidvolle Erfahrungen mit sich selbst, mit den anderen und vielleicht auch mit Gott machen mussten, um ihr persönliches Lebensglück zu finden und zum Glück und Frieden anderer beizutragen.“

Auf eindringliche Weise erzählte der emeritierte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch aus Freiburg, der im heutigen Serbien geboren wurde, über die gewaltsame Vertreibung während des Zweiten Weltkrieges. Sein sechzehnjähriger Bruder wurde vor seinen Augen erschossen.

Noch heute höre er die Schüsse, doch er habe dieses Schicksal als Teil seines Lebens angenommen. „Es waren die Kraft des Glaubens und die mich begleitenden Menschen, die mir geholfen haben, meinen Weg zu gehen,“ sagte der ehemalige Erzbischof von Freiburg.

Er selber spreche nicht über Schuld, sondern für ihn sei der Blick auf die Versöhnung und die Zukunft wichtig.

Einen persönlichen Zugang zur Versöhnung hat auch Gisela Mayer vom „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden – Stiftung gegen Gewalt an Schulen“ gefunden. Doch bis sie an diesen Punkt kam, musste sie einen steinigen Weg hinter sich legen, denn es war für sie ein „Weltuntergang“ als sie erfahren musste, dass ihre Tochter Nina an der Albertville-Realschule in Winnenden am 11. März 2009 von einem jugendlichen Amokläufer getötet wurde.

„Ich habe wortwörtlich den Boden unter den Füßen verloren“, so Mayer. Lange habe sie versucht, das Geschehene als Naturkatastrophe einzuordnen, denn „ich konnte nicht ertragen, dass das ein Menschenwerk war“.

Doch je mehr sie den Täter als Menschen sehen konnte, wurde ihr Schmerz gemildert. „Als ich erkannt habe, in welchem Hass er war und ihm dadurch sozusagen das Leben verwehrt war, konnte ich Mitleid empfinden und auch meinen eigenen Frieden finden.“

Zum inneren Frieden und zum Glauben hat auch der ehemalige Top-Manager Dr. Thomas Middelhoff gefunden. Auf die Chef-Etagen der Großkonzerne folgte für ihn eine Zeit im Gefängnis.

Dort ist er nach einigen Jahrzehnten wieder zur Beichte gegangen und auch darüber hinaus hat er in einem Le­bens­abschnitt, in dem ihm so viel genommen wurde, immer mehr zum Glauben zurückgefunden.

Middelhoff, der aus einem konservativen katholischen Elternhaus stammt, habe wieder angefangen, in der Bibel zu lesen und den Rosenkranz zu beten: „Je mehr mir genommen wurde, umso freier habe ich mich irgendwann gefühlt. Ich war vorher nicht ich selbst, ich war ein gehetzter Mensch, der vor sich selbst davongelaufen ist.“

Nach diesen sehr persönlichen Zeugnissen, betonte Pater Dr. Anselm Grün in einem eigenen Impuls, dass Krisen auch immer als eine Chance betrachtet werden können, um eine neue Qualität des Lebens zu leben. „Man muss die Freiheit behalten, um auf Krisen zu antworten und nicht in der Opferrolle zu verharren“, sagte der klösterliche Bestsellerautor. Dabei würden die Worte der Bibel als Hoffnungsbilder helfen.

Im Austausch mit der Autorin und Glücksforscherin Maike van den Boom stellte Pater Dr. Anselm Grün heraus, dass Friede Versöhnung und Aussöhnung brauche. „Das Aussöhnen, mit dem, was ich erlebt habe und auch mit den Menschen, ist sehr wichtig, denn das negative Gefühl, das sich nicht auflösen lässt, kann nicht glücklich machen“, bekräftigte die Autorin van den Boom.

VIele weitere Berichte über den 101. Katholikentag finden Sie in der Print-Ausgabe des DOM Nr. 20.

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