Mission bleibt Auftrag der Kirche

Weihbischof König: „Armut ist in den jungen Kirchen das größte Problem“

Weihbischof Matthias König ist Bischofsvikar für Aufgaben der Weltkirche und Weltmission im Erzbistum Paderborn sowie Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die deutschsprachige Seelsorge im Ausland. Im Interview mit Matthias Nückel nimmt Weihbischof König zum Weltmissionssonntag Stellung.

Weihbischof Matthias König (Foto: pdp)

 

 

Frage: Herr Weihbischof König, Mission ist für viele Menschen heute ein überholter Begriff. Warum ist der Weltmissionssonntag gleichwohl noch wichtig?

Antwort: Mission ist und bleibt ein Wesensauftrag der Kirche. Am Ende des Matthäusevangeliums gibt Jesus den Jüngern den Auftrag: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ (Mt 28,19)

Weil er in seiner Person die letzte und größte Offenbarung Gottes an die Menschen ist und allen das Heil anbietet, darum dürfen wir Christen uns nicht zurückhalten, sondern müssen durch unser Beispiel und durch die Verkündigung die Botschaft Jesu immer neu in die Welt tragen. Papst Franziskus wird dabei ein markantes Wort zugeschrieben: „Verkündet das Evangelium! Wenn nötig mit Worten.“

 

Frage: Als Bischofsvikar für Aufgaben der Weltkirche und Weltmission im Erzbistum Paderborn sowie als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die deutschsprachige Seelsorge im Ausland besuchen Sie auch Kirchen im Ausland. Wo sind die drängendsten Probleme der jungen Kirchen in der sogenannten Dritten Welt?

Antwort: Mir scheint das drängendste Problem fast überall die Armut zu sein. Viele Bischöfe aus diesen Ländern müssen jedes Jahr in den reichen Teil der Welt reisen, um dort Mittel für die Aufgaben der Kirche in ihrem Bereich zu erbitten. Sie kommen vor allem nach Deutschland zu den kirchlichen Hilfswerken, die es in dieser Zahl und Konzentration kaum anderswo in der Welt gibt. Aber dann besuchen sie auch die Diözesen, die viel für die Ortskirchen auf anderen Kontinenten tun. Köln und Rottenburg-Stuttgart haben eigene weltkirchliche Abteilungen, aber subjektiv habe ich den Eindruck, dass Paderborn ziemlich bald dahinter folgt und für seine großherzige Hilfe überall sehr geschätzt wird.

„Geld“ ist ein Stichwort, das auch für die weiteren Probleme in vielen armen Ländern steht. Denn Korruption ist das Übel, das dort vieles hemmt und lähmt. Wenn all die staatlichen Entwicklungsgelder dort ankämen, wo sie bitter nötig sind, sähe es an vielen Stellen ganz anders aus.

Die Kirche hat den Vorteil, überall verlässliche Partner zu haben, sozusagen die „eigenen Leute“. Zudem haben die Hilfswerke, die ja Spenden nur verwalten und weitergeben und den Spendern darum zur genauen Rechenschaft verpflichtet sind, ein effektives System der Überprüfung und Auswertung an der Hand, um zu verhindern, dass Hilfe von hier fehlgeleitet und zweck­entfremdet wird.

 

Frage: Christen sind die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft in der Welt. Was wünschen Sie sich von der Politik an Schutzmaßnahmen?

Antwort: Im Gespräch mit Politikern merkt man, dass die Tatsachen alle bekannt sind. Ohne dass die Öffentlichkeit das immer sofort mitbekommt, geschieht viel, um auch den verfolgten Christen Hilfe zukommen zu lassen. Dieses diskrete Vorgehen verhindert, dass ein zu lautstarkes Anprangern genau denen schadet, denen es eigentlich nützen soll.

Auf der anderen Seite sind wir bei uns mittlerweile so politisch korrekt, dass immer nur allgemein von „Verfolgten“ gesprochen wird, aber geflissentlich verschwiegen wird, dass es in großer Zahl unsere christlichen Brüder und Schwestern sind, die leiden.

Die Politik tut viel – zumindest bei uns in Deutschland. Doch wie immer und überall könnte es noch mehr sein.

Die Kirche ist dabei ein wichtiger Ansprechpartner, denn sie hat den unmittelbaren Kontakt zu den Betroffenen und kann aus erster Hand berichten.

 

Frage: Mission – so heißt es immer wieder – ist keine Einbahnstraße. Was können wir von den jungen Kirchen lernen?

Antwort: Wer einmal in anderen Kulturkreisen war und die Kirche dort erlebt hat, ist beeindruckt und begeistert davon, wie jung Kirche dort ist. Die Freude an der gottesdienstlichen Feier berührt, die Begeisterung reißt mit. Dazu kommt die Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen in vielen Ländern ihren Glauben leben und ihn auch nach außen hin zeigen.

Wir senden ja jedes Jahr einige Dutzend „Missionare und innen auf Zeit“ (MaZ) aus. Viele kommen mit einer neuen Sicht auf die Kirche zurück und bringen sich von da an auch bei uns ein.

Dazu haben wir seit Jahren eine beträchtliche Zahl von MaZ aus anderen Kontinenten bei uns im Erzbistum. Sie halten uns manchmal – vorsichtig und wohlwollend – einen Spiegel vor und lassen uns die Kirche und das kirchliche Leben aus ihrer Perspektive einmal ganz anders betrachten. Das hilft gerade jetzt, wo unser Zukunftsbild das Neue bewusst und zuversichtlich vo­ranbringen will. Caritas und Weltverantwortung ist ja innerhalb des Zukunftsbildes ein wichtiger Bereich, zu dem uns die Kirchen anderer Kontinente manche Anstöße geben können.

 

 

Im Bonifatius Verlag ist jetzt ein von Weihbischof König herausgegebenes Buch erschienen: Alles ist Geschenk. Missionare erzählen vom Alltag in ihren Gemeinden. Hier geht es zur Buchseite des Verlages.

 

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