Mit „himmlischem“ Engagement

72-Stunden-Aktion im Erzbistum: Über 6 000 Kinder und Jugendliche in 200 Gruppen beteiligten sich

Start in ein gemeinsames Wochenende: Jugendliche aus dem St.-Aegidius-­Jugendhaus in Wiedenbrück und Bewohner des Altenheimes der Gemeinde haben sich zum Abendessen verabredet. Foto: Wiedenhaus

 

Erzbistum. Um 17.07 Uhr war „Feierabend“: Die bundesweite Abschlussveranstaltung in Hamm setzte am vergangenen Sonntag den Schlusspunkt unter die 72-Stunden-Aktion des BDKJ. Zuvor hatten Tausende Kinder und Jugendliche überall in Deutschland unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ rund 3 400 soziale, politische und ökologische Projekte umgesetzt. Allein im Erzbistum Paderborn gab es mehr als 200 Gruppen mit über 6 000 Aktiven.

von Andreas Wiedenhaus

So viel dürfte auf dem Friedhof des Rietberger Ortsteiles Neuenkirchen schon lange nicht mehr los gewesen sein. Überall sind Kinder und Jugendliche bei der Arbeit. Es wird geharkt, gegraben, Unkraut gezupft. Sogar „schweres Gerät“ ist im Einsatz: Auf einem bewaldeten Abschnitt des Friedhofes schlagen ein Bagger und ein Radlader eine Schneise. Dort soll ein kleiner Friedwald für Bestattungen unter Bäumen entstehen.

30 Tonnen Schotter, 15 Kubikmeter Rindenmulch, 75 Zypressen – die KjG Neuenkirchen hat sich für das Wochenende einiges vorgenommen. „Wir wollen abgesehen vom Friedwäldchen auch noch einige Wasserstellen umgestalten und eine ganze Reihe von nicht mehr genutzten Grabstellen vom Unkraut befreien sowie sechs neue Bänke aufstellen“, erläutert Niklas Kleinewietfeld vom Leitungsteam das Vorhaben.

Daran, dass sie das schaffen, zweifeln die Aktiven keinen Augenblick. „Alles ist bis ins Detail geplant und vorbereitet“, ist Marc Rehkämper optimistisch. Die KjGler hatten frühzeitig zahlreiche Firmen angesprochen und so entsprechende Sponsoren gefunden. „Die Unterstützung ist riesig“, freuen sich Mitglieder des Leitungsteams. Bürgermeister Andreas Sunder hat neben anerkennenden Worten auch einen Scheck mitgebracht, als er die Gruppe am Freitagnachmittag besucht. Schon zum Start der Aktion hatte der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer vorbeigeschaut.

Anerkennung gibt es aber nicht nur von der Politik. „Leute kommen und bringen Süßigkeiten oder auch Geld­spenden“, erzählt Julia Witt­reck von viel positiver Resonanz. „Toll, was ihr hier auf die Beine stellt!“ – das Lob einer Friedhofsbesucherin steht stellvertretend für die Anerkennung, die die Aktion findet.

Das Werkzeug ist kleiner, aber der Einsatz ist genauso groß. Im Pfarrheim der St. Viter Kirchengemeinde wird gebohrt, gesägt und geschliffen. Messdiener aus St. Vit und Langenberg sowie die dortige KjG haben sich ein ökologisches Projekt vorgenommen. Insektenhotels sollen gebaut werden.

Damit die Tiere in die neuen Behausungen auch wirklich einziehen, haben sich die Initiatoren fachlichen Rat gesichert. Elmar Gottszky von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh erklärt, was wichtig ist: „Die Tiere sind nicht anspruchsvoll, aber einige Regeln sollte man beachten. Zum Beispiel darf man nur Hartholz wie zum Beispiel Eiche verwenden.“

Entsprechend „gebrieft“ machen sich die Kinder und Jugendlichen an die Arbeit. Überall sind fleißige Hände am Werk, damit sich Wildbienen und Co. auch wirklich wohlfühlen.

Die Unterbringung ist das eine, Nahrung das andere. Um den Tieren auch in dieser Hinsicht zu helfen, werden auf dem alten Friedhof im Schatten der Kirche Blumen ausgesät. Außerdem haben die Kinder und Jugendlichen Blumensamen in kleine selbst bemalte Tüten verpackt. Die sollen auf dem Wochenmarkt verteilt werden.

Während in Neuenkirchen und St. Vit die Arbeiten gut vorangehen, bereiten sich die Bewohner des Aegidius-Altenheimes in Wiedenbrück auf ein interessantes Wochenende vor. Die Besucher des offenen Treffs des Jugendhauses der Gemeinde haben ihnen „Zeit geschenkt“: Der Startschuss fällt am Freitagabend mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Gasthaus. Nach diesem Einstieg geht es am nächsten Tag kulinarisch noch weiter. Zuerst ist ein Abstecher auf den Wochenmarkt geplant, dann steht selbst gebackene Pizza auf der Speisekarte. Den Abschluss soll am Sonntag ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch bilden.

Weitere Fotos und Berichte finden Sie in der Print-Ausgabe des Dom Nr. 22 / 2019.

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