Mit Vertrauen im Gepäck

Gedanken zu Lk 10,1-12.17-20

Auf den vertrauen, der uns in seinen Dienst ruft, das genügt und das trägt.

Nicht nur seiner Maschine und seinem eigenen fahrerischen Können vertraut dieser Motorradfahrer, sondern auch Gott. Motorradfahrergottesdienst beim Kirchentag in Dortmund. Foto: KNA

 

von Markus Püttmann

Als ich das Evangelium des heutigen Sonntags las, musste ich spontan an einen wunderbaren Abend im April denken. An diesem Abend hatten wir in der Katholischen Hochschulgemeinde und in der City­Pastoral K3 Christopher Schacht zu Gast. Er las aus seinem Buch „Mit 50 Euro um die Welt – Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam“. Christopher Schacht wollte nach seinem Abitur eigentlich sein Stipendium der Informatik nutzen, um eines Tages eine eigene Software-­Firma zu gründen. Doch stattdessen brach er 2013 im Alter von 19 Jahren zu einer Weltreise auf und kehrte erst im August 2017 zurück. Seitdem studiert er Theologie.

Er machte sich einfach so auf den Weg und vertraute darauf, dass alles gut gehen würde. Dass er auf dieser Reise 45 Länder bereisen und über 100 000 Kilometer zu Wasser und zu Land zurücklegen würde, dass er vier neue Sprachen lernen und mit vier Weisheitszähnen weniger zurückkehren würde, alles das wusste er nicht. Und er wusste nicht, dass er auf dieser Reise Gott für sich neu finden würde.

„Geht!“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. „Nehmt keinen Geldbeutel mit und keine Vorratstasche.“ Noch nicht einmal Schuhe sollen sie tragen. Wie haben sich die 72 Jünger wohl gefühlt, als Jesus sie unter diesen Umständen auf den Weg schickte? Oder stellen wir uns selber mal diese Frage: Wie würde ich mich fühlen, wenn heute jemand käme und mir so etwas zumuten würde? Jesus war sicherlich klar, dass diese Aufgabe alles andere als leicht war. Dennoch sind sie losgezogen. Ihre Aufgabe war klar. Allen soll das Reich Gottes verkündet werden, eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit.

Solches zu verkünden, ist schon eine große Zumutung. Denn auch wenn es sich dabei um die Erfüllung eines Menschheitstraumes handelt: Wer wird daran glauben? Wir können dankbar sein, dass es immer wieder Männer und Frauen gegeben hat, die furchtlos oder auch mit vielen Ängsten, aber ganz bestimmt mit noch größerem Glauben und Vertrauen die Botschaft von der Liebe Gottes bis in den letzten Winkel der Erde getragen haben und es bis heute tun.

Vers 2 des Evangeliums „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ wird ganz häufig auf Priester- und Ordensberufungen beschränkt. Aber dieser Auftrag Jesu gilt allen Christen. Alle Christen sind Jüngerinnen und Jünger Jesu. Deshalb sind auch alle berufen, die Frohe Botschaft vom Gottesreich zu verkünden. Und genauso wie den Jüngern damals erscheint es uns heute vielleicht auch als eine Zumutung. Aber in diesem Wort steckt ja auch „MUT“ mit drin. Jesus macht uns Mut, für ihn einzutreten und seine Botschaft in die große und auch kleine Welt zu tragen. Sprechen wir ruhig davon, was uns im Leben trägt, uns hält und uns Kraft gibt, was uns tröstet im Leid, was uns fürs Leben frei und auch stark macht. Der Auftrag, der im heutigen Evangelium an alle ergeht, die Jesus nachfolgen wollen, bedeutet also keine Überforderung. Und den Rat Jesu, dass nichts mit auf den Weg genommen werden soll, können wir auch positiv betrachten. Sorgen wir uns nicht, was alles passieren kann und was wir alles haben müssten, damit wir bestens darauf vorbereitet sind. Geht los. Seht, was kommt. Achtet auf das, was euch begegnet und vertraut darauf, dass Gott uns nahe ist. Vielleicht machen wir dann auch so eine große Erfahrung wie Christopher Schacht, der mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam.

Zum Autor:

Pastor Markus Püttmann ist Studierendenseelsorger, KHG Siegen, und Mitarbeiter in der Leitung der K3-CityPastoral Siegen.

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