Moralisch fragwürdig

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio

 

Der Anschlag auf den Bus des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund hat für großes Entsetzen gesorgt. Mit völligem Unverständnis reagieren die Menschen auf die Ermittlungsergebnisse, nach denen der Täter möglichst viele Fußballspieler verletzen oder gar töten wollte, um eine Menge Geld zu verdienen.

Der festgenommene 28-Jährige hatte sogenannte Options­scheine gekauft. Damit hätte er großen Gewinn gemacht, wenn die Aktie des BVB abgestürzt wäre. Und genau solch einen Kurssturz wollte Sergej W. mit dem Attentat herbeiführen. Die Abscheu über die Tat und ihr Motiv sind mehr als berechtigt.

Zugleich muss man jedoch die Frage aufwerfen, was dieses Verbrechen begünstigt und erst ermöglicht hat. Es ist ein moralisch fragwürdiges Wirtschaftssystem, in dem man an der Börse viel Geld verdienen kann, wenn es einem Unternehmen schlecht geht. Manchmal reicht ja schon ein Gerücht, damit die Aktien eines Unternehmens fallen – und Arbeitsplätze gefährdet werden. Diese Tatsache, dass man auf die Krise einer Firma ganz legal an der Börse „wetten“ kann, ist moralisch mehr als verwerflich.

Das hat mit einer sozialen Marktwirtschaft ebenso wenig zu tun wie etwa die Spekulation mit Lebensmitteln an den Aktienbörsen, während gleichzeitig Millionen Menschen auf der Welt Hunger leiden.

Diese Auswüchse des Kapitalismus müssen gestoppt werden, wenn Deutschland sich weiter als das Land der sozialen Marktwirtschaft deklarieren will. Ausflüchte der Politiker, hier müssten internationale Regeln gefunden werden, lasse ich nicht gelten. Manchmal muss eben ein Land mit gutem Beispiel vorangehen.

(Lesen Sie zu dem Thema im nächsten Dom "Tod einer Beziehung", S. 18)

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