Moralische Instanz

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Kurz vor Beginn der Adventszeit hatte Papst Franziskus die bisher wohl heikelste politische Mission seines Pontifikates zu bewältigen. Die Besuche in Myanmar und Bangladesch waren überschattet von der Vertreibung der Rohingya aus Myanmar.

Schmaler Grat - Holzbrücke in Myanmar. Foto: karl-ferdinand / pixabay

 

Normalerweise scheut Franziskus in solchen Fällen das offene Wort nicht. In diesem Fall jedoch musste er auf einem schmalen Grat gehen.

Denn die Ortskirche in Myanmar hatte den Papst gebeten, das Wort „Rohingya“ nicht auszusprechen. Die katholischen Christen fürchteten, dass sie dadurch Repressalien ausgesetzt sein könnten, wenn der Papst das Land wieder verlassen hat.

Gleichwohl setzte sich Franziskus für die in Myanmar verfolgte muslimische Minderheit ein. „Ich habe die Worte verwendet, die nötig waren, meine Botschaft rüberzubringen“, berichtete Franziskus gegenüber Journalisten von seinem Gespräch mit dem Oberbefehlshaber der Armee in Myanmar. Und der Papst fügt hinzu: „Die Wahrheit habe ich nicht verhandelt.“Der Besuch eines Flüchtlingslagers der Rohingya in Bangladesch blieb Franziskus verwehrt. Aber er traf 16 Flüchtlinge und sprach lange mit ihnen. In einer improvisierten Rede nannte er sie „Rohingya“ und bat diese um Vergebung im Namen aller, die ihnen „Böses angetan haben“ – und vor allem „für die Gleichgültigkeit der Welt“.

Der Papst hat wieder einmal deutlich gezeigt, dass er weder bestechlich ist und dass er sich nicht unter Druck setzen lässt. In dieser unübersichtlicher werdenden Welt ist er eine moralische Instanz, die unverzichtbar bleibt – nicht nur für uns katholische Christen.

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