Nach meinem Bilde?

Geistlicher Glaubensimpuls

Manchmal durchstreift unsereins das Internet, um zu sehen, ob es in der Welt nicht noch was anderes als Terror­anschläge und absonderliche „Trump-eleien“ gibt. Wenn nichts mehr hilft, helfen immer noch lustige Katzenvideos bei Youtube. Die retten einen für den Moment, aber der Mensch braucht doch ab und zu mal etwas, was ihn fasziniert, was ihn innehalten lässt, was ihn – sagen wir: auf einer anderen Frequenz anspricht.

von Claudia Auffenberg

Und – wow – neulich gab es mal was. Auf bento.de, das ist ein Angebot des SPIEGEL für junge Leute, ist ein Bild der amerikanischen Künstlerin Harmonia Rosales zu sehen. Sie hat das berühmte Fresko von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle von der Erschaffung des Adam neu interpretiert. Sie hat alle dargestellten Personen als farbige Frauen dargestellt. Alle, auch Adam und Gott. Wenn man das zum ersten Mal sieht, stockt einem wirklich der Atem und für den Bruchteil einer Sekunde ist man geneigt, die kleine Portion Empörung zu aktivieren, die man als gemeiner Katholik immer griffbereit hat, falls jemand an der falschen Stelle spottet, aber: Hier spottet niemand.

Gott als schwarze Frau – ja, warum nicht! Wo ist der Unterschied zu Gott als weißer Mann? Im Interview sagt die Künstlerin noch: „Uns wurde beigebracht, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat. Eigentlich haben wir aber Gott nach unserem Abbild geschaffen. Deshalb kann Gott sein, wer immer wir wollen.“ Der zweite Satz ist eine irritierende Wahrheit, der dritte Satz eine Schlussfolgerung, die man nicht mitgehen möchte, jedenfalls nicht im heiteren Tonfall. Es ist ja gerade das Pro­blem unserer Zeit, dass manche Gott nach ihrem Bild schaffen und dann im Namen dieses selbst gebastelten Götzen agieren. Gott kann nicht der sein, den wir wollen.

Das möge er selbst verhüten.

Hier geht zu dem Bild auf bento.de

Foto: Clara Diercks / pixelio

 

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