„Nistplatz to go“

Geistlicher Glaubensimpuls

Waldbrände, Handelsstreit, ­Mesut Özil, mannomann, gibt es denn nichts Schönes mehr auf der Welt? Jetzt, wo der Sommer doch so ist, wie er früher angeblich immer war? Also, bitte kein Thema, zu dem sich die Empörungsprofis ihre Meinung ordentlich um die Ohren hauen können und die Welterklärungsspezialisten heiß laufen. Nein, gesucht wird irgendwas Erfreuliches, etwas Amüsantes, etwas Versöhnliches, vielleicht was mit Tieren … So etwas muss es doch geben!

Ein eleganter Vogel in schwarzweiß: Die Bachstelze, die aber keineswegs nur an Bächen nistet... Foto: Angelika Wolter / pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Da, halleluja, eine kleine Meldung in der Lokalzeitung: In Melle hat eine Bachstelze unter einem Lkw genistet, also nicht auf der Straße oder auf einem Parkplatz, sondern am Lkw.

Der Wagen war nicht stillgelegt, er fuhr tagsüber in der Gegend umher, abends und am Wochenende war er auf dem Firmengelände. Das heißt: Die Vogeleltern haben unterm Lkw, womöglich also auch während der Fahrt, die außerhalb des Reviers führte, gebrütet und später die Jungen versorgen können. Und anscheinend haben die Jungen ihre ersten Flugversuche auf unbekanntem Terrain gemacht.

Dass sich Vögel interessante Nistplätze suchen, ist nicht neu. Es hat damit zu tun, dass es immer weniger geeignete Brutplätze in der Natur gibt. Vögel sind zudem Kulturfolger, sie und andere Wildtiere suchen die Nähe des Menschen, weil dort die Nahrungssuche leichter ist. Not macht also auch die Tiere erfinderisch. Doch wie erfinderisch sie werden können und sich nun sogar gewissermaßen einen „Nistplatz to go“ suchen, lässt auch Ornithologen staunen. Das Nest unterm Lkw hat in einschlägigen Kreisen für bundesweites Aufsehen gesorgt.

Gibt es in dieser Geschichte für uns in diesen hitzigen Tagen eine Botschaft, die uns ein bisschen beruhigen oder abkühlen lassen könnte? Na, vielleicht diese: Das Leben will leben.

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