„Ostern hält meinen Glauben wach!“

Gedanken zu Lk 24,35-48

Am Ostermorgen ist nicht nur das Grab, sondern vielleicht auch das Bett leer? Foto: pixabay

 

Christlicher Glaube lebt aus der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn.

von Josef Holtkotte

„Ostern hält meinen Glauben wach.“ So antwortete mir vor einiger Zeit eine junge Frau. Wir waren am Rande einer Festveranstaltung über unseren Glauben ins Gespräch gekommen. Manchmal entstehen solche Gespräche ungeplant und sehr intensiv. Dies war ein solches Gespräch über Auferstehung und gelebtes Christsein, über Jesus und die Suche nach Gott. Und dann kam dieses Fazit: „Ostern hält meinen Glauben wach.“ So brachte sie auf den Punkt, welche Bedeutung die Auferstehung und der lebendige Christus in unserer Welt für ihren persönlichen Glauben haben.

Vor zwei Wochen haben wir Ostern gefeiert. Und vielleicht können wir mit den Worten dieser jungen Frau sagen: „Ostern hält meinen Glauben wach.“ Die Jünger hatten Angst und waren auch Zweifler. Gerade das macht ihr Zeugnis so glaubwürdig.

Eine Auferstehung ist alles andere als selbstverständlich. Die Menschen aller Zeiten, auch uns selbst, bedrängen Zweifel: Wie kann das sein? Wer tot ist, bleibt tot! Und dazu die anderen Ängste unseres Lebens mit und ohne Namen. Gestehen wir sie uns ruhig ein: unsere Angst vor der Zukunft, vor dem Altwerden, vor der Ausweglosigkeit einer unheilbaren Krankheit, vor der Einsamkeit; unsere Angst vor dem Tod mit der bangen Frage: Was kommt danach? Mir klingt die Antwort der jungen Frau in den Ohren: „Ostern hält meinen Glauben wach.“

Das Osterlicht fällt in unsere Ängste und Zweifel. Das Evangelium zeigt uns, wie die Jünger Angst und Zweifel überwanden, wie sie zum Glauben an den Auferstandenen und an die Auferstehung fanden. Das ist beispielhaft für uns.

Die Jünger waren nach dem Kreuzestod Jesu wie am Boden zerstört. Sie waren am Ende. Wie aber kamen sie dazu, bald darauf die Auferstehung Jesu zu bezeugen und dafür sogar in den Tod zu gehen? Das ist nur möglich, weil der Auferstandene selber sich vor seinen Jüngern bezeugt hat. Er zeigt ihnen seine Hände und Füße mit den Wundmalen seines Kreuzestodes. Wenn er sich sogar Speise bringen lässt, dann wird deutlich, dass kein Gespenst vor ihnen steht, dass sie nicht auf einen Spuk he­reingefallen sind. Die Begegnung mit dem Auferstandenen besiegt ihre Ängste und Zweifel und weckt und stärkt in ihnen den Glauben an die Auferstehung. Im Hören auf sein Wort und im gemeinsamen Mahl dürfen sie ihn als Lebendigen erfahren.

Dem auferstandenen Christus können auch wir begegnen, wenn wir christliche Freude und Zuversicht verbreiten; wenn wir Hoffnung geben – dazu gehört in vielen Situationen das richtige Wort; wenn wir Menschen, die Fehler machen, nicht abstempeln; wenn wir Menschen entdecken, die ihr Scheitern und ihre Angst hinter aufgesetzten Fassaden verstecken, sie nicht bloßstellen, sondern ihnen helfen; wenn wir Vertrauenspersonen sind – und zuhören können; wenn wir beten für Menschen, die es selbst nicht mehr oder noch nicht können.

„Ostern hält meinen Glauben wach.“ Mit einem solchen Blick schauen wir auf den Auferstandenen und begegnen ihm in der Feier der Eucharistie. Mit einem solchen Blick suchen wir betend das Gespräch mit ihm, erfahren wir ihn in der betenden, singenden und feiernden Gemeinde.

Der Auferstandene ist nicht auf fernen Wolken zu finden, sondern neben uns: Er ist die alte Frau in ihrer Einsamkeit; der Mensch mit seinen Problemen; der Arme in unserer Nähe.

Die junge Frau, mit der ich sprach, hat unseren (Oster-)Glauben auf den Punkt gebracht. Christsein heißt leben mit einem, der lebt. Christus ist mitten unter uns. An jedem Tag. Immer.

Ja, „Ostern hält meinen Glauben wach.“

Zum Autor:

Pfarrer Josef Holtkotte ist Priester des Erzbistums Paderborn und seit 2013 Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland mit Sitz in Köln.

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