Prächtiger Schmuck für Almodts Kapelle

Vor über 30 Jahren hat eine Intiative in Westenholz eine Fronleichnamstradition neu belebt

Gemeinschaftsleistung: Die Westenholzer Kapellengruppe mit Pfarrer Jürgen Hülseweh.Foto: Wiedenhaus

 

Delbrück-Westenholz. Festliche Prozessionen, geschmückte Altäre, Blumenteppiche mit religiösen Motiven: Das Fronleichnamsfest ist in vielen Gegenden ein von alten Traditionen geprägtes öffentliches christliches Glaubensbekenntnis. In Delbrück-Westenholz wurde der Brauch, Almodts Kapelle – so benannt nach der Stifterfamilie des kleinen Gotteshauses – für Fronleichnam festlich zu schmücken, im Jahr 1987 nach der Kapellenrenovierung wieder aufgenommen. Seitdem wird er umso intensiver gepflegt. Und die Tatsache, dass rund 30 Familien sie generationenübergreifend pflegen, dürfte dafür sorgen, dass diese Tradition noch lange weiter besteht.

von Andreas Wiedenhaus

Hochbetrieb auf dem Hof von Beate und Willi Knepper in Westenholz: Vor der offenen Halle, in der sonst Fahrzeuge und landwirtschaftliches Gerät stehen, lagert jede Menge Tannengrün, drinnen liegt auf stabilen Böcken ein großer hölzerner Sakramentsbogen. In ein paar Stunden wird von dem blanken Fichtenholz nichts mehr zu sehen sein. Denn hier ist ein eingespieltes Team am Werk.

„Alle wissen genau, was sie zu tun haben“, freut sich Willi Knepper über das geschäftige Treiben: Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer sind mit großem Eifer bei der Sache. Besonders faszinierend ist es, wie sich der Bogen Meter um Meter von einer schnöden Holzkonstruktion zum geschmückten Glaubenssymbol wandelt: Ebenso geschickt wie schnell wird das Tannengrün um das Fichtenholz gewickelt und mit Bindegarn fixiert. Diese Aufgabe übernehmen die Frauen aus der Gruppe.

Einen Tag zuvor bereits haben die Männer das Tannengrün sowie Schilf besorgt. Das Grün wird für den Bogen benötigt, Schilfrohr zur Umrahmung und Verzierung der Blumenteppiche und -bilder, die vor der Kapelle gelegt werden. „Mittlerweile ist es gar nicht mehr so einfach, Grün in so einer Menge zusammenzubekommen“, weiß Willi Knepper, „doch bisher haben wir noch immer rechtzeitig eine Quelle gefunden.“ Schließlich haben die Mitglieder der Kapellengruppe ihre Beziehungen, und ihr Engagement wird von den Westenholzern hoch geschätzt. Das zeigt nicht zuletzt die große Beteiligung an der hl. Messe, die an Fronleichnam an der Kapelle gefeiert wird.

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun, und der Zeitplan ist eng gesteckt. Wenn der Bogen fertig geschmückt ist, wird die ganze Konstruktion auf einen Anhänger verladen und mit einem Traktor aus Willi Kneppers Fuhrpark zur Kapelle gebracht. Spannend wird es dann noch einmal am Fronleichnamsmorgen – und das nicht nur wegen des Wetters. „Die Nacht schlafe ich nicht besonders gut“, erklärt Waltraud Ebbesmeyer. Gemeinsam mit ihrem 1991 verstorbenen Ehemann Johannes hatte sie sich vor über 30 Jahren bereit erklärt, als Pfarrgemeinderatsmitglieder die Organisation zu übernehmen und damit die Tradition neu zu beleben. Die ehemalige Lehrerin freut sich noch heute darüber, wie groß damals die Begeisterung war, das habe alle motiviert. Sie erinnert sich: „Aus einem Mosaik von eigenen Erinnerungen, Überlieferungen älterer Mitbürger, Fotos aus vergangenen Zeiten und Gesprächen hier und dort entstand so nach und nach ein immer vollständiger werdendes Bild dessen, was möglich war.“

Und warum sie in der Nacht vor Fronleichnam nicht so tief schläft, verrät Waltraud Ebbesmeyer auch: „Erst am Morgen des Festes können wir entscheiden, welche Motive und Bilder gelegt werden können, weil man vorher nicht weiß, was an Blumen und Blüten zur Verfügung steht.“ Um sieben Uhr trifft man sich an der Kapelle. Dann muss es schnell gehen, denn um zehn Uhr beginnt der Gottesdienst: Nachdem sie sich einen Überblick über den Blumen- und Blütenfundus verschafft hat, zeichnet Waltraud Ebbesmeyer die Muster vor und markiert mit Kreide die Positionen, dann gehen die Mitstreiterinnen und Mitstreiter ans Werk. Auch hier sind gute Teamarbeit und Verlässlichkeit gefragt: „Jeder bringt für den Blumenschmuck das mit, was er hat!“

Und das hat bisher immer ausgereicht, um beeindruckende Motive entstehen zu lassen. Während am Mittwoch von den einen also fleißig Blumen und Blüten gesammelt werden, sind die Männer an der Kapelle damit beschäftigt, den Sakramentsbogen aufzustellen und die Positionierung der Fahnenstangen und der „Pluimers“ vorzubereiten.

„Pluimers“ ist die plattdeutsche Bezeichnung für die Birkenzweige, die den Weg zur Kapelle säumen. Mitarbeiter der Tischlerei Morfeld aus Westenholz bringen den Altar, der für die Messfeier vor dem Gotteshaus aufgebaut wird.

Mittlerweile hat sich der Sakramentsbogen in der Fahrzeughalle zum echten Schmuck­stück gewandelt, und es ist Zeit für eine wohlverdiente Pause. Auch an diesem Punkt zeigt sich, dass die Westenholzer Kapellengruppe einiges „drauf“ hat. Zur Stärkung gibt es ein beeindruckendes Kuchenbüfett: Von Marmorkuchen bis zur Erdbeertorte – nicht zu vergessen die traditionellen „Püfferchen“ – wird alles von den beteiligten Familien gebacken. Auch die Getränke fehlen nicht. „Das hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt, alle bringen etwas mit“, sagt Beate Knepper mit einem Blick über das vielfältige Angebot: „Ebenfalls ein Zeichen dafür, dass jeder mit Freude und Eifer bei der Sache ist!“

Die Mitglieder der Gruppe greifen gerne zu, die Leckereien haben sie sich nach der beeindruckenden Gemeinschaftsleistung auch mehr als verdient. Bei Kaffee, Kuchen und belegten Broten ist jetzt Zeit und Gelegenheit, einen Blick in die Fotoalben zu werfen, in denen Beate Knepper die vergangenen Jahre dokumentiert hat: Die Bilder zeigen nicht nur die wunderschönen Blütenmotive und die Arbeit, die dahinter steckt, sie machen auch deutlich, dass hier keine Gruppe „ihr Ding durchzieht“, sondern dass die ganze Gemeinde und nicht zuletzt Pfarrer Jürgen Hülseweh das zu schätzen wissen: Die Kommunionkinder feiern die heilige Messe ebenso mit wie die Mitglieder des Schützenvereins. Für den musikalischen Rahmen sorgt die Blaskapelle der Musikfreunde Westenholz.

Bis es allerdings soweit ist, gibt es noch einiges zu tun. Doch der Einsatz lohnt sich, daran lassen die Frauen und Männer keinen Zweifel. Das sehen auch ihre Familien so, denn häufig ist bereits die nächste Generation beteiligt. Wenn am Dienstag nach Fronleichnam also das „Abkränzen“ ansteht, werden wieder alle mit anpacken.

Die Motivation der Kapellen­i

nitiative hat Waltraud Ebbesmeyer in einem Zeitungsbeitrag einmal so zusammengefasst: „Wenn der Priester mit dem Allerheiligsten über den Blütenteppich schreitet und das Glöckchen in der Kapelle ertönt, liegt eine tiefe Andacht über diesem schönen Fleckchen Erde in unserem Westenholz.“

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