Praktische Hilfe für Eltern

Babylotsen sind jetzt auch in Hamm angekommen

Die Babylotsen Sylvia Milke (links) und Martina Schick (rechts) stehen jungen Müttern wie Julia Pirazer mit ihrem neugeborenen Sohn Kirill mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Jonas

 

Hamm. Um unerfahrenen Eltern zu helfen, gibt es die Babylotsen. Diese aus Hamburg stammende Idee anfänglicher Beratung und Begleitung hat der SkF Hörde jetzt auch an der St.-Barbara-Klinik etabliert. Erste Erfahrungen zeigen inzwischen, dass das Projekt wirklich Sinn macht.

Für die frischgebackenen und glücklichen Eltern schien alles klar zu sein, als sie ihr Baby im Arm hielten. Nein, Fragen hatte das aus Syrien stammende Paar nicht, als sie nach der Geburt in der St.-Barbara-Klinik Hamm-Heessen Besuch von Babylotsin Martina Schick bekamen. „Ich habe dann ein paar Standardfragen gestellt“, berichtet diese. „Anschließend saß der Vater da und war nur noch überfordert.“ Denn das Paar war nicht verheiratet.

Die deutsche Verwaltung erschließt sich nicht jedem sofort und da muss Aufklärung her. Von der in Deutschland zwingend nötigen Vaterschaftsanerkennung und der Notwendigkeit, die elterliche Sorge zu regeln, hatte es noch nie gehört. „Das zu erklären war schwierig.“ Martina Schick machte einen Termin beim Jugendamt, besorgte auch einen Kinderarzt für die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nötigen Nachsorgeuntersuchungen.

„Ich habe dann ein paar Tage später nachgefragt, ob beim Jugendamt alles geklappt hat.“ Beim ersten Termin hatte der Dolmetscher seinen Ausweis vergessen. Also ein neuer Termin. „Im zweiten Anlauf konnte dann aber alles geregelt werden“, berichtet Martina Schick. Damit war für die Babylotsin die Begleitung beendet. „Das Paar kann mich bei Fragen aber jederzeit anrufen.“

„Die Babylotsen füllen eine Lücke“, erklärt Susanne Smolén, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Dortmund-Hörde, die das Projekt in Hamm in Zusammenarbeit mit der St.-Barbara-Klinik Hamm ­GmbH angestoßen hat. Zwar gibt es Schwangerschaftsberatungen und frühe Hilfen für Schwangere, wie sie der SkF Hörde mit dem Kurs-Programm „Fit fürs Baby“ rund um Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach anbietet. Doch nicht alle Frauen werden dadurch erreicht.

Speziell Frauen aus belasteten Verhältnissen erfahren häufig nichts von Unterstützungs- und Hilfsmöglichkeiten. Diese Frauen könne man am besten in den zwei oder drei Tagen, wo sie auf der Geburtsstation sind, erreichen, betont auch Dr. Birgit Sauer, Leiterin der Elternschule der St.-Barbara-Klinik, die das Projekt mitträgt. „Das ist genau die richtige Zeit, die Eltern anzusprechen und zu motivieren, Unterstützung anzunehmen.“

Die Babylotsen ergänzen das Anliegen der seit 20 Jahren bestehenden Elternschule, Eltern durch ein vielfältiges Kurs- und Beratungsangebot in allen Fragen zu unterstützen. Alle frischgebackenen Mütter aufzusuchen, war bislang personell nicht möglich. Da kommen jetzt die Babylotsen ins Spiel.

Während der SkF die Sozialpädagogin Martina Schick acht Stunden wöchentlich dafür abstellt, ist es seitens der Klinik die langjährige Hebamme und Stillberaterin Sylvia Milke. „Diese Kombination ist etwas ganz Besonderes“, erklärt Susanne Smolén. Eine Einschätzung, die die beiden Babylotsen teilen. Oft sei es nichts Großartiges, was die beiden den Frauen mit auf den Weg geben, sagt Sylvia Milke.

„Eigentlich Banalitäten, etwa dass die Frau Anspruch auf eine Nachsorge-Hebamme hat. Manche Frauen wissen das nicht. Wir regeln das dann für sie und machen einen Termin mit einer Hebamme.“ Eben eine „wichtige Winzigkeit“, formuliert es Sylvia Milke, die einer frischgebackenen Mutter entscheidend weiterhelfen könne. Ziel sei jedoch nicht, den Frauen die Arbeit abzunehmen. „Als Lotsen zeigen wir nur den Weg.“ „Das weckt dann auch die eigenen Kräfte“, ergänzt Martina Schick. „Nur wenn ich merke, es geht nicht, schlage ich vor, dass ich sie begleite.“

Maßgeblich gefördert wird das Projekt im ersten Jahr von der See-you-Stiftung, die die Babylotsen 2007 zur Unterstützung besonders belasteter Familien in Hamburg einführte. Mittlerweile gibt es Babylotsen an mehr als 31 Standorten in sieben Bundesländern.

Damit die Babylotsen in Hamm die jungen Eltern auch in Zukunft unterstützen können, suchen Susanne Smolén und Dr. Birgit Sauer nach weiterer finanzieller Unterstützung. Bei der CaritasStiftung für das Erzbistum Paderborn sind sie schon fündig geworden: Mit 5 000 Euro unterstützt sie die Babylotsen. Doch: „Jede weitere Spende ist willkommen“, sagt SkF-Geschäftsführerin Susanne Smolén.

www.skf-hoerde.de

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