Spur des Terrors

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat Entsetzen und Empörung hervorgerufen. Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin fordern eine lückenlose Aufklärung des Verbrechens. Mittlerweile scheint klar, dass der Täter aus der rechten Szene kommt.

Foto: Berthold Bronisz / pixelio

 

Aufklärung ist in der Tat dringend nötig. Und dabei kann und darf es nicht nur um den Mord an Walter Lübcke gehen. Denn seit dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden, zieht sich eine Spur des rechten Terrors durch das Land. Es gab Anschläge auf Asylbewerberheime sowie auf ausländische Mitbürger – und nicht zuletzt die Mordserie der Terrorgruppe NSU.

Doch während der Staat im Kampf gegen den Terror der linken „Rote Armee Fraktion“ (RAF) alle Register zog und auch Unterstützer zur Rechenschaft zog, waren die Behörden auf dem rechten Auge ziemlich blind. Meist war – wie beim Oktoberfest-Anschlag – von Einzeltätern die Rede. Die Pannen bei den Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit der Aufklärung der NSU-Morde kommen erst jetzt nach und nach ans Licht. Zudem soll es in der rechten Szene eine „Todesliste“ mit Namen von Kommunalpolitikern geben. Die Sicherheitsbehörden werden viel erklären müssen, warum sie entweder das rechte Terror-­Netzwerk nicht erkannt oder nicht richtig ernst genommen haben.

Zur Aufklärung gehört aber auch, jene zu entlarven, die mit Worten den rechten Terror begünstigen. Und dabei darf es keine Rolle spielen, ob gegen Politiker oder Flüchtlinge gehetzt wird. Denn nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Grundgesetz ist jeder Mensch gleich viel wert.

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