Talkshowfasten

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Der Advent ist für uns Christen die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Das Wort kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet Ankunft. Das bekannteste Symbol für diese Zeit ist der Adventskranz mit seinen vier Kerzen. Jede Woche wird eine Kerze mehr angezündet, sodass es bis zur Ankunft des Herrn langsam immer heller wird.

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Auch die Bundesbürger leben derzeit in einer Art Advent. Sie warten auf eine neue Regierung. Nachdem die FDP die Verhandlungen über das Vierer-Bündnis aus CDU, CSU, Grünen und FDP hat platzen lassen, herrscht rege Betriebsamkeit in Berlin, die gekennzeichnet ist von heftigen gegenseitigen Schuldvorwürfen und Druck auf die SPD, doch noch einer Großen Koalition zuzustimmen.

Nur ein Spitzenpolitiker macht im Moment eine wirklich gute Arbeit – nämlich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Unermüdlich redet er mit den Vorsitzenden der Parteien. Steinmeier stellt sich jedoch nicht wie die anderen vor die Fernsehkameras und gibt ständig Interviews, sondern erledigt seine Aufgabe im Stillen. Er meistert diese schwierige Situation, die noch kein Bundespräsident vor ihm in der Form erlebt hat.

In früheren Jahren war der Advent nicht so laut wie heute. Er war eine stille Zeit des Fastens und Wartens. Daran könnte sich die Politik ein Beispiel nehmen – alles etwas ruhiger angehen lassen und vor allem ein Interview- und Talk-Show-Fasten einlegen. Das wäre für eine Regierungsbildung sicher hilfreich. Ob wir allerdings noch in diesem Jahr eine neue Regierung bekommen, ist eher fraglich.Wirkliche Verlässlichkeit gibt es eben nur im Glauben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Zeit der Besinnung im Advent!

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