Unter einem Joch!

Gedanken zu Mt 11,25-30

So, wie der Sohn beim Vater Ruhe findet, so findet Ihr Ruhe beim Sohn. Foto: altanaka / photocase

 

Mit Jesus unter einem Joch wird jede Last erträglich

von Achim Hoppe

Wichtige Entwicklungsschritte in unserem Leben meistern wir nicht allein. Wo auch immer wir über uns selbst hi­nausgewachsen sind, sind wir das normalerweise unter dem Einfluss und durch die Hilfe anderer Menschen: Der Fußballtrainer, der die meisten Spiele gewinnt, ist derjenige, der seine Spieler liebt wie Söhne und sie gleichzeitig antreibt wie Ochsen. Eine Lehrerin wird mit ihrer Klasse die besten Resultate erzielen, wenn sie ihre Schüler einerseits als Menschen gern hat und sie akzeptiert, diese aber auch gezielt fordert und fördert. Und das schließt manche Anstrengung mit ein. Unterstützung ohne Anforderung ist billige Liebe. Rigorismus ohne grundlegende Akzeptanz zermalmt auf Dauer den Geist und lähmt durch Angst. Nur wenn beide Seiten der Liebe zusammenkommen, empfangen wir wirklich die Stärke zu wachsen.

Jesus lädt uns im Evangelium ein, von ihm zu lernen und in seine Schule zu gehen. Dabei verwendet er das Bild des „leichten Joches“. Wie kann aber ein schweres Ochsenjoch leicht sein? Auf der einen Seite dient ein Joch dazu, einem Zugtier zu helfen, zum Beispiel einen Pflug zu ziehen. In diesem Sinn erscheint das Joch zwar hilfreich, aber die Last bleibt trotzdem schwer. Auf der anderen Seite verbindet ein Joch Tiere nicht nur mit der Last – ein Joch verbindet auch zwei Tiere miteinander! Das ist der Grund, warum zwei Ochsen unter einem Joch auch als „ein Joch Ochsen“ bezeichnet werden; denn es stellt die beiden Tiere Seite an Seite. Joche helfen nicht nur dabei, Lasten aufzuerlegen, sondern sie dienen ebenso dazu, Bürden auf zwei Schultern zu verteilen.

Von hier aus können wir Jesu Rede vom „leichten Joch“ besser verstehen. Sicher – Christsein bedeutet einen hohen moralischen Anspruch. Jesus forderte seine Zuhörer nicht nur dazu auf, keinen Ehebruch zu begehen oder nicht zu töten. Er ging viel tiefer: Er bestand darauf, dass sie auch die schlechten Gedanken oder den Groll im eigenen Herzen töten sollten. Aber manchmal, wenn wir versuchen, unsere eigenen Schwächen zu bekämpfen, vergessen wir, dass wir diesen Schwächen nicht allein begegnen. Wenn uns Versuchungen der Begierde, des Zorns oder der Faulheit besetzt halten, wollen wir am liebsten die Zähne zusammenbeißen und unseren Willen gegen sie mobilisieren. Aber das funktioniert selten aus sich heraus. Und Jesus weiß das. Darum lädt er uns unmissverständlich dazu ein, zu ihm zu kommen mit allen Lasten, die wir tragen, damit er diese Lasten mitträgt – neben uns unter dem einen Joch!

Eine Frau, die gerne und viel über andere redete, wusste, dass ihr Getratsche nicht dem Evangelium entsprach, konnte aber ihr Verhalten nicht ändern. Als sie darüber mit einem Seelsorger redete, fragte dieser sie einfach, wovor sie denn Angst habe, wenn sie mit dem Tratsch aufhören würde. Sie dachte einen Moment nach und antwortete: „Ich habe Angst, dass die Leute dann ihr Interesse an mir verlieren und dass ich für sie langweilig werden könnte.“ Sie fürchtete sich, nicht so geliebt zu werden, wie sie ist. Der Seelsorger empfahl ihr dann, diese Angst ins Gebet vor Gott zu bringen. Das tat sie und fühlte sich auf einmal geliebt und angenommen. Sie bekam Kraft und Mut, ihr Problem an der Wurzel zu packen und nach und nach mit dem Gerede über andere aufzuhören. Schritt um Schritt wurde sie verwandelt; denn sie durfte spüren, dass sie geliebt und angenommen war – bedingungslos!

Christi Joch ist deshalb leicht, weil wir im Zentrum der Nachfolge nicht ein Gesetz, sondern eine Person finden, die „demütig und selbstlos von Herzen“ ist, eine Person, die uns liebt und unsere Last schultert. Gott sei Dank!

Zum Autor:

StD Pastor Achim Hoppe ist Schulseelsorger und Lehrer an den Schulen St. Michael in Paderborn.

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