Vaterunser im Gespräch

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Papst Franziskus hat wieder einen Stein ins Wasser geworfen – und dieser sorgt jetzt für einen großen Wellenschlag.

Draht nach oben. Foto: busdriverjens / photocase

 

In einem Interview des katholischen italienischen Fernsehsenders „TV2000“ hatte der Papst geäußert, die letzte Bitte des Vaterunser – „führe uns nicht in Versuchung“ – sei „keine gute Übersetzung“. Schließlich sei es ja nicht Gott, der die Menschen in Versuchung führe, sondern der Satan.

Für den theologischen Laien ist diese Argumentation durchaus nachvollziehbar. Warum sollte Gott uns Menschen absichtlich Stolpersteine in den Weg legen, um dann mal zu schauen, ob wir der Versuchung erliegen? Das kann eigentlich nicht im Sinne des – die Menschen liebenden – Gottes sein.

Bei Theologen jedoch hat die Aussage des Papstes heftigen Widerspruch hervorgerufen. Sie verweisen darauf, dass es sich hier um die Worte Jesu handelt und die Bibel korrekt übersetzt wurde.

Die Diskussion beschränkt sich aber nicht nur auf einen inneren theologischen Zirkel. Zahlreiche Medien – von Tageszeitungen über Magazine bis zu Fernsehsendungen – griffen das Thema auf. Es wird in diesen vorweihnachtlichen Tagen über das Vaterunser und den Glauben diskutiert. Mit seiner provozierenden Aussage hat Papst Franziskus einen deutlichen Gegenakzent zum Kommerz der Adventszeit gesetzt. Endlich wird wieder einmal auf breiter Front über den Glauben gesprochen und nicht nur über die Frage, was man für Geschenke kaufen soll.

Ob Papst Franziskus dies beabsichtigt hat, ist nicht bekannt. Aber es ist ihm gelungen, eine großartige Debatte anzustoßen.

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